Weinstadt Weintreff bringt Leben nach Schnait

Ein paar Gäste hatten trotz der heißen Temperaturen bereits am Sonntagnachmittag den Weg zum Weintreff gefunden. Foto: Ralph Steinemann

Weinstadt-Schnait. Ein richtiges Erfolgsprojekt haben Schnaiter Weinbauern und -liebhaber vor rund zwanzig Jahren ins Leben gerufen: den Weintreff an der Kelter. Nicht nur Ortsansässige besuchen ihn. Einige Stammgäste stammen aus Orten wie Heilbronn, Kirchheim unter Teck, Stuttgart und Göppingen. In Spitzenzeiten liegen die Besucherzahlen im vierstelligen Bereich. Wir stellen den Verein dahinter vor.

Angefangen hat es 1997 mit einem Holzverschlag: Einen unhandlichen Messestand zogen Schnaiter Jungwinzer Sonntag für Sonntag aus der Kelter hervor. Ihre Idee: Sie wollten vom Frühjahr bis in den Herbst regelmäßige Weinproben anbieten, bei denen Interessierte in ungezwungener Atmosphäre verschiedene Sorten kosten können.

Seit 1999 gibt es den Verein Schnaiter Weintreff

Das Angebot stieß auf Interesse. Schnaiter kamen vorbei, Passanten wurden neugierig, Wanderer und Durchreisende legten ein Päuschen an der Kelter ein. Die Winzer indes stießen auf ein Problem: Zeit. Allein konnten sie den Betrieb nicht stemmen, nicht einmal mit Helfern. Doch der Termin hatte sich schon etabliert. So beschlossen 30 Weinbauern und -liebhaber, den Schnaiter Weintreff zu retten – und gründeten im Mai 1999 den gleichnamigen Verein.

Ein Mann der ersten Stunde ist Günter Rühle, der heutige Erste Vorsitzende. Seit der Vereinsgründung hat sich viel getan, weiß er zu berichten. Der Weintreff ist sichtlich beliebt: Wer sonntags durch Schnait fährt, sieht häufig voll besetzte Bänke. Selbst bei Regenwetter machen es sich Besucher unter dem weit auskragenden Dach der Kelter oder im Schankraum gemütlich. Diesen mietet der Verein seit 2003 von der Schnaiter Weingärtnergenossenschaft an. Mit viel Eigenleistung haben die Vereinsmitglieder den kompletten Südabschnitt der Kelter renoviert und mit Theke, Sitzbereich und Küchengeräten eingerichtet. Bis heute sorgen sie immer wieder für Verbesserungen und Anschaffungen – zuletzt für eine Gastro-Spülmaschine.

Weintreff wird gut angenommen

Indem der Verein den Raum inklusive Küche und Toiletten für Feiern untervermietet, refinanziert er einen Teil der Miete. Alles Weitere muss der Verein aus seinen Einnahmen, Beiträgen und Spenden stemmen. Doch es zahlt sich aus: Der Weintreff wird gut angenommen. Er bietet Schnaitern eine Plattform zum Kennenlernen, Klatschen und Tratschen. Umso wichtiger sei das heutzutage, wo in Schnait nur noch wenige Ladengeschäfte Berührungspunkte bieten, sagt Vereinsmitglied Katrin Rühle. Der inoffizielle Marktplatz des Orts sei der Keltervorplatz geworden. Auch Stammgäste von auswärts schätzen den Treff. Sie kommen zum Teil mehrmals im Monat nach Schnait, von Heilbronn ebenso wie von der Schwäbischen Alb, berichtet Günter Rühle.

Bei der „Tour de Ländle“ kamen 3000 Besucher zur Kelter

Besonders voll ist es an der Kelter im Mai und im Herbst. Bis zu 1000 Gäste kommen am Muttertag, um mit einem Gläschen Wein die Treff-Saison einzuläuten, berichtet die Zweite Vereinsvorsitzende Bettina Kargl. Ebenso viele Besucher hat der Weintreff an Herbstsonntagen, wenn es Neuen Wein und Zwiebelkuchen gibt. Mindestens zwölf Helfer braucht es an solchen Tagen. Im Sommer sind es nur zwei, denn in den heißen Monaten kommen im Durchschnitt 400 bis 500 Gäste. Selbst an schlechten Tagen – wenn es brüllend heiß ist oder die Urlaubsflaute einsetzt – liegt die Besucherzahl noch im niedrigen dreistelligen Bereich. Für einen ehrenamtlichen Verein, der pro Tag nur fünf Stunden lang ausschenkt, ist das keine schlechte Bilanz.

Die absolute Spitzenzahl hatte der Verein 2015, als er gemeinsam mit dem Schützenverein Teilnehmer und Zuschauer der „Tour de Ländle“ bewirtete. Etwa 3000 Menschen rannten ihnen damals um zwölf Uhr die Türen ein, berichtet Bettina Kargl. Stolz ist sie, dass die Helfer den Andrang bewältigen konnten. Solche Sonderveranstaltungen übernimmt der Verein jedoch nur noch selten. Mit dem Weintreff haben die rund 80 aktiven Mitglieder (insgesamt sind es derzeit 142) und deren zwanzig Helfer genug zu tun. Sie stellen sich Woche für Woche an die Theke, kaufen kistenweise Wein und Sprudel ein, besorgen Peitschenstecken, Schmalz und Brot, entsorgen Leergut und Müll, organisieren Dienste und machen Abrechnungen.

Belohnung für die Arbeit

Belohnt werden sie für ihre Mühen einmal im Jahr bei einem Helferabend mit Weinproben in einem Restaurant. Außerdem können sie Fortbildungen in Weinkunde und Vereinsausflüge auf Weingüter besuchen. Ein Angebot, das sie gerne nutzen – sind sie doch allesamt Weinfreunde mit Leib und Seele.


Bis Oktober

Vom Muttertag im Mai bis zum letzten Oktobersonntag ist der Weintreff an jedem Sonn- und Feiertag geöffnet – und zwar seit 1997. „Wir haben das durchgezogen“, sagt Günter Rühle stolz. Er ist der Erste Vorsitzende des Vereins „Schnaiter Weintreff“.

Mitglieder und Helfer des Vereins schenken von 14 bis etwa 19 Uhr an der Ortskelter Wein aus. Dazu gibt’s nur kleine Vesper wie Peitschenstecken oder Schmalzbrot. Denn, erklärt Rühle: „Wir wollen keine Konkurrenz zur Gastronomie sein.“ Die Weine stammen ausschließlich von der Remstalkellerei. Hintergrund ist, dass die Schnaiter Weingärtnergenossenschaft der Kellerei angeschlossen ist.

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