Weinstadt-Schnait Streit mit Security auf Schnaiter Kirbe vor Gericht

Symbolbild. Foto: ZVW/Gaby Schneider (Archiv)

Weinstadt-Schnait. Hat Timo S. einen Security-Mitarbeiter auf der Schnaiter Kirbeparty am 26. August 2018 mit einem Messer attackiert? Und hat der Sicherheitsdienst angemessen reagiert? Das musste Amtsrichterin Christel Dotzauer jüngst klären. Knackpunkt war, ob der 25-jährige Angeklagte aus Beutelsbach eine gefährliche Körperverletzung begangen hat.

Er war betrunken und wollte nicht einsehen, dass er nicht mitfeiern darf: Als Timo S. am 26. August 2018 mit einem Freund die Schnaiter Halle betreten wollte, hatte er nachweislich mindestens 1,4 Promille im Blut. Die Kirbejugend hatte dort in der Nacht zum Kirbesonntag ihre traditionelle Party organisiert, dabei war wie seit Jahren üblich auch ein Sicherheitsdienst im Einsatz. Als Timo S. der Zutritt verweigert wurde, folgten bald gegenseitige Beleidigungen, die keine der beiden Seiten abstreitet. Die Lage eskaliert dann vollends, als der 25-jährige Beutelsbacher ein Fallmesser zückte. Die Security-Kräfte fühlten sich bedroht, Timo S. ebenfalls. Was dann genau passierte, stellen beide Seiten in entscheidenden Details unterschiedlich dar. Fakt ist: Verletzt wurden sowohl Timo S. als auch ein Security-Mitarbeiter.

War es gefährliche Körperverletzung?

Die Waiblinger Amtsrichterin Christel Dotzauer hat deshalb mehr als ein Jahr nach dem Vorfall klären müssen, ob Timo S. mit seinem Messer tatsächlich eine gefährliche Körperverletzung begangen hat. Genau das warf ihm nämlich die Staatsanwaltschaft vor, die sich dabei vor allem auf die Aussagen des Sicherheitsdienstes stützte. Der erste Zeuge, den Christel Dotzauer in der Verhandlung am Mittwoch geladen hatte, war jener 31-jährige Security-Mann, der laut eigener Darstellung von Timo S. mit dem Messer verletzt wurde. Fakt ist laut Arztbericht, dass der 31-Jährige nach der Auseinandersetzung am kleinen Finger der rechten Hand eine blutende Wunde hatte, die wohl von einer Klinge verursacht worden sein muss. Passiert ist das Ganze allerdings nicht beim Eingangsbereich der Schnaiter Halle, sondern weiter weg.

Nachdem Timo S. sein Messer aus der Hosentasche holte und damit vor den Sicherheitskräften herumfuchtelte, lief er nach einer Weile davon. Wie sich diese Szene abspielte, darüber gehen die Meinungen indes auseinander. Der 31-jährige Security-Mann behauptet, Timo S. habe zu ihm „Du wirst noch sehen“ gesagt und dann nur zwei Armlängen von ihm entfernt das Messer gezogen. Nachdem er eine Weile damit herumgefuchtelt habe, sei er davongelaufen. Der Sicherheitsdienst-Mitarbeiter betont, dass er und zwei seiner Kollegen davon ausgingen, dass Timo S. eine Gefahr für die Besucher der Kirbeparty sei. Daraufhin hätten sie die Verfolgung aufgenommen.

Angeklagter spricht von 20 Tritten gegen den Kopf

Timo S. betont hingegen, dass er im normalen Tempo weggehen wollte und dann plötzlich verfolgt worden sei. Deshalb habe er selbst zu rennen begonnen und sei dabei gegen ein Auto gelaufen, woraufhin er sich am Knie verletzt habe. Das Messer habe er zudem weggeworfen. Er habe gedacht, die Männer auf einem Feldweg abzuhängen, was aber nicht gelungen sei. Schließlich sei er von den Security-Mitarbeitern verprügelt worden, unter anderem mit 20 Tritten gegen den Kopf. „Ich habe ihnen von weitem zugerufen, dass ich aufgebe.“

Der 31-jährige Security-Mann schildert alles anders. Er gibt einen Faustschlag ins Gesicht von Timo S. zu, bestreitet aber den Rest. Den Faustschlag sieht er als Notwehr an, die Verfolgungsjagd als gerechtfertigt. Er habe die vielen Menschen auf der Kirbe schützen wollen vor möglichen weiteren Messerattacken – und auch sich selbst. „Soll ich dastehen und mich abstechen lassen?“ Unterstützung für seine Version erhält der 31-Jährige von einem 32-jährigen Kollegen, der die Verfolgung von Timo S. ebenfalls rechtfertigte. Er beruft sich darauf, dass schnelles Handeln nötig gewesen sei. „Die Polizei hat zu lange gebraucht.“

Nachdem sie insgesamt fünf Zeugen gehört hatte, war für Richterin Christel Dotzauer die Sachlage alles andere als eindeutig. Sie schlug eine Einstellung des Verfahrens nach Paragraf 153 der Strafprozessordnung vor – was allerdings sowohl vom Staatsanwalt als auch vom Verteidiger und seinem Mandanten angenommen werden muss. Christel Dotzauer führte an, dass Timo S. keine Vorstrafen habe. Ihr Vorschlag: Der Beutelsbacher zahlt 200 Euro an den 31-jährigen Security-Mitarbeiter und leistet 30 Stunden gemeinnützige Arbeit. „Billiger kommen Sie aus diesem Verfahren nicht mehr raus“, betonte Christel Dotzauer. Der Staatsanwalt machte zudem klar, dass mit ihm ein Freispruch keinesfalls drin sei.

Anwalt lässt Dampf ab

Timo S. und sein Anwalt, der Stuttgarter Strafverteidiger Hans Bense, akzeptierten nach einer Unterbrechung der Verhandlung das Angebot – allerdings ließ Bense zuvor noch etwas Dampf ab in Bezug auf das Verhalten des Sicherheitsdienstes. „Es kann nicht sein, dass die Security so brutal auf ihn einschlägt. Das ist alles gelogen, das ärgert mich einfach.“

Die 200 Euro muss Timo S. bis Ende Dezember zahlen, die Sozialstunden muss er bis Ende August 2020 ableisten. Tut er dies nicht, wird der Fall vor dem Waiblinger Amtsgericht neu aufgerollt.


Gefährliche Körperverletzung

Mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren wird bestraft, wer eine gefährliche Körperverletzung begeht. In minder schweren Fällen droht immer noch eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren. Bereits der Versuch einer gefährlichen Körperverletzung ist strafbar.

Insofern kam der 25-jährige Angeklagte, der bei der Schnaiter Kirbeparty ein Messer zückte, mit einer Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage und 30 Stunden gemeinnützige Arbeit sehr glimpflich davon.

Gefährliche Körperverletzung kann mit Gift oder anderen gesundheitsschädlichen Stoffen begangen werden, mittels einer Waffe oder eines anderen gefährlichen Werkzeugs, durch einen Überfall oder eine das Leben gefährdende Behandlung.

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