Weinstadt Weingut Klopfer im Rotwein-Olymp

Christoph und Wolfgang Klopfer stoßen auf die Auszeichnung an. Foto: ZVW/Benjamin Büttner
Rems-Murr-Kreis.
Die Liste der Preisträger klingt wie ein Who-is-who der deutschen Weinszene. In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben es nur zwei württembergische Weingüter geschafft, vom Weinführer Eichelmann für die „Beste Rotwein-Kollektion“ ausgezeichnet zu werden. 2008 war es Jürgen Ellwanger aus Winterbach und 2015 das Weingut Wachstetter aus Pfaffenhofen. 2020 erheben nun Eichelmann und Kollegen das Weingut Klopfer in den Rotwein-Olymp. Eine Auszeichnung, an die Wolfgang Klopfer und sein Sohn Christoph kaum zu träumen wagten. „Wir waren geschafft“, erzählt Christoph Klopfer über den Tag im Herbst, als sie der Anruf von Gerhard Eichelmannn erreichte und von der sie Ende Oktober völlig überrascht wurden.

Die Klopfers hatten ein hartes Jahr hinter sich. Die Weinlese war soeben beendet. Pünktlich zur Remstal-Gartenschau hatte die Familie im Mai ihre neue Vinothek „Am Steingrüble“ eröffnet und zweimal in der Woche bewirtschaftet. Schöner könnte eine Lage nicht sein. Zwischen Großheppach und Gundelsbach gelegen schweift der Blick durch die weite Fensterfront über Weinberge hinweg ins Remstal und hinüber zum Schurwald. Hier können Hochzeiten und Geburtstage gefeiert werden, die Klopfers bieten auch eigene Veranstaltungen wie zum Beispiel am 24. Januar einen Kabarettabend mit Ingo Börchers.

Die Gartenschau war für Christoph Klopfer ein Erfolg. Viele Leute von hier hätten dank der Gartenschau ihre Heimat erst entdeckt und schätzen gelernt. Das Remstal über die Region bekanntzumachen und als Marke zu etablieren, sei für ein Weingut wie das der Klopfers ausgesprochen wichtig. Wein, Gastronomie und Tourismus müssten eine Einheit bilden, sagt Wolfgang Klopfer. „Wir setzen voll auf die Marke Remstal“, ergänzt der Sohn und hofft, dass die Städte und Gemeinden nicht wieder in ihr altes Kirchtumsdenken zurückfallen.

Wie sehr sich das Remstal in den letzten Jahrzehnten gewandelt hat, lässt sich an der Geschichte der alteingesessenen Großheppacher Familie Klopfer zeigen, deren Wurzel sich bis zu den mittelalterlichen Bauernkriegen zurückverfolgen lässt. Wolfgang Klopfers Vater hatte noch Kühe und Schweine im Stall. Der Sohn lernte Winzer und spezialisierte den Betrieb auf Weinbau. Für seinen Sohn Christoph wiederum war früh klar, dass er in die Fußstapfen seiner Eltern tritt. Als Kind nannte er als Berufswunsch „Feuerwehrmann“ und als Hobby „Wengerter“. „Heute ist es andersherum“, erzählt er lachend.

„Ich muss mit meinem Vater nicht über Weinbau diskutieren“

Was den Stil der Weine angeht, konnte er an die Traditionen seines Vaters anknüpfen. Der wollte schon immer „Weine mit Profil“ machen, wie bis heute das Motto des Weingutes lautet. Markenzeichen seien trocken ausgebaute, sortentypische Weine, harmonisch, authentisch – und keine Massenware. „Ich muss mit meinem Vater nicht über Weinbau diskutieren“, sagt Christoph Klopfer. „Die Richtung ist die gleiche.“ 2015 stellte der Betrieb auf ökologischen Anbau um – eine Sache der Überzeugung.

Die Sortenvielfalt, die Württemberg bislang auszeichnet, hält er für bedenklich. Um sich als Weinbaugebiet zu profilieren, müsse es für bestimmte Sorten stehen. Bei den Klopfers ist dies bei den Roten der Lemberger vom „Kleinheppacher Greiner“, direkt unter dem Kleinheppacher Kopf, und der Spätburgunder. Für die Weißen stehen außer dem Riesling Weiß- und Grauburgunder aus dem „Steingrüble“.

Für Christoph Klopfer sind zwei Weinführer von Gewicht, der Eichelmann und der Weinguide Vinum. Für den Gault&Millau hat er keine Weine mehr eingereicht und ist deshalb aus der Wertung gefallen. Wie groß der Nutzen – oder Schaden – die Weinführer von Eichelmann und Vinum bis zum Falstaff für die Weingüter ist, kann er nicht abschätzen. Er ist jedoch überzeugt, dass sie vor allem von den Kolleginnen und Kollegen intensiv gelesen werden. Er gibt aber zu, dass auch er vor den Veröffentlichungen auf einen halben oder ganzen Stern oder Traube mehr hofft. Mit der Auszeichnung als „Beste Rotwein-Kollektion“ habe er jedoch nicht gerechnet.

„Bestechend harmonisch im Mund, fruchtbetont, sehr lang“

Der Lemberger vom Kleinheppacher Greiner hat die Eichelmann-Verkoster dermaßen entzückt, dass sie ihn zwei Jahre hintereinander mit der Bestnote kürten. Grund genug, das Weingut 2020 für die „Beste Rotwein-Kollektion“ auszuzeichnen, denn auch der Spätburgunder vom Großheppacher Steingrüble („Frische und Reintönigkeit“) wie auch die Cuvée „Modus K“ („bestechend harmonisch im Mund, fruchtbetont, sehr lang“) heimsen Bestnoten ein. Der „Modus K“ ist die beste deutsche Cuvée, gefolgt vom „Ypsilon“ von Haidle und der „Triologie“ vom Korber Weingut Zimmerle.

Vier Sterne in der Gesamtwertung sind dem Eichelmann die Klopfers wert. Das Weingut gehört damit in Württemberg zu der übersichtlichen Schar von 17 Spitzenweingütern mit vier und mehr Sternen. Im Vinum schnitt Klopfer mit zweieinhalb Sternen nicht so gut ab. Allerdings outen sich auch deren Autoren als Fans des „feinfühligen und unaufgeregten Weinstils“, was sie an den beiden Spitzenweinen festmachen: die „femine Finesse beim Spätburgunder Steingrüble“ und die „subtil pflanzlich unterlegte Frucht beim Modus K“.

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