Weinstadt Konflikt unter Kollegen eskaliert

Symbolbild. Foto: Mogck / ZVW

Weinstadt. „Ich habe mich hinreißen lassen“: Anton P. (Name geändert) hat an seinem Arbeitsplatz in Weinstadt eine Kollegin vor ihrem neuen Freund als Frau dargestellt, die bereits mit männlichen Kollegen geschlafen habe. Wegen übler Nachrede wurde er vorm Waiblinger Amtsgericht indes nicht verurteilt.

„Dafür wirst du bezahlen, mein Freund“: Das und vieles mehr hat Donatella A. ihrem Arbeitskollegen Anton P. (beide Namen geändert) per Whatsapp geschrieben – und bald darauf folgte eine Anzeige wegen übler Nachrede.

Beleidigungen via Whatsapp

Vorwurf: Er soll sie am 4. Juli am Arbeitsplatz vor ihrem neuen Freund und damaligen Arbeitskollegen als Frau bezeichnet haben, die bereits mit mehreren anderen männlichen Kollegen „herumgevögelt“ habe. Donatella A. selbst wählte in den Whatsapp-Botschaften, die sie Anton P. schickte, allerdings auch keine höflichen Worte, sondern eher Sätze von diesem Kaliber: „Fick dich ins Knie, du ekelst mich an“, „verdreckter Hurensohn“, „Geh’ sterben“.

Dass sie dies selbst geschrieben hat, gibt Donatella A. bei der Verhandlung am Mittwochvormittag im Waiblinger Amtsgericht auch umgehend zu. Sie wirft Anton P. indes vor, dafür gesorgt zu haben, dass sie ihren Arbeitsplatz verloren hat.

"Das hat dieser Mann mir alles versaut“

Die mehrfache Mutter hatte nämlich einen befristeten Vertrag. Laut eigener Aussage hatte sie die Aussicht, übernommen zu werden – bis Anton P. ihrem Vorgesetzten gesagt habe, dass sie schwanger sei. Der Chef habe ihr dann bei einem Telefongespräch mitgeteilt, dass dies der Grund sei, warum sie nicht übernommen werde. Nun steht sie ohne festen Job da. „Das hat dieser Mann mir alles versaut.“

Dass er Donatella A. vor ihrem neuen Freund und damaligen Arbeitskollegen als Frau bezeichnet hat, die schon mit mindestens einem anderen Arbeitskollegen geschlafen habe, räumte Anton P. vor Amtsrichterin Christel Dotzauer ein.

Eine unrealistische Sichtweise

„Ich habe gesagt, was ich von ihr wusste.“ Laut eigener Aussage habe er jedoch nicht davon gesprochen, dass Donatella A. „herumgevögelt“ habe. Er habe den Lebensgefährten lediglich darauf hingewiesen, dass seine neue Freundin schon etwas mit einem anderen Arbeitskollegen gehabt habe, nämlich mit dem Stellvertreter des Chefs.

Um herauszufinden, was denn nun der Kündigungsgrund war, telefonierte Amtsrichterin Christel Dotzauer mit dem Vorgesetzten. Dieser habe ihr versichert, dass niemand etwas an ihn herangetragen habe. Seine Entscheidung, den befristeten Vertrag einfach auslaufen zu lassen und der Mitarbeiterin kein Angebot auf Weiterbeschäftigung zu machen, hat er laut Christel Dotzauer mit organisatorischen Umständen begründet.

Die Waiblinger Richterin hält diese Darstellung für glaubwürdig. Dass Donatella A. in ihrer Situation mit einem neuen Arbeitsvertrag rechnete, hält sie für eine unrealistische Sichtweise. „Da muss einer schon ein Gönner sein.“

Donatella A fühlt sich immer noch gedemütigt

Die Entschuldigung, die Anton P. über ein Schreiben seines Anwalts an Donatella A. ausrichten ließ, will die mehrfache Mutter nicht annehmen. Sie fühlt sich laut eigenem Bekunden immer noch gedemütigt. „Was habe ich diesem Mann angetan, dass er mir das Leben zur Hölle macht?“

In dem Zusammenhang erwähnte sie noch, dass Anton P. sie einmal im Januar in der Arbeit am Bauch angefasst habe. Daraufhin reagierte der Anwalt von Anton P. barsch: „Wenn Sie das nicht belegen können, hat das ein Nachspiel. So was macht man nicht.“ Donatella A. konterte umgehend: „Irgendwo ist Ende Gelände, wenn jemand auf der Arbeit mir auf den Bauch fasst.“

„Machen Sie einen Bogen“

Der Waiblinger Amtsrichterin Christel Dotzauer war es dann genug. Sie schlug vor, das Verfahren gegen den bisher nicht vorbestraften Anton P. nach Paragraf 153, Absatz zwei, des Strafgesetzbuches einzustellen. Nach kurzer Beratung mit seinen Vorgesetzten stimmte auch der junge Staatsanwalt zu.

Für Anton P. hatte Christel Dotzauer am Schluss noch einen gut gemeinten Rat übrig – und zwar was den weiteren Umgang mit Donatella A. angeht: „Machen Sie einen Bogen.“

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