Weinstadt Zerfleischtes Reh: Jagdpächter in Sorge

Nicht angeleinte Hunde stellen für Rehe eine Gefahr dar. Unser Foto zeigt weibliche Rehe in Alfdorf: Im Unterschied zum Rehbock haben sie kein Gehörn. Foto: Bernhardt / ZVW

Weinstadt. „Es fehlen zehn Kilo Fleisch an dem Reh – das kann ein Hund allein gar nicht fressen“: Im Revier von Jagdpächter Hans Ruff ist jüngst ein halb zerfleischter Rehbock gefunden worden. Der Schnaiter hat gleich Anzeige erstattet, die Polizei hat aber wenig Hoffnung, die Sache aufzuklären.

Irgendwann zwischen dem 13. und 14. April muss der Rehbock gestorben sein. Beim Anblick des Kadavers war dem erfahrenen Jäger Hans Ruff klar: Ein Fuchs hat das nicht getan – denn das Beutetier war fast zur Hälfte abgenagt. Der Schnaiter ist sich sicher, dass es ein Hund gewesen sein muss, wahrscheinlich sogar zwei. „Die müssen ausgehungert gewesen sein.“ Gefunden hat den Rehbock eine Spaziergängerin im Bereich des Weißen Wegs, der Grunbach mit Beutelsbach verbindet. Ruff hat laut eigenem Bekunden festgestellt, dass sich die Fälle seit Sommer 2016 häufen, sei es im Revier Beutelsbach oder in Nachbarrevieren um Weinstadt herum. „Es ist vermutlich auch so, dass die Dunkelziffer hoch ist.“ Hans Ruff hat den Vorfall angezeigt – doch die Chance, dass die betreffenden Hunde und ihre Herrchen gefunden werden, ist minimal.

Polizei kann wenig tun

Rudolf Biehlmaier von der Pressestelle der Polizeidirektion Aalen bestätigt den Eingang der Anzeige, verweist aber darauf, dass die Polizei wenig tun kann. Sie hat das Reh nun mal nicht am Tatort gesehen. Folglich kann sie auch keine Schlussfolgerungen ziehen, ob ein oder mehrere Hunde am Werk waren. „Wir haben keine Fußabdruckspuren.“ In ihren Datenbanken hat die Polizei in Aalen nach eigenen Angaben keinen Ordner, in dem speziell alle Fälle mit getöteten Wildtieren durch Hunde aufgeführt sind. Dies hat laut Biehlmaier auch damit zu tun, dass Hundebesitzer, deren frei herumlaufender Hund ein Reh tötet, lediglich eine Ordnungswidrigkeit begehen. „Eine Straftat wäre es nur dann, wenn ein Hundeführer sein Tier auf die Rehe hetzen würde.“ Das freilich muss derjenige, der Anzeige erstattet, erst mal beweisen können. Bei Hunden, die bereits Rehe getötet haben, ist es laut Biehlmaier möglich, dass die jeweilige Kommune für diesen Hund einen generellen Leinenzwang ausspricht und eventuell sogar einen Maulkorb anordnet.

Zeugen gesucht

Biehlmaier verweist darauf, dass sich Zeugen gerne noch beim Polizeiposten Weinstadt unter 07151/ 65061 melden können. Die Aufklärungsquote in solchen Fällen sei allerdings gering. „Das ist wie beim Einbruch.“

Das sagt die Stadtverwaltung

Auf Nachfrage unserer Zeitung stellt der Weinstädter Pressesprecher Jochen Beglau klar, dass laut der örtlichen Polizeiverordnung Leinenzwang für Hunde nur innerhalb bebauter Gebiete herrscht. „Selbst wenn wir einen Leinenzwang für die gesamte Gemarkung – also auch die Außenbereiche – hätten, würde dieser im Wald nicht gelten, denn hier gilt das Landeswaldgesetz und das Jagdrecht – beides höherrangiges Recht, das unsere örtliche Satzung brechen würde.“

Beglau verweist darauf, dass laut Landeswaldgesetz Hunde im Wald frei laufen dürfen, solange sie sich im Kommandobereich des Hundeführers aufhalten und dessen Kommandos auch befolgen.

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