Weinstadt Stadt hält vorerst an Glockenturm fest

Auf rund eine Million Euro schätzt die Stadt derzeit die Ausgaben für den Glockenturm bei der Burgruine Kappelberg. Foto: Cheret Bozic Architekten

Weinstadt-Beutelsbach. Gemeinderat und Stadtverwaltung wollen weiter einen Glockenturm auf der Burgruine Kappelberg – allerdings für weniger Geld. Bislang liegen die geschätzten Kosten inklusive Sanierung des Mauerwerks bei einer Million Euro. Nun soll eine Entwurfsplanung Weinstadt dabei helfen, Sparpotenziale zu finden. Außerdem hofft die Stadt auf Sponsoren.

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„Der Bund der Steuerzahler meint, dass – bei aller Liebe zur lokalen Geschichte – auf einen Turm, der einfach nur so dasteht, auch verzichtet werden könnte“: Das schrieb unsere Zeitung Anfang Oktober 2015, damals ging es noch um den geplanten Holzturm auf der Burgruine Kappelberg, mit dem es Weinstadt ins Schwarzbuch des Bunds der Steuerzahler schaffte. Der ist nun, auch nach massivem Protest vieler Bürger, Geschichte, stattdessen stellte Baubürgermeister Thomas Deißler Ende September 2016 im Gemeinderat einen Alternativvorschlag vor, den er mit dem Architekturbüro Cheret Bozic auf Basis einer Idee aus der Bürgerschaft entwickelt hat: einen Glockenturm, inklusive Sanierung des Mauerwerks, neuen Freianlagen und einer Gedenkstätte für knapp eine Million Euro. Dem gegenübergestellt wurde eine Variante ohne Glockenturm für 851 385 Euro und der Holzturm für 615 000 Euro. Letzterer kostete im Herbst 2016 inklusive Sanierung der Mauer und Terrassierung der Hangfläche übrigens schon doppelt so viel wie im Sommer 2014. Eine große Mehrheit des Gemeinderats sprach sich Ende September dafür aus, beim Verband Region Stuttgart einen Zuschussantrag für die Variante mit Glockenturm zu stellen. Nur wenige stimmten dagegen, darunter auch der damalige Freie-Wähler-Stadtrat und OB-Kandidat Michael Scharmann. Nun bekommt Weinstadt zwar Fördergeld – aber deutlich weniger als gedacht: nur 275 000 Euro statt der erhofften 510 000 Euro.

Video: Michael Scharmann zum Thema Glockenturm im Oktober 2016:

Deißler: Zahlen aus bisheriger Kostenschätzung nicht belastbar

Dem Gemeinderat wurden am vergangenen Donnerstagabend von der Stadtverwaltung zwei Szenarien vorgelegt. Variante eins: Die Stadt hält am Glockenturm fest und erstellt eine Entwurfsplanung, um Sparpotenziale zu finden. Zugleich soll versucht werden, Sponsoren zu gewinnen. Variante zwei: Die Stadt gibt den Zuschuss von 275 000 Euro zurück und saniert nur das Mauerwerk der Burgruine, die derzeit aus Gründen der Verkehrssicherheit mit einem Bauzaun abgesperrt ist. „Wir schlagen Ihnen ganz klar das Szenario eins vor“, sagte Baubürgermeister Thomas Deißler. Ein Rückzieher von den Turmplänen würde nach seiner Ansicht das Ansehen der Stadt beschädigen. Anschließend war in der Diskussion im Gemeinderat der Verzicht auf den Glockenturm kein Thema mehr. Deißler betonte, dass die nun angedachte Entwurfsplanung Klarheit bringen soll – denn die bisherige Kostenschätzung, mit der Weinstadt auch den Zuschussantrag eingereicht hat, enthält nach Aussagen des Baubürgermeisters keine belastbaren Zahlen.

Videokommentar: Redakteur Bernd Klopfer über die Entscheidung, den Glockenturm doch zu bauen

Scharmann: Baubeschluss gilt bislang nur für Mauerwerksanierung

OB Michael Scharmann war es wichtig darauf hinzuweisen, dass der Gemeinderat in dieser Sitzung nur einen Baubeschluss zur Sanierung des Mauerwerks der Burgruine fast. Alle weiteren Maßnahmen, sprich die Gedenkstätte oder der Glockenturm, stehen noch unter Vorbehalt. Das heißt: Geld wird dafür nur ausgegeben, wenn es gelingt, in der Entwurfsplanung abzuspecken und Sponsoren zu gewinnen – und zwar so viel, dass die Finanzierungslücke von derzeit 235 000 Euro geschlossen wird. Der Planungsauftrag wird laut der Sitzungsvorlage der Stadtverwaltung übrigens rund 45 000 Euro kosten, wobei dafür überplanmäßig 24 000 Euro aus dem Investitionsprogramm der Stadt bereitgestellt werden müssen.

Ideen zum Sparen hatten einige Stadträte durchaus. Vor allem auf die überdachte Gedenkstätte innerhalb der Burgeruine können viele im Gremium verzichten. Armin Zimmerle (Freie Wähler) sieht die Überdachung kritisch, da die Burgruine ja seit Generationen ein beliebter Treffpunkt von Jugendlichen ist. Auch GOL-Fraktionschef Manfred Siglinger hatte Sorge, dass eine „düstere Bude“ entsteht mit „missbräuchlichen Nutzungen“. Zugleich war es ihm wichtig, den Planern unmissverständlich klarzumachen, dass Weinstadt für die Burgruine Kappelberg nur ein begrenztes Budget hat. „Wir sind in einer Gesamtsituation, wo wir auf jeden Euro sehen müssen.“

CDU-Fraktionschef Ulrich Witzlinger gefiel es, dass OB Scharmann bei der Suche nach Sponsoren schon aktiv geworden ist. „Es ist nicht so, dass da die Türen zugeschlagen werden.“ SPD-Stadtrat Wolf Dieter Forster regte noch an, die geplante Aussichtsplattform zu verlegen und zwischen dem Torbogen und dem Turmrudiment eine Art „Skyway“ talwärts anzulegen. Er hält die geplante Überdachung der Ruine ebenfalls für unglücklich. „Es fehlt an Licht und Luft.“

CDU-Stadtrat Bernhard Dippon meldete sich gegen Ende der Diskussion sichtlich verärgert zu Wort und wies darauf hin, dass Weinstadt bis zur Gartenschau im Jahr 2019 nicht mehr viel Zeit hat und deshalb bei der Burgruine Kappelberg Gas geben muss. „Jede neue Idee, was man jetzt reinträgt, kostet uns zusätzliches Geld. Ich bin dafür, Nägel mit Köpfen zu machen.“

Lesen Sie hier weiter: Kommentar von Bernd Klopfer

@ Was halten Sie von den Turmplänen? Schreiben Sie uns an waiblingen@zvw.de

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