Weinstadt Video: Bienen arbeiten jetzt für Weinstadt

Weinstadt. Der Imker Sebastian Faiß bietet ab August seinen Bio-Honig der Stadt Weinstadt an. Am Ortsrand von Schnait befindet sich das Bienenhaus. Worauf muss man beim Bio-Honig achten? Was hat der Honig mit Regen zu tun? Und was macht den Weinstädter Honig so besonders?

Seit 2004 ist Sebastian Faiß Imker. Unter dem Kirschbaum am Hang steht das kleine Bienenhäuschen. In der blauen Kiste wohnen im Sommer 30 000 bis 40 000 Bienen. Ohne Schutzanzug und Angst begutachtet der Imker seine Bienen und nimmt sie auch in die Hand. Am Freitag sind die Bienen umgezogen, heute sind sie schon ganz ruhig.

Während die Bienen summen, erklärt Sebastian Faiß, worauf es bei dem zertifizierten Bio-Honig ankommt. Zuallererst müsse der Standort abwechslungsreich sein, sagt er und zeigt auf die Kirschbäume, Brombeersträucher und Weiden. Außerdem müsse Wasser in der Nähe sein: Ein Bach sei nicht weit. Streuobstwiesen seien der beste Standort, aber auch in der Stadt gebe es Abwechslung: „Weil immer was blüht im Park.“ So stellt er auch den Stuttgarter Stadthonig her. Häufig stünden Bienenhäuser neben pestizidversprühten Raps- oder Maisfeldern. Diese Monotonie ist laut Faiß keine Grundlage für Bio-Honig. Der Honig dürfe auch keine Rückstände aufweisen. Die Plage der Varroa-Milbe seit den 70er Jahren hat für großes Bienensterben gesorgt: Auch Imker Faiß’ Bienen sind keine Ausnahme. „Ich kenn’ das Imkern ohne Varroa-Milbe gar nicht mehr“, ergänzt der Imker. Das Besondere an seinem Honig ist allerdings, dass die Bienen nur mit natürlichen Impfstoffen behandelt werden: Hier wird nur im Honig vorkommende Ameisen- und Oxalsäure benutzt. Einmal im Jahr untersucht das unabhängige Institut Lacon GmbH auch unangemeldet den Bienenstamm. Für Faiß herrscht dort „sehr viel Bürokratie“, sein Bienenvolk wird mit „Erfolgsnummern“ gekennzeichnet.

Wozu soll der Honig verwendet werden?

Mit dem Motto „Kulturtreff Natur“ passt der Honig perfekt in das Konzept Weinstadts. Schon der eigene Apfelsaft und Wein werden häufig auf öffentlichen Veranstaltungen genutzt – heute werden beide beim Ratstrunk verzehrt. Jochen Beglau betont die Natürlichkeit des Bio-Honigs zu Zeiten des Bienensterbens, der das „Bewusstsein schärfen“ soll. Gerade der Streuobstpfad soll wieder belebt werden mit Führungen und Ausflügen. Ein Stückchen Natur kann mit dem Honig auch außerhalb von Weinstadt genossen werden. Vorzugsweise für „Repräsentationszwecke“ wird der Honig dann frei verkauft, in Gemeindeversammlungen benutzt oder bei Jubilaren verschenkt. Auch in Geschenkkörbe gehört der Honig. Das Projekt Bio-Honig bewährte sich auch in anderen Städten: Reichenbach, Esslingen und Stuttgart folgen bereits dem Trend. Auch Hotelunternehmen „mieten“ Faiß’ Bienen für einen hochqualitativen Honiggenuss.

Auch wenn das berühmte angebliche Zitat Albert Einsteins, dass, wenn die Bienen aussterben, die Menschen noch vier Jahre zu leben haben, nicht nachweislich von ihm stammt und außerdem nicht unbedingt wahr ist, bleibt die Biene wichtig für das Ökosystem. Laut Faiß ist sie „elementar wichtig für die Bestäubung von Nutzpflanzen und Wildpflanzen“.

Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz beruft sich auf eine Studie aus dem Jahre 2008, nach deren Angaben der Profit durch Bestäubung 153 Milliarden Euro betragen soll. Außerdem liege der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch von Honig in Deutschland bei einem Kilo und damit an der Spitze der Welt. 80 Prozent der verzehrten Honige seien importiert.

Der Imker erzählt, er habe Anfragen vom Bodensee und dem alten Land in Hamburg, mit seinen Bienen die Felder zu bestäuben. Allerdings transportiere er seine Bienen nicht mehr als 40 Kilometer von ihrem Heim weg. Der „Bestäubungstourismus“, so Faiß, liegt an den verwendeten Pflanzenschutzmitteln. Doch auch Hummeln und der Wind können Pflanzen bestäuben. Die Effizienz der Bienen, betont Faiß, mache den Unterschied. Die Bienen seien „blütenstätig“: Die Bienen bestäuben zum Beispiel einen Kirschbaum und warten, bis dieser blüht. Dann erst bestäuben sie andere Baumarten – so bleiben die Pollen bei einer Sorte und vermischen sich nicht mit unpassenden Pollen von anderen Bäumen.

Durch das schlechte Wetter fängt nicht nur die Erdbeer-Saison später an: Auch die Bienen leiden unter kalten Temperaturen und Regen. Bei Regen können die Bienen nicht ausfliegen, um Nektar zu sammeln und bei kalten Temperaturen müssen sie zu Hause bleiben und sich durch Flügelschläge wärmen. Jährlich kommt der Imker trotzdem auf 20 bis 40 Kilo im Jahr. Anders als die handelsüblichen Honige im Supermarkt ist der Weinstadt-Honig keine Mischung von Honig aus EU und Nicht-EU-Ländern. Dieser Bio-Honig ist aus Weinstadt: 100 Prozent.

Bio-Honig-Blog

Der Imker Sebastian Faiß hält Bienenfreunde im Internet unter bio-honig-blog.de auf dem Laufenden.

In seinem Online-Shop kann man unter anderem „Prinzessinen-Honig“ mit rosa Schleife sowie Honig mit Gewürzen kaufen.

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