Weinstadt Mit Carsharing, Bus und Bahn zur Arbeit pendeln

Andreas Schackert (40) braucht kein eigenes Auto. Ab und zu allerdings nutzt er Carsharing-Fahrzeuge wie jene von Stadtmobil, um einen beruflichen Termin wahrzunehmen. Sonst fährt der Weinstädter in der Regel mit Bahn und Bus, sei es für dienstliche Reisen oder den Weg zur Arbeit bei der Gewerkschaft Verdi in Stuttgart. Foto: Schneider/ZVW

Weinstadt. Ein Teil der Strecke mit der S-Bahn, der Rest mit einem Carsharing-Fahrzeug: Das empfindet Pendler Andreas Schackert als sehr bequeme Art, von A nach B zu kommen – sei es nun privat oder beruflich. Ein eigenes Dienstfahrzeug vermisst der Weinstädter, der für die Gewerkschaft Verdi als Landesfachbereichsleiter fürs Thema Verkehr zuständig ist, nicht.

„Ich habe noch nie persönlich ein Auto besessen“: Andreas Schackert hat zwar mit 18 den Führerschein gemacht, aber er hat sich immer gegen ein eigenes Fahrzeug entschieden. Während des Studiums hat ihm das Geld gefehlt, später hat er dann Kosten und Nutzen gegeneinander abgewogen. Weder in seinem früheren Wohnort Berlin noch in seiner neuen Heimat in Weinstadt hat sich für ihn ein eigenes Auto gelohnt.

Auto bequem per App buchen

Zur Arbeit in Stuttgart pendelt der 40-Jährige meist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, doch hin und wieder nimmt er sich auch ein Carsharing-Fahrzeug. Andreas Schackert kombiniert auch Auto und Bahn, gerne auch bei Auswärtsterminen für seinen Arbeitgeber Verdi. Das sind dann zum Beispiel Streikveranstaltungen von Busunternehmen, schließlich ist Schackert Landesfachbereichsleiter für Verkehr. Da kann es dann schon mal sein, dass das Auto einfach trotz Staugefahr die bessere Wahl ist – schlicht und einfach, weil wegen des Streiks gerade viele Busse nicht fahren. Ein Dienstauto hat Andreas Schackert nicht, das stört den 40-Jährigen laut eigenem Bekunden aber auch nicht sonderlich. Er ordert dann einfach über sein Handy per App ein Carsharing-Auto. Als aufwendig empfindet er das nicht, ganz im Gegenteil: „Das Buchen ist sehr bequem.“

Carsharing-Autos immer mit Puffer buchen

Andreas Schackert kann in Weinstadt bei Stadtmobil, dem einzigen dortigen Anbieter, etwa zwischen einem Opel Astra Kombi oder einem Toyota Yaris wählen. Er zahlt pro Stunde und für jeden gefahrenen Kilometer, Verschleiß und Sprit sind da schon eingerechnet. Eine monatliche Grundgebühr zahlt er nicht. Er muss nur dafür sorgen, dass der Tank mindestens zu einem Viertel voll ist. Getankt wird an ausgewählten Tankstellen mittels einer Tankkarte.

Andreas Schackert bucht Carsharing-Autos immer mit einem zeitlichen Puffer, damit der nächste Nutzer sein Auto auch pünktlich zur vereinbarten Uhrzeit erhält. Der Gewerkschafter hat bereits einige Carsharing-Anbieter ausprobiert. Flinkster, eine Tochterfirma der Deutschen Bahn, „Drive now“ von BMW oder „car2go“ von Mercedes. In der Großstadt, hat Andreas Schackert die Erfahrung gemacht, kann er oft zwischen mehreren Anbietern auswählen – in Kleinstädten dagegen sehe das anders aus. So gern Andreas Schackert Carsharing nutzt, so ungern fährt er mit dem Auto von Weinstadt zu seiner Arbeitsstelle in Stuttgart. Für eine Strecke, für die er theoretisch nur 20 Minuten brauchen sollte, benötigt er praktisch das Doppelte an Zeit. „Das ist kein Vergnügen.“

Im Vergleich zu Berlin schneidet Stuttgarter Nahverkehr schlechter ab

Der 40-Jährige fährt deshalb oft mit Bus und Bahn, allerdings empfindet er den öffentlichen Nahverkehr in Stuttgart im Vergleich zu Berlin als deutlich schlechter. So gibt es in der Berliner Innenstadt eine 37 Kilometer lange Ringbahn, auf der täglich 1100 Zugfahrten stattfinden. In Stuttgart fehlt so etwas, wodurch die Bahn automatisch unattraktiver ist. Ein kostenloser Nahverkehr, wie ihn manche Politiker fordern, kann aus Andreas Schackerts Sicht nicht einfach von heute auf morgen eingeführt werden. Zunächst mal klingt es ja verlockend, wenn die Menschen nichts mehr für Bus und Bahn bezahlen müssen.

In der Praxis befürchtet Verkehrsexperte Schackert jedoch, dass die Probleme im Berufsverkehr weiter zunehmen. In die ohnehin schon überfüllten S-Bahnen würden sich dann noch mehr Pendler drängen. Für die Fahrer der S-Bahnen würde das ebenfalls mehr Stress bedeuten, gerade wenn sie dadurch noch öfter als bisher nicht gleich weiterfahren können, weil mal wieder Kunden zu nah an den Türen stehen. „Am Ende leidet der Ruf des Öffentlichen Personennahverkehrs darunter.“


Kritik an Nahverkehr

„Die Busse warten auch nicht, wenn die S-Bahn zu spät kommt“: Andreas Schackert hält die Anbindung der Busse an die S-Bahnen, die an der Haltestelle Endersbach ankommen, für ausbaufähig. Wenn er zum Beispiel von Schnait mit dem Bus zum Bahnhof in Endersbach fährt, muss er zwar nicht lange auf die nächste S-Bahn Richtung Stuttgart warten, wohl aber auf jene Richtung Schorndorf.

Dass Strümpfelbacher, die nach Schnait wollen, erst mal mit dem Bus nach Endersbach müssen und dort lange warten dürfen, bis sie in den Bus Richtung Schnait einsteigen können, kritisiert der Gewerkschafter ebenfalls. Auch fragt er sich, warum der Expressbus von Waiblingen nach Esslingen zwar in Kernen hält, aber andere Kommunen wie Remshalden leer ausgehen. Dass jetzt bald ein Bus von Aichwald über Beutelsbach nach Endersbach fährt, findet der 40-Jährige toll – aber er wundert sich, warum es so lange gedauert hat, dieses Angebot bereitzustellen.

Andreas Schackert wünscht sich zudem, dass der Öffentliche Nahverkehr am Wochenende attraktiver wird – gerade auch mit Blick auf jene Leute, die auch am Wochenende arbeiten müssen.

Der Gewerkschafter würde es auch begrüßen, wenn es für die S-Bahnen im Remstal statt des bisherigen 15-Minuten-Taktes endlich einen Zehn-Minuten-Takt geben würde.

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