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Welt-Diabetes-Tag Meine Krankheit, meine Erfahrungen

Korb/Winnenden. Am Dienstag ist Welt-Diabetes-Tag. Ein Grund für Lara Schiek aus Korb, sich mit dieser, ihrer Krankheit auseinanderzusetzen. Lara Schiek hat die Erkrankung, seit sie sechs Jahre alt war. Heute, über zehn Jahre später, sagt sie: Die Wissenschaft hat den Erkrankten große Dienste geleistet. Lara muss zum Beispiel nicht mehr spritzen, obwohl sie natürlich nicht geheilt ist.

Erst war da ein kleines, dünnes Mädchen, dem es überhaupt nicht gut ging. Dann kam die Diagnose. Und dann die Spritze. Tag für Tag, vor jedem Essen. Und zur Spritze gab's noch die Diät. Auf Geburtstagen war es am schlimmsten. Alle haben sich neben mir die dicke Torte und Cola und Fanta reingehauen, während ich mit 20 abgezählten Smarties da saß. Mehr ging nicht. Sechs Jahre war ich alt, noch ein Kindergartenkind. Und es war klar: Die Spritzen werden bleiben. Diabetes Typ 1. Das war nicht leicht: Ständig musste ich darauf achten, wie viele Broteinheiten ich noch übrig hatte. Mit Broteinheiten, habe ich früher immer gerechnet. Es ist ein anderer Weg die Mahlzeiten zu berechnen. Eine Broteinheit (BE) entspricht zum Beispiel 12 Gramm Kohlenhydraten und das entspricht ungefähr eine halