Weinstadt Weinstädter will mit Cannabis aus Israel Geld verdienen

Der Weinstädter Jurist Dr. Oskar Sarak (40). Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Weinstadt.
Warum macht Oskar Sarak im Geschäft mit Hanf für Schmerzpatienten noch keinen Gewinn? Wieso gibt es Produkte von Lexamed noch nicht am Markt? Der promovierte Jurist aus Weinstadt hatte im Mai 2019 vom Regierungspräsidium die Erlaubnis zum Großhandel mit Arzneimitteln bekommen. Mit seiner Firma Lexamed wollte Oskar Sarak Cannabisöle aus Israel importieren – und schon im Sommer 2019 deutschlandweit in Apotheken flächendeckend verkaufen. Der Weinstädter hat laut eigenen Angaben viel Zeit und Geld investiert sowie Investoren an Land geholt. Seine berufliche Tätigkeit als Anwalt hat er zugleich stark zurückgefahren. Mehr als sieben Monate nach seiner Ankündigung, im Sommer 2019 groß im Cannabis-Geschäft durchzustarten, nennt Oskar Sarak nun die Gründe, warum sein Plan nicht funktioniert hat.

„Es lag an unserem Lieferanten aus Israel“, sagt der 40-Jährige, als wir ihn an einem Vormittag im Café der Bäckerei Mildenberger in der Endersbacher Einkaufsstraße treffen. Die Firma Lexamed, deren Geschäftsführer Oskar Sarak ist, kann derzeit nicht die Menge aus Israel beziehen, die sie braucht. Grund seien die derzeitigen israelischen Vorschriften. Demnach müssten israelische Firmen mit ihrer jährlichen Produktion an Cannabisblüten und Cannabisölen erst mal den Bedarf für den heimischen Markt abdecken. Erst wenn die Firma deutlich mehr herstellen könne, dürfe sie auch ins Ausland liefern.

Ziel: 12 000 Flaschen Cannabisöl pro Jahr importieren

Den genauen Namen des Partners aus Israel will Oskar Sarak nicht nennen. Nur so viel: Es handelt sich um ein Kibbuz bei Tel Aviv, worunter in Israel eine ländliche Siedlung mit basisdemokratischen Strukturen verstanden wird. Nach Angaben von Oskar Sarak kann das Kibbuz derzeit nicht genug produzieren, um den Jahresbedarf von Lexamed zu stillen. 1,4 Tonnen Cannabisblüten benötigt seine Firma derzeit pro Jahr, dazu kämen 12 000 Flaschen Cannabisöl mit je 30 Milliliter Inhalt. Vor allem auf das Öl setzt Oskar Sarak seine Hoffnung, da viele Ärzte beim Verschreiben von getrockneten Cannabisblüten an Schmerzpatienten noch Hemmungen haben. Die Blüten werden schließlich geraucht, belasten also die Lunge.

Oskar Sarak sieht beim Öl bessere Marktchancen. Er will die 30-Milliliter-Flasche zu einem Preis zwischen 180 und 240 Euro in den Apotheken verkaufen. Es handelt sich laut dem Weinstädter Anwalt dabei um jenen Betrag, den der Patient bezahlt. Ob er das Geld von seiner Krankenkasse wieder erhält, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. „Grundsätzlich sind die Medikamente voll erstattungsfähig“, sagt Oskar Sarak.

Bislang sieben Firmen auf dem deutschen Markt

Derzeit tummeln sich nach Aussage des Anwalts auf dem deutschen Markt etwa sieben Firmen, die mit dem Verkauf von ausländischem Cannabis an Schmerzpatienten Geld verdienen wollen. Die in Karlsruhe angesiedelte Firma Lexamed hinkt dabei zeitlich hinterher. Oskar Sarak könnte natürlich einen Plan B verfolgen und die Cannabisprodukte in Kanada einkaufen. Oder in Portugal, was den Vorteil hätte, dass das Geschäft innerhalb der Europäischen Union abgewickelt wird. Warum er das nicht tut, begründet der 40-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung mit der hohen Qualität, die nach seinen Angaben der Partner aus Israel bieten könne. „Wir wollen es nicht dem Zufall überlassen, welches Medikament beim Kunden ankommt.“

Zu dieser Strategie passt, dass Lexamed seit Dezember 2019 Partner bei einem Forschungsvorhaben der Uni Hohenheim ist. Ein entsprechender Vertrag, sagt Oskar Sarak, sei bereits unterschrieben. „Unser Interesse konzentriert sich auf die allgemeinen analytischen Methoden und Extraktionsverfahren für die Auswahl, Trennung und Isolierung von bioaktiven Verbindungen (Cannabinoide und Terpene), die bei der Entwicklung von Arzneimitteln verwendet werden“, schreibt Lexamed.

Wenn die Firma dereinst tatsächlich mit israelischem Cannabis in Deutschland auf den Markt kommt, sollen die Produkte unter der Marke Lexamed verkauft werden. „Wir haben jetzt ein Logo fertiggestellt“, sagt Oskar Sarak. Gelagert werden soll die Ware bei einer externen Firma in Freiburg, für den Vertrieb sollen zwei auf Pharma-Marketing spezialisierte Firmen beauftragt werden. Deren Aufgabe wird es laut Oskar Sarak sein, bei Ärztemessen präsent zu sein und auf Ärztekammern sowie Krankenhäuser zuzugehen. Klassische Reklame beim Endkunden geht dagegen nicht. „Werbung ist im Bereich der Betäubungsmittel unzulässig, sogar verboten.“

Die Zeit drängt

Was die Zukunft seines Unternehmens angeht, ist Oskar Sarak klar, dass er nicht mehr viel Zeit hat. Der 40-jährige Jurist ist einer von zwei Gesellschaftern von Lexamed, im Moment wird viel durch Eigenkapital und das Geld von Risikokapitalgebern finanziert. „2020 muss der Startschuss kommen mit der ersten Produkteinführung – eigentlich spätestens im Sommer.“

  • Bewertung
    6
Der ZVW Morgen-Newsletter

Gut informiert in den Tag starten. Einfach kostenlos anmelden.

Heute in Ihrer Tageszeitung

Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!