Weinstadt Unwetter sorgt für Frust im Weinberg

, aktualisiert am 28.07.2019 - 19:06 Uhr
Weinstadt.  Fast auf die Minute genau um 20 Uhr, zwei Stunden nach Beginn des Großevents mit rund 10 000 erwarteten Besuchern, kam der Regen. Zunächst noch verhalten, sehr schnell aber immer heftiger, schließlich rauschte ein Wolkenbruch nieder, der am Samstag die Veranstalter kurz nach 21 Uhr veranlasste, den „Leuchtenden Weinberg“ abzubrechen und die Besucher nach Hause zu schicken.
 

Die Enttäuschung war groß – bei den zahlreichen Besuchern des Leuchtenden Weinbergs, aber auch bei Elke Wild vom Amt für Öffentlichkeitsarbeit, Kultur und Stadtmarketing der Stadt Weinstadt, bei der auch dieses Mal alle Fäden zusammenliefen. Der Abbruch der Großveranstaltung sei unumgänglich gewesen, sagte sie; aber sie fühle mit allen Veranstaltern, die sich so intensiv auf das Fest vorbereitet hatten. Es sei das erste Mal in zwölf Jahren, dass der Leuchtende Weinberg frühzeitig beendet werden musste. Dies sei unendlich schade.

Die Besucher hatten es zunächst noch gelassen genommen: als der Regen um 20 Uhr einsetzte, wurden die vorsorglich mitgebrachten Capes ausgepackt und angezogen, Regenschirme wurden aufgespannt und man rückte unter den Ausschankpavillons und Sonnensegeln einfach nur näher zusammen. Es hatte den Anschein, als würde dies der Stimmung keinen Abbruch tun, sondern höchstens noch zu deren Hebung beitragen. „Jetzt sind wir schon mal hier zum Feiern und um uns miteinander treffen, jetzt bleiben wir auch und genießen den Abend. Irgendwann hört der Regen ja auch wieder auf“, lautete der Kommentar eines jungen Paars. Es hatte sich nach dem schweißtreibenden Aufstieg von der Shuttlebus-Haltestelle bei der Beutelsbacher Halle gleich an der ersten Ausschankstation bequem gemacht, die vom Großheppacher „Weingut im Hof“ des Armin Zimmerle und der Handballabteilung der SG Weinstadt betrieben wurde.

Regen wurde heftiger

Der Regen wurde allerdings erst einmal kontinuierlich heftiger, überschwemmte Weinbergstraßen und verwandelte die Staffeln in kaffeebraune, rauschende Wildbäche. Aus der Ferne drang Donnergrollen, vereinzelte Blitze zuckten durch die Wolken und konkurrierten mit den Lichterketten und Scheinwerfern, von denen der Weinberg in eine farbenfroh-fantastische Erlebnislandschaft getaucht wurde. Die ersten Festbesucher machten sich zu diesem Zeitpunkt bereits wieder auf den Heimweg, andere kehrten schon an den Absperrungen um. Eine Anwohnerin aus der Burghaldenstraße meinte: „Jetzt geh’ ich erst einmal nach Hause und zieh’ mir trockene Sachen an. Dann warte ich einfach ab, ob das Wetter wieder besser wird, und entscheide, ob ich noch einmal zurückkomme.“

Zuversichtlich hatten sich bei der abgesperrten Wiese neben der Beutelsbacher Halle auch die Pyrotechniker Mischa Berner und Petra Kopitz von der Ehninger Firma Innovative Pyrotechnik gegeben, die für das von Joachim Berner programmierte Feuerwerk 400 Kilogramm Feuerwerkskörper und anderthalb Kilogramm Kabel verarbeitet hatten. „Grundsätzlich können wir bei jedem Wetter schießen“, versicherte Mischa Berner, „alles ist wetterfest aufgebaut und eingepackt. Einzig, wenn wir die Bomben abschießen, so lange die Kisten noch in Folien verpackt sind, müssen wir hinterher intensiver suchen. Probleme würde höchstens starker Wind verursachen, und natürlich, je höher die Luftfeuchtigkeit, desto größer ist die Rauchentwicklung während des Feuerwerks. Was uns allerdings vor eine echte logistische Aufgabe stellen würde, wäre, all’ unser Material bei Regen wieder einpacken zu müssen.“ Es kam, wie es kommen musste: Das Feuerwerk fiel aus.

