Weinstadt Warum Lebensretter die Feuerwehr brauchen

Dominik Bohn (37, links) trägt mit den Weinstädter Feuerwehrleuten die sogenannte Schleifkorbtrage, mit der ein Patient aus dem Gebäude geholt wird. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Weinstadt.
Wer denkt, dass die Feuerwehr nur Brände löscht, hat ein falsches Bild. Sie hilft auch bei der Rettung von Menschen, wenn es gar kein Feuer gibt – und ist damit für den Rettungsdienst ein unverzichtbarer Partner. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn der Patient nicht mehr in der Lage ist, die verschlossene Haustür selbst zu öffnen.

Die Feuerwehr hat hierfür verschiedene Tricks. Wir erklären, wie sie mit dem Rettungsdienst kooperiert – und ob Bürger eigentlich eine Rechnung bekommen, wenn ihre Haustür gewaltsam geöffnet werden muss.

Allein in Weinstadt musste die Feuerwehr im vergangenen Jahr 23-mal ausrücken, um in die Wohnung respektive das Haus eines Patienten zu gelangen. Wie die Einsatzkräfte das schaffen, will die Weinstädter Feuerwehr nicht verraten. Nur so viel: „Es muss nicht immer zwingend die Tür sein. Es gibt in der Wohnung andere Zugänge“, sagt der Weinstädter Feuerwehr-Pressesprecher Tim Maier. Fakt ist, dass jedenfalls niemand extra den Schlüsseldienst holen muss, der bekanntlich teuer ist.

In Notsituationen nicht ans Geld denken

Wer jetzt Angst hat, auf dem Schaden sitzenzubleiben, der bei der Öffnung einer Tür entstehen kann, den beruhigt Tim Maier: „Da die Tür aufgrund eines gefahrdrohenden Zustands geöffnet wurde, kommt die Versicherung des Bewohners dafür auf.“

Der Weinstädter Feuerwehr-Sprecher findet es indes fatal, wenn sich Menschen in Notlagen fragen, ob ein Anruf beim Rettungsdienst oder bei der Feuerwehr eventuell einen kostenpflichtigen Einsatz nach sich zieht. Auch wer unverschuldet aus einem Aufzug gerettet oder aufgrund eines Notfalls mit einer Drehleiter aus einem Obergeschoss transportiert werden muss, sollte aus seiner Sicht nicht ans Geld denken. „Da stellt die Stadt Weinstadt in der Regel auch keine Rechnung.“

Wer in einem Aufzug steckenbleibt, der ruft natürlich zunächst erst mal den Aufzugdienstleister an, dessen Nummer in der Regel im Aufzuginneren angebracht ist. Kann dieser aber nicht helfen, ist die Feuerwehr gefragt. Einen Einsatz gab es dazu 2019 in Weinstadt.

Zwei Kilometer durch einen Wald getragen

Was ebenso immer wieder gebraucht wird, ist die sogenannte Tragehilfe. Hier muss ein Patient zum Beispiel durch ein enges Treppenhaus getragen werden – und dafür braucht es dann viele Menschen, die anpacken. Die Feuerwehr Weinstadt rückt in solchen Fällen mit neun Einsatzkräften und einem Löschgruppenfahrzeug aus, um den Rettungsdienst zu unterstützen.

Dominik Bohn (37), der hauptberuflich in der Abteilung Aus- und Fortbildung des Rettungsdienstes beim Roten Kreuz im Rems-Murr-Kreis arbeitet, erinnert sich an einen Einsatz, bei dem ein Patient zwei Kilometer durch einen Wald getragen werden musste. Spätestens hier wird klar, warum es so viele Leute braucht, um das zu stemmen.

Letzter Ausweg bei starkem Übergewicht: Die Drehleiter

Manchmal muss zur Rettung eines Menschen die Drehleiter eingesetzt werden. Das bedeutet übrigens nicht, dass es in diesen Fällen erst immer im Treppenhaus brennen muss. Vielmehr kommt die Drehleiter dann zum Zug, wenn der Patient schlichtweg so übergewichtig ist, dass er zu schwer ist, um übers Treppenhaus zum Rettungswagen gebracht zu werden.

Die Drehleiter kann bis zu 30 Meter lang sein, je nach Abstand zum Gebäude. Und der wiederum hängt davon ab, wo das Drehleiterfahrzeug steht. Zwei dieser Einsätze gab es 2019 in Weinstadt. Dominik Bohn schätzt, dass es kreisweit etwa 50 bis 60 waren. Transportiert werden die Patienten in einer sogenannten Schleifkorbtrage. Dauer: 20 bis 30 Minuten. „Selbst wenn es schnell gehen muss, sind die 20 Minuten relativ schnell vorbei“, sagt Rettungsdienstmitarbeiter Dominik Bohn.

Rettungsdienst darf Feuerwehrauto nicht blockieren

Wenn die Feuerwehr zur Rettung zu Hause eine Tür aushängen muss, braucht keiner Sorge zu haben, dass er diese danach selbst einhängen muss. Das stellen die Weinstädter Feuerwehrleute Bernd Goll (50), Günter Bauer (55) und Stefan Gaupp (55) im Gespräch mit unserer Zeitung klar. Grundsatz ist, dass die Feuerwehr versucht, alles so zu hinterlassen, wie es war.

Einsätze wie die Rettung von Menschen per Drehleiter werden laut Günter Bauer regelmäßig geübt. Gedacht werden muss schließlich an vieles, auch ans richtige Parken: Der Rettungsdienst muss sein Fahrzeug immer so abstellen, dass es das Feuerwehrauto nicht blockiert.

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