Weinstadt Stadt prüft Bau eines neuen Hallenbads

Während der Untersuchung der Hallendecke war das Stiftsbad vom 9. November 2018 bis Anfang Januar geschlossen – und damit war weder Schul- noch Vereinssport möglich. In diesen Wochen wurde einmal mehr deutlich, wie sehr Weinstadt vom 1970 gebauten Stiftsbad abhängig ist. Foto: Bernhardt/ZVW

Weinstadt. Wie viel würde ein neues Hallenbad am Bildungszentrum kosten? Wer könnte als Betreiber fungieren? Diese Fragen lässt Oberbürgermeister Michael Scharmann von den Weinstädter Stadtwerken prüfen. Denn keiner weiß, wann im 1970 gebauten Stiftsbad die nächste größere Sanierung fällig wäre.

Die Beschlusslage im Weinstädter Gemeinderat ist eindeutig: Wenn im Beutelsbacher Stiftsbad eine größere Investition fällig wäre, dann wird kein Geld mehr in das Hallenbad gesteckt. Darum waren auch alle alarmiert, als im Sommer 2018 Schäden an der Decke festgestellt wurden: Es drohten Kosten von bis zu 150 000 Euro. Obwohl hier ein Risikopuffer bereits eingebaut war, befürchtete mancher Stadtrat, dass alles noch viel teurer wird.

Am 9. November wurde das Bad geschlossen, die Decke wurde von verschiedenen Experten untersucht – und Ende November kam dann die erlösende Nachricht: Die Stabilität der Decke, so die Stadtverwaltung, könne durch ein Netz gesichert werden. Alles kostete nur 30 000 Euro, viel weniger als gedacht – und das Stiftsbad konnte am 9. Januar wieder für den Schul- und Vereinssport geöffnet werden. Klar war da aber auch längst: Auf so viel Glück kann sich die Stadt Weinstadt nicht noch mal verlassen.

Bisher keine Alternative zum Stiftsbad in Weinstadt

Schließlich kann es plötzlich passieren, dass die Heiz- und Trinkwasserleitungen oder die Lüftungsanlage saniert werden müssen. In dem Fall wären erheblich höhere Beträge fällig. Das Stiftsbad müsste dann geschlossen werden – und dann müssten Vereine und Schulen entweder Unterricht und Training ausfallen lassen oder hoffen, in benachbarten Kommunen unterzukommen. Das Bad ist nämlich montags bis freitags vom frühen Vormittag bis zum Nachmittag fast komplett mit Schulsport belegt. Von 16.15 Uhr bis 21.45 Uhr nutzen die Vereine das Beutelsbacher Hallenbad. Eine Alternative dazu gibt es in Weinstadt nicht: Das Becken des Strümpfelbacher Bädles ist zu klein, um darin richtig zu schwimmen.

In der vergangenen Sitzung des Verwaltungsausschusses der Stadt kam das Thema auf, als CDU-Fraktionschef Ulrich Witzlinger beim Durchblättern des Haushaltsplans eine Frage zu einem Betrag von 1,23 Millionen Euro stellte, der unter der Bezeichnung „Auszahlungen für Baumaßnahmen“ beim Stiftsbad auftauchte. „Was gibt’s denn dafür – ein neues Bad?“ Oberbürgermeister Michael Scharmann stellte daraufhin klar, dass es sich hier um Mittel dreht, die Weinstadt irgendwann bezahlen müsste, wenn die Stadt das Stiftsbad sanieren wollen würde. Genau das hat die Stadt aber nicht vor. Schließlich soll ein neues Bad am Bildungszentrum gebaut werden. In der Sitzung selbst sagte Scharmann, dass sich die Stadt schon jetzt an die Arbeit mache. Konkreter wurde er da noch nicht.

