Weinstadt-Strümpfelbach MC Bruddaal bei der Après-Ski-Party des Skiclubs

, aktualisiert am 07.01.2019 - 10:34 Uhr

Weinstadt-Strümpfelbach. „Wo macht man die geilste Party?“, fragt MC Bruddaal in die wogende Menge. „Da hanna“, antwortet ihm ein rappender Sprechchor im Keller des Gasthofs Lamm. Der Skiclub hatte zur siebten Après-Ski-Party den aufstrebenden Schwäbisch-Rapper Henrik Brislow eingeladen.

Von Anfang an ist der Keller voll. 150 Leute wippen, bilden Sprech- und Singchöre und feiern MC Bruddaal für seine schwäbischen Raps. Mit persönlichen Ansprachen, als würde er hier jeden kennen, wendet sich der Musiker ans Publikum; dabei stammt er ursprünglich aus Schorndorf und lebt in Degerloch. „Wer ist ausm Remstal, Hand hoch“, fordert er die Menge auf zum Handzeichen, das ein Handyzeichen wird: Überall recken sich Displays nach oben, filmen und fotografieren. Er ruft „Kehr“, die Menge antwortet „Woch’“, ein spontaner „Kehr-Woch’-Chor“. Über sein Mikro heizt MC Bruddaal mit eigenen Songs ein und die Zuhörer wiegen sich im Takt.

Augenzwinkernde Texte zu regionalen Themen

Die gemütliche Enge, die persönliche Club-Atmosphäre erinnert an eine spontane Wohnzimmer-Session mit „Special Guest“.

Dieser Rolle entspricht MC Bruddaal auch rein optisch: Die Schlappohr-Fellmütze ist eine schrill aussehende Beleidigung guten Geschmacks, dazu glänzt eine Spiegelsonnenbrille auf seiner Nase – das Gestell dürfte gefühlt mehrere Mode-Jahrhunderte alt sein. Schon im ersten Video „Oba bleiba“ trägt er Flanellshirt mit Hosenträgern und Wanderschuhe. Im Video erörtert er augenzwinkernd Fragen nach der Sinnhaftigkeit des Projekts S 21, mit frechem Witz: „Wozu brauchen wir den Bahnhof, wir haben ja die S-Klasse. Und wer will schon eine Stunde früher in Ulm sein?“

MC Bruddaal alias Henrik Brislow mag es, in eine lustige Rolle zu schlüpfen. „Ich nahm die hässlichste Brille, die ich finden konnte, inzwischen ist sie ein Markenzeichen“, sagt er. Seit 1998 macht er Musik; sein Name gehe auf seinen ersten Chef zurück. „Er sagte in jedem zweiten Satz bruddaal.“ Seit Januar bastelt der studierte Kommunikationsdesigner hauptberuflich an seiner Musik-Karriere. Derzeit verbringt er seine Tage im Homestudio und nimmt sein drittes Album auf, das diesen Monat erscheinen soll. Nebenher vertieft er seine Webseiten-Programmierkenntnisse und baut einen eigenen Onlineshop auf.

Einen Liebessong produzieren auf Teufel komm’ raus, nur weil es im Trend liegt und gut ankommt – das sei nicht sein Ding. „Dabei fehlt mir der Spaßfaktor.“ Deshalb rappt der 38-Jährige über Maultaschen, Spätzle, Stuttgarter Gin und bastelt schwäbische Raps mit Comedy-Charakter.

Nur Trends folgen? „Da fehlt mir der Spaßfaktor“

Viele aktuelle Hip-Hop-Songs bedienen aus Brislows Sicht zwei Genres: „Entweder ernst gemeinte Liebessongs auf Hochdeutsch oder man rappt, wie toll man ist“, sagt er. Beides passe nicht zu ihm. „Ich mag es lustig und finde es ehrlicher, das auch in meinen Texten zu sein.“ Seine Themen sind Kehrwoche, Maultaschen und Brezel; aktuell schreibt er Reime über Spätzle. Auch sein samstagmorgendliches Ritual, mit einem Kumpel auf den Wertstoffhof zu fahren, hat er vertont. Dabei betritt er neues Terrain: „Schwäbische Texte im Rap-Kontext hab’ ich bisher noch nicht gehört“, meint er. Entstanden sei der Song im Jahr 2011, als die Demos im Schlosspark bundesweit Schlagzeilen machten. Er sei mit Handy durch den Park gelaufen, dabei filmte er Demo-Szenen und sich selbst. 2013 folgte die gerappte Liebeserklärung an Stuttgart „Du bisch mein Namber One“.

„Super Stimmung“, meinen Lisa, Jannik und Luca aus Weinstadt. Für die Clique ist MC Bruddaal „der beste Mann“. Sie kennen seine Videos: „Ich finde es cool, dass er regionale Sachen wie die Unterführung in Beutelsbach einbringt in seine Songs“, sagt Lisa. „Schwabenrocker gibt’s einige, aber dass jemand schwäbisch rappt, ist selten“, meint Jannik. „Seit einem halben Jahr probieren wir, ihn zu kriegen, vor knapp zwei Wochen kam die Zusage“, erzählt Daniel Kuhnle, der Zweite Vorsitzende des Skiclubs. „In einem Jahr wird er nicht mehr in dem kleinen Rahmen auftreten, weil er schon jetzt größere Locations füllen könnte“, vermutet Daniel Kuhnle.


Zum Veranstalter

  • Der Skiclub Strümpfelbach zählt rund 200 Mitglieder. Seit 2011 gibt es ihn als eigenen Verein.
  • Im Schnitt werden fünf Ausfahrten (Tagestouren und eine zweitägige Ausfahrt) pro Saison angeboten.
  • Informationen zu Kursen und Ausfahrten sowie die Möglichkeit zur Anmeldung gibt es unter www.skiclub-struempfelbach.de. Noch Plätze frei sind für die Tages-Ausfahrt am 2. Februar nach Mellau (Vorarlberg) und Damüls, ein Skigebiet mit Pendelgondel.
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