Weinstadt/Schorndorf S-Bahn: Über eine Stunde für fünf Stationen

Symbolbild. Foto: dpa

Weinstadt/Schorndorf. Von Beutelsbach nach Fellbach geht es mit der S-Bahn normalerweise unter einer Viertelstunde. Normal ist aber nichts mehr, und so dauerte für Wolfgang Lutz die Fahrt am Dienstagabend über eine Stunde.

Alle sind auf der Rems- und Murrstrecke auf Leidensbereitschaft eingestellt. Die DB AG erneuert die Gleise, das ist löblich. Und dass es eng wird, wenn ein Gleis vollgestellt ist mit diesem Bandwurm von Wundermaschine, die quasi in einem Zug das alte Gleis hebt, den alten Schotter rausnimmt, den neuen reinstreut, neue Schwellen dazupackt – das war irgendwie klar.

Die Bahn magerte dazu den Takt der S-Bahnen aus. Immer wieder aber fallen ganze Züge aus. Und das hat dann wieder wenig mit Baustelle zu tun.

Meist kommen irgendwann Durchsagen, dass ein Zug ganz ausfällt. So geschehen nachweislich am Montag mit dem Triebwagen 9.17 Uhr ab Schorndorf. Wegen einer „technischen Störung“ am Fahrzeug selbst, sagt ein Sprecher der Bahn heute. Deswegen waren im Zulauf nach Schorndorf schon neun Minuten Verspätung in Bad Cannstatt aufgelaufen. Die Disposition, der Fahrdienstleiter, das begehrte Bahn-Wesen, entschied auf Stopp in Cannstatt. So weit irgendwann auch per Lautsprecher kundgetan. Das Warten, die ganze Bangigkeit, schaffe ich es noch rechtzeitig auf den Flieger oder zum Geschäftstermin, hatte damit aber kein Ende. Auch die nächste S-Bahn ließ auf sich warten. Diesmal ohne Angabe von Gründen. Es waren dann nur fünf Minuten Minus. Aber keiner wusste, ob hier an diesem Vormittag überhaupt noch etwas geht. Oder ob man lieber gleich 120 Euro in die Hand nimmt, um mit dem Taxi nach Echterdingen zu kommen.

Fast gleiches Bild am Dienstag gegen 17 Uhr in Beutelsbach. Eine S-Bahn kommt nicht. Diesmal, erklärt der Bahn-Sprecher, hatte es an einer Signalstörung gelegen. Wolfgang Lutz wollte heim nach Fellbach. Aus der nächsten Fahrt 17.30 Uhr wurde 17.39 Uhr. Kann ja passieren, keine Frage, wenn gebaut wird. Freilich helfen speziell dann Durchsagen. Und zwar bei der Frage des verhinderten Fahrgastes, ob er in diesen Stunden überhaupt noch bedient wird. Wolfgang Lutz, Polizeimann im Ruhestand, ist jetzt erst einmal bedient. Die Bahn, die ihn glücklich mitnimmt, stoppt in Endersbach, fährt erst wieder um 17.47 Uhr los. Das ist das Baustellenproblem. Der Bahnsprecher bittet um Verständnis. „Wir haben auf der Strecke schon alles reingepackt.“ Und er benützt die allgemeinverständliche Erklärung, hier gehe es auch nicht anders zu als bei Autobahnbaustellen. „Das ist, wie wenn drei Spuren in zwei übergehen.“

Wolfgang Lutz ist bewusst, dass hier der allgemeinen Not der Bahn noch ein Notfahrplan dazwischenkommt. Er hat Verständnis, so weit. Was er aber will, was er vom grundgesetzlich verfügten Beförderungsanbieter DB AG verlangt, das ist wenigstens Ehrlichkeit. Die Bahn soll doch für diese Strecken gleich eine Warnung ausgeben: Leute, wenn ihr wichtige Termine habt, wenn ihr den Flieger erreichen müsst, nehmt zwei Bahnen vorher.

Aufruf

Liebe Leser, liebe DB-Fahrgäste, bitte schildern Sie uns Ihre Erfahrungen mit der Bahn per Mail an kreis@zvw.de

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