Bis ein neues Bad entsteht "vergehen locker vier Jahre"

Die GOL-Fraktion überlegte deshalb, einen Haushaltsantrag zum Badneubau zu stellen. Fraktionschef Manfred Siglinger versuchte, hinter den Kulissen die CDU, die Freien Wähler und die SPD für einen gemeinsamen Antrag zu gewinnen. Nach einem erneuten Gespräch mit OB Scharmann sieht Siglinger allerdings keine Notwendigkeit mehr – weil dieser ihm mitteilte, dass er bereits einen Prüfauftrag an die Stadtwerke gestellt habe. „Dann muss ich mich nicht mit einem Schauantrag politisch profilieren.“

In Scharmanns Prüfantrag werde geklärt, was solch ein Bad kosten kann, wer es betreiben könnte und ob eine Kooperation mit dem im Herbst 2020 fertiggestellten Sportvereinszentrum möglich wäre, das in unmittelbarer Nachbarschaft am Bildungszentrum entstehen soll.

Siglinger findet es wichtig, jetzt aufs Tempo zu drücken. Denn auch wenn jetzt losgelegt wird, braucht es aus seiner Sicht Zeit, bis ein neues Bad steht. „Da vergehen locker vier Jahre.“

Nicht allen gefällt der Vorschlag

Es gibt jedoch nicht nur Befürworter eines Badneubaus im Gemeinderat. CDU-Fraktionschef Ulrich Witzlinger etwa würde es begrüßen, wenn die Stadt auch prüfen würde, ob die örtlichen Vereine und die Schulen nicht auch in Hallenbädern in Nachbarkommunen unterkommen könnten. Sprich: Eine Stadt ohne Hallenbad wäre für ihn vorstellbar. Viel wichtiger ist ihm der Erhalt der beiden Freibäder, da diese ein Treff für alle Generationen seien.

CDU-Stadtrat Hakan Olofsson, der sich 2019 nicht mehr zur Wahl stellen wird, betonte in der Ausschusssitzung, dass jene, die ein neues Hallenbad wollen, auch sagen müssen, was stattdessen geschoben werden soll. Für ihn ist klar, dass Weinstadt dann das zentrale Feuerwehrhaus, den Neubau eines Technischen Rathauses in Beutelsbach oder ein anderes großes Projekt schieben müsste. „Wenn man das nicht sagen kann, ist es Populismus. Das hielte ich für unheimlich unseriös.“


Das sagt die Stadt

Die Stadtverwaltung hat die Stadtwerke damit beauftragt, die Rahmenbedingungen für den Betrieb eines Schul- und Vereinshallenbads zu prüfen. Konkret geht es laut Pressesprecher Holger Niederberger darum, welche Kosten durch die Realisierung und den Betrieb eines Bades voraussichtlich entstehen werden, wie der Betrieb unter der Leitung der Stadtwerke aussehen kann und welche Auswirkungen ein etwaiger steuerlicher Querverbund auf die laufenden Kosten haben wird. „Ein möglicher Standort am Bildungszentrum würde kurze Wege für Schülerinnen und Schüler garantieren. Darüber hinaus könnten sich Synergien mit dem künftigen Sportvereinszentrum der SG Weinstadt ergeben.“

Sobald die Ergebnisse dieser Prüfung vorliegen, soll der Gemeinderat informiert und in die weitere Planung und Entscheidungsfindung eingebunden werden. Nach einem möglichen Grundsatzbeschluss innerhalb des Gremiums können anschließend Vereine, Schulen und andere Betroffene beteiligt werden.

Wichtig ist der Stadt, dass sich der Badneubau mit den vielen Großprojekten vereinbaren lässt, die momentan in Weinstadt anstehen – wie die Sanierung der Grundschulen, der Neubau von Kitas, die Sanierung und Instandhaltung der Infrastruktur oder die Planung eines zentralen Feuerwehrhauses. Niederberger: „Klar ist – und das wurde in der Zeit der vorübergehenden Schließung des Stiftsbads deutlich: Weinstadt benötigt ein funktionierendes Schwimmbad, um dem Vereins- und Schulsport gerecht werden zu können.“

  • Bewertung
    6

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!