Weinstadt Stress für die Feuerwehr im Straßenverkehr

Um rechtzeitig am Einsatzort zu sein, ist Björn Mangold (30 Jahre, Abteilung Endersbach) darauf angewiesen, dass sich möglichst viele andere Verkehrsteilnehmer rücksichtsvoll verhalten – denn sein Tanklöschfahrzeug ist nicht leicht zu steuern. Foto: Habermann / ZVW

Weinstadt. „Wir müssen halt trotzdem durch“: Björn Mangold weiß als Maschinist, welche Hindernisse die Feuerwehr bisweilen überwinden muss, um schnell am Einsatzort zu sein. Schließlich zählt jede Minute. Mit seinem Kollegen Cornelius Bauer (40) erzählt er, wie die Feuerwehr Weinstadt mit zugeparkten Straßen, Fahrfehlern und anderen Stressmomenten umgeht.

Sieben Meter lang, 2,50 Meter breit, 3,30 Meter hoch: Löschgruppenfahrzeuge sind nicht nur deutlich größer als Autos, sondern brauchen auch beim Wenden mehr Platz – und genau das führt bei Einsätzen, in denen es mitunter um Leben und Tod geht, zu Stress. Schließlich sind die Straßen nicht frei von Hindernissen, seien es parkende Autos oder Autofahrer, die durch das Martinshorn der Feuerwehr verwirrt bis überfordert sind und durch falsches Verhalten den Einsatzkräften das Leben zusätzlich schwermachen.

Wenn es eng wird, kommt der Einweiser ins Spiel

Wird es also eng, dann steigt einer aus dem Team aus. „Bei uns gibt es immer Einweiser“, sagt Cornelius Bauer von der Abteilung Beutelsbach, der seit 1997 bei der Feuerwehr Maschinist ist.

112 der 220 Feuerwehrleute verfügen über diese Ausbildung, sie dürfen also ein Feuerwehrfahrzeug steuern. Die wenigsten fahren regelmäßig solch ein großes Gefährt, entsprechend ist Vorsicht geboten. Schließlich, sagt Cornelius Bauers Kollege Björn Mangold, nütze es keinem etwas, wenn die Feuerwehr auf dem Weg zum Einsatz selbst einen Unfall verursache. „Das ist das Schlimmste, was passieren kann.“

Viele Verkehrsteilnehmer wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen

Laut Tim Maier, dem Sprecher der Weinstädter Feuerwehr, hat es solch einen Unfall bislang nicht gegeben, zumindest keinen größeren, bei dem das Fahrzeug dann nicht weiterfahren konnte. Dass mal ein Außenspiegel touchiert wurde, kam indes in den vergangenen Jahren schon vor. „So was regelt aber alles die Versicherung“, sagt Tim Maier. Das Problem liegt nach Erfahrung der Weinstädter Feuerwehrleute eher darin, dass mehr Verkehrsteilnehmer als gedacht einfach nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen, wenn ein Feuerwehrauto kommt. Manche bleiben einfach stehen und blockieren damit die Feuerwehr – weshalb Björn Mangold laut eigenem Bekunden schon oft auf die Gegenfahrbahn ausweichen musste.

Manchmal kennen Fahrer auch nicht die Rechtslage. Wenn an Kreuzungen zum Beispiel die Ampel auf Rot steht, dürfen Autofahrer auch in die Kreuzung reinfahren, wenn das die einzige Möglichkeit ist, eine Rettungsgasse zu bilden. Viele scheuen das aber, auch aus der Angst heraus, geblitzt zu werden. Laut der Weinstädter Feuerwehr muss in solch einem Fall aber niemand zahlen, wenn das Überfahren der Ampel zur Bildung einer Rettungsgasse nötig war.

Risiko eines Unfalls 17-mal höher

Maschinisten wie Björn Mangold und Cornelius Bauer sind dankbar für umsichtiges Fahrverhalten, schließlich haben sie schon genug um die Ohren. Über den Lautsprecher hören sie per Funk die Leitstelle, hinten spricht die Mannschaft über den bevorstehenden Einsatz und dann müssen sie auch noch diverse Knöpfe bedienen. Klar, etwas Unterstützung durch die Technik haben sie mitunter, etwa durch eine Rückfahrkamera, aber das ersetzt nicht die eigene Wachsamkeit. Wenn sie mit Blaulicht und Martinshorn über eine rote Ampel fahren, dann ist erhöhte Vorsicht geboten. Die Wahrscheinlichkeit, in einen Unfall verwickelt zu werden, ist bei Fahrern eines Feuerwehrautos laut der Unfallkasse des Landes Nordrhein-Westfalen 17-mal höher.

Der Fahrer muss Ortskenntnis haben

Navigationsgeräte gibt es in den Weinstädter Feuerwehrfahrzeugen nur selten. „Der, der fährt, sollte Ortskenntnis haben und wissen, wie man sinnvoll zum Einsatzort kommt“, sagt Björn Mangold. Heißt: Auch wenn zum Beispiel die Strecke durch die niedrige Beutelsbacher Bahnunterführung die kürzeste wäre, fährt die Feuerwehr natürlich einen Umweg – denn andernfalls würde sie schlicht stecken bleiben.


Training und Technik

Damit die Maschinisten der Feuerwehr nicht aus der Übung kommen, gibt es jährlich stattfindende Fahrtrainings sowie monatliche Übungen.

Um den Stress beim Fahren zu reduzieren, werden seit geraumer Zeit nur noch neue Fahrzeuge mit Automatik gekauft. Zudem wird die Reihenfolge der Einsatzknöpfe in den unterschiedlichen Fahrzeugen vereinheitlicht.

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