Weinstadt Ladesäulen für Elektroautos im Praxistest

 Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Weinstadt. Wie leicht lassen sich Elektroautos an den beiden öffentlichen Ladesäulen der Weinstädter Stadtwerke aufladen? Doris Groß und Paul Fink, beide passionierte E-Auto-Fahrer, waren für unsere Zeitung als Tester unterwegs – und haben den Weinstadt-Redakteur gleich mal selbst ausprobieren lassen, wie so ein Elektrofahrzeug Strom tankt.

„Ladekabel verriegelt! Bitte beenden Sie den Ladevorgang am Fahrzeug.“ Als diese Meldung das erste Mal erscheint, wundern Doris Groß und ich uns noch. Es ist ein Dienstagmittag im Februar, wir stehen vor dem Gebäude der Weinstädter Stadtwerke an der Schorndorfer Straße in Endersbach. Ich habe exakt alles so gemacht, wie es mir die Beutelsbacherin gesagt hat.

Ihre Ladekarte der Stadtwerke Weinstadt habe ich vor das RFID-Symbol an der Ladesäule gehalten, woraufhin folgende Nachricht erschien: „Bitte verbinden Sie das Fahrzeug mittels Kabel mit der Ladestation“.

Das Ladekabel mit dem Typ-2-Stecker habe ich daraufhin erst vorne unterhalb der Motorhaube eingesteckt und dann mit der Ladesäule verbunden. Der Typ-2-Stecker ist weit verbreitet und gegen ungewolltes Abziehen gesichert, was Dieben das Leben schwerer macht. Auf dem Display des Renaults wird uns angezeigt, dass die Batterie bereits aufgeladen wird – doch die Säule sagt uns, dass wir den Ladevorgang beenden sollen.

Habe ich was falsch gemacht? Ich stecke alles noch mal aus und wieder an, doch es erscheint erneut nur eine Fehlermeldung. Daraufhin steckt Doris Groß alles noch mal aus und alles noch mal an – und plötzlich funktioniert es.

Stadtwerke wollen die Zahl ihre Ladestationen auf acht ausbauen

Genau zwei öffentliche Ladesäulen gibt es in Weinstadt im Moment, je eine am Beutelsbacher Rathaus und am Sitz der Stadtwerke. Sechs weitere sollen dazukommen, zudem soll das Angebot im Verlauf des Jahres kostenpflichtig werden. Nach welchem Modell abgerechnet wird, ist noch offen. Auch außerhalb von Weinstadt gibt es Ladesäulen für Elektroautos. Unsere Karte zeigt wo:


Unsere Zeitung hatte die Beutelsbacher Doris Groß und Paul Fink gebeten, als passionierte E-Auto-Fahrer die Ladesäulen zu testen. Beide laden ihre Fahrzeuge eigentlich immer zu Hause auf.

E-Autos werden unterschiedlich schnell aufgeladen

Doris Groß steckt ihren Renault freitags an, dann reicht der Strom meist für eine Woche. Paul Fink lädt jeden zweiten Tag auf. Beide sind überzeugt: Für Kurzstrecken gibt es nichts Besseres als E-Autos. Bei der Geschwindigkeit, mit der die Fahrzeuge aufgeladen werden, gibt es indes erhebliche Unterschiede.

In etwa zwei Minuten hat der Renault von Doris Groß an der Ladestation vor den Stadtwerken bereits 0,36 Kilowattstunden getankt. Der Citroën von ihrem ehemaligen Nachbarn Paul Fink dagegen braucht für diese Menge beim Aufladen an der Ladesäule am Beutelsbacher Rathaus mehr als zehn Minuten.

Die Branche ist rasant im Wandel

Der Grund dafür ist denkbar einfach: Der gelernte Fernsehtechniker muss eine Schuko-Steckdose benutzen, weil sein Schnellladekabel mit vielen Ladesäulen in Deutschland nicht kompatibel ist. Paul Finks E-Auto ist schon sieben Jahre alt – und damit in der einem rasanten Wandel unterzogenen Branche eine Art Oldtimer.

60 000 Kilometer ist der Beutelsbacher mit seinem Citroën mittlerweile gefahren, den er einst für 25 000 Euro als Jahreswagen gekauft hat. Um die Ladesäule der Stadtwerke zu nutzen, hat er eine alte Ladekarte der EnBW dabei. Auch diese funktioniert in Weinstadt einwandfrei. Insgesamt sind unsere beiden Tester jedenfalls mit dem Angebot zufrieden. Für sie gehen Stadt und Stadtwerke mit gutem Beispiel voran.

Doris Groß kann ihren Renault in 45 Minuten zu 80 Prozent aufladen

Doris Groß hat in ihrem Auto ein Navigationsgerät, das ihr anzeigt, wo sich Ladesäulen befinden. Im Gegensatz zu Paul Fink, der auf Schuko-Steckdosen angewiesen ist, lohnt sich bei ihr das Aufladen an einer öffentlichen Ladesäule schon. „In einer Dreiviertelstunde komme ich auf 80 Prozent."

Für alle, die mit ihrem E-Auto Urlaub machen wollen, hat die Beutelsbacherin noch einen Tipp: die Grand Tour of Switzerland. Dank 300 Ladestationen auf der Route können hier 1600 Kilometer am Stück zurückgelegt werden.


Testfahrt mit dem Elektroauto

„Sind Sie auch versichert?“ Das ist meine erste Frage, als mir Doris Groß spontan anbietet, mit ihrem Elektroauto zu fahren. Ich bin absoluter Neuling, was E-Autos angeht. Da ich aber als Weinstadt-Redakteur nicht kneifen will, nehme ich am Steuer des Renaults Platz und fahre vom Beutelsbacher Rathaus nach Endersbach.

Dabei mache ich denselben Fehler gleich mehrfach: Ich nutze meinen linken Fuß wie bei einem Auto mit Schaltgetriebe. Da es bei einem Automatikfahrzeug nun mal keine Kupplung gibt, lande ich auf diese Weise auf der Bremse. Folge: Doris Groß und mich rüttelt es ordentlich durch.

Sobald ich aber raushabe, wie ich fahren muss, ist es echt bequem. Ich bin erstaunt, wie schnell das E-Auto aus dem Stand beschleunigt. Im Gegensatz zum Benziner habe ich bereits beim Anfahren den vollen Drehmoment. Meine Scheu habe ich jedenfalls schnell überwunden. (Bernd Klopfer)

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