Weinstadt Zwei neue Bäckereien für Endersbach

Ab jetzt gibt es Backwaren von Schulze: Mack-Betreiber Rocco Capurso (v.l.) mit Philipp und Julian Schulze und Mitarbeiter Heiko Puscher. Foto: Büttner / ZVW

Weinstadt-Endersbach. Zwei neue Bäckereien werden nun in Endersbach heimisch, weil die Backwelt Mack ihre Produktion aufgegeben hat. Am Freitag erhielten Kunden im Remstalmarkt Mack erstmals Backwaren von der Urbacher Bäckerei Schulze. Im April öffnet die Großaspacher Bäckerei Mildenberger mit eigenem Backbetrieb ein Bäckercafé in den Räumen des bisherigen Cafés Mack.

„Wir sind gut vorbereitet, aber es ist etwas Neues“, sagt Rocco Capurso, Inhaber des Remstalmarkts. Für den ersten Tag mit neuem Backlieferanten hatte er einen „kleinen Kulturschock“ prognostiziert. „111 Jahre Mack und jetzt geht’s neu weiter. Wir werden uns auf den Kunden einstellen – in einem langfristigen Prozess“, sagt er. Der erste Tag habe die Erwartungen übertroffen. „Wir sind überrannt worden“, sagt Capurso. Vier Stunden vor Schließung sei der Großteil des Brotes ausverkauft gewesen. „Man spürt die starke Wirkung eines Handwerksbäckers.“

Schwerpunkt auf Backwaren und süßen Stückle

Rein optisch ist der Bäcker-Wechsel nicht zu merken. Doch beim Betrachten der Regale und Auslagen und beim Zuhören von Kundengesprächen, fällt auf: Einige Kunden sind länger in ein Gespräch mit dem Verkäufer verwickelt als sonst. Denn es ist viel neu: Es gibt neue Brotsorten und Bezeichnungen, eine Brötchensorte heißt „Feierabendbrötchen“.

Capurso hat seine Bäckerei-Mitarbeiter schulen lassen und mit den Backwaren und Inhaltsstoffen vertraut gemacht. An den ersten beiden Tagen sei zudem eine Verkaufsleiterin von Schulze für Nachfragen vor Ort gewesen, deren Rat auch einige Male gefragt war, berichtet Capurso. Die Bäckertheke soll schrittweise erneuert werden. „Es wird aber keine Schulze-Filiale“, betont der Markt-Inhaber. Auch sei wie bisher kein eigener Café- oder Stehbereich geplant. Das Bistro im Remstalmarkt könne von Bäckereikunden mitgenutzt werden. Die Backwaren erhält der Kunde in der gewohnten Mack-Verpackung und bezahlt an der zentralen Kasse.

Für Familie Schulze ist der Remstalmarkt als Lieferkunde Neuland. „Wir stellen das Gesamtsortiment zur Verfügung. Welche Waren bestellt werden, hängt von der Philosophie des Marktes ab“, heißt es von Familie Schulze. Capurso möchte den Anteil an Bioland-Produkten steigern. Den Schwerpunkt setzt er auf Backwaren und süße Stückle. Kuchen wird teilweise vom neuen Lieferanten bezogen, zum Teil will der Remstalmarkt selbst backen – eine Konditormeisterin wurde, laut Capurso, im Oktober 2018 eingestellt.

Café der Bäckerei Mildenberger soll im April öffnen

Ein paar Schritte entfernt, derzeit von einem Baustellenzaun umgeben, öffnet in wenigen Wochen die Bäckerei Mildenberger. Sie wird ein Bäckercafé in den Räumen des ehemaligen Cafés Mack betreiben. Die Eröffnung ist laut Bauplan für April geplant. Zum Bauverlauf kann Geschäftsführer Friedrich Mildenberger momentan keine Angaben machen. „Am 1. Februar haben die Handwerker losgelegt, es ist schwer zu sagen, was auf uns zukommt.“ Das in die Jahre gekommene Café werde von Grund auf ein neues Gesicht erhalten, auch der Name soll sich ändern. Das Raumkonzept soll sich an schon bestehenden Filialen orientieren: Es wird verschiedene Sitzbereiche und einen offenen, für Kunden gut einsehbaren Backbereich geben. Für den Cafébetrieb seien von der Backwelt Mack rund 80 Prozent der Mitarbeiter übernommen worden. Für die Bäckerei seien neue Mitarbeiter eingestellt worden, sagt Friedrich Mildenberger.

Backwelt-Geschäftsführer Andreas Mack betreibt weiterhin die Cafés in der Großheppacher Straße und Schorndorf – mit Waren von Mildenberger. Die Mitarbeiter aus der Produktion hätten bis auf eine Ausnahme bereits eine neue Arbeitsstelle gefunden. Die weiteren 54 der 74 Mitarbeiter kommen bei Bäckerei Mildenberger unter oder werden in einem der beiden Cafés beschäftigt.


Vielfalt geht über Konkurrenz

Zwei prominente Bäcker, nur wenige Schritte voneinander entfernt in einem Teilort von Weinstadt. Der eine dem Remstalmarkt zugehörig, der andere als Café betrieben. Gibt das der Markt her? „Uns ist die Vielfalt im Bäckerhandwerk wichtig. Der Kunde kann entscheiden“, sagt Familie Schulze. Eine Abwechslung für den Kunden ist auch aus Sicht von Friedrich Mildenberger gut. Seiner Meinung nach gibt es nichts Schlimmeres als eine Monopolstellung. „Wenn die Menschen keine Auswahl haben, schafft es nicht unbedingt Zufriedenheit.“

Die zwei verschiedenen Konzepte der Bäckereien – im Cafébetrieb und als Verkaufsstand – werden sich auch aus Sicht von Christian Hartmann, Sprecher der Werbegemeinschaft Endersbacher Einkaufsstraße, nicht beißen. „Endersbach hatte vor dem Wechsel schon Potenzial für einen Bäcker und ein Café“, sagt Hartmann. Das neue Backsortiment im ehemaligen Café Mack könnte Kunden ansprechen, die das Café bis jetzt nicht besucht haben. Die Konkurrenz wirke belebend, die kurze Distanz sei dabei positiv zu bewerten. „Die Kunden finden mehr Auswahl und gehen gezielter an den Standort zum Einkaufen.“

Die „Sogwirkung“ der Bäcker könne eine Frequenzsteigerung für die gesamte Einkaufsstraße bedeuten, weil mehr Aufenthaltsqualität und ein hochwertiges Sortiment entstehen. Endersbach ist mit Bäckereien reich gesegnet. Für die drei weiteren ortsansässigen Bäcker befürchtet Hartmann keine Auswirkungen. Er ist sich sicher: „Sie haben ihre Fans, die auch weiterhin treu bleiben.“

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