Klatschnass und unzufrieden

Für Daniel Kuhnle vom Strümpfelbacher Weingut Kuhnle war die Entscheidung, das Fest abzubrechen, schade, aber unvermeidlich. Letztendlich sei sie aufgrund der Wetterprognosen auch nicht ganz unerwartet gekommen. Die Teilnehmer seien vom Veranstalter schon vorgewarnt gewesen. Oberbürgermeister Michael Scharmann sei selbst auf der Veranstaltung gewesen, er habe sich ein unmittelbares Bild machen können. Als die Sicherheitsleute die Festbesucher schließlich zum Gehen aufforderten, seien die Menschen vom Regen klatschnass gewesen, viele hätten sich bereits von sich aus auf den Heimweg gemacht. Und vor allem bei den oberen Ständen sei es nicht nur der Regen gewesen, sondern der starke Wind, der befürchten ließ, dass er die Pavillons mitnimmt.

Wirtschaftlich sei der Festabbruch selbstverständlich ein herber Verlust, so Kuhnle, aber die Sicherheit gehe allemal vor. Eine Möglichkeit, das Risiko für die Veranstalter solcher Veranstaltungen zu senken, könne seiner Meinung nach möglicherweise auch darin liegen, sie über mehrere Tage abzuhalten.

Um 23 Uhr präsentierte sich der Weinberg als buntes, allerdings weitestgehend menschenleeres Lichtermeer. Ein leichter Nieselregen ging nieder, Mitarbeiter der Stadt Weinstadt hatten die Absperrungen, Biergarnituren und Sonnensegel an den Zugängen zum Festgelände abgebaut, einzelne Veranstalter begannen schon damit, ihre Stände abzumontieren. Zeit zum Durchatmen auch für die Mitarbeiter des Ordnungsamtes, die den Strom der Festbesucher, der Autos und Busse souverän durch Beutelsbach dirigiert hatten.

Ticketbesitzer wollen ihr Geld zurück

Kaum hatte unsere Zeitung online den Abbruch des „Leuchtenden Weinbergs“ vermeldet, schon forderten die ersten Besucher (oder daheimgebliebenen Ticketbesitzer) im sozialen Netzwerk Facebook ihr Geld zurück. Wieder andere Nutzer hatten dafür kein Verständnis, es kam zu Diskussionen. Karten hatten im Vorverkauf acht, an der Abendkasse zwölf Euro gekostet. Dass es zu einer (Teil-)Rückerstattung der Eintrittskosten kommt, ist unwahrscheinlich – die Stadt hat sich allerdings noch nicht zu diesem Thema geäußert.

In einer Pressemitteilung schreibt die Stadt Weinstadt, das Sicherheitskonzept sei voll aufgegangen, niemand zu Schaden gekommen, die Räumung reibungslos verlaufen. Starkregen allein stelle keine Gefahr dar, so Kulturamtschef Jochen Beglau, aber nach Eingang der Warnstufe 3 des Deutschen Wetterdienstes („schwere Unwetter mit Blitzschlag“) in Verbindung mit der tatsächlichen Wettersituation vor Ort sei klar gewesen, dass das Fest abgebrochen werden müsse. Wobei die Verantwortlichen offenbar bis zuletzt versuchten, die Party am Laufen zu halten: Ex-Tango-Weltmeister Enrique Grahl habe mit Partnerin Martina Beilharz unter einem Regenschirm tapfer seinen letzten Tango getanzt, bevor das Gelände geräumt wurde.

Die Pressemitteilung schließt mit der Ankündigung, dass nach den Sommerferien die Vorbereitungen auf den nächsten Leuchtenden Weinberg starten – der soll am 1. August 2020 gefeiert werden.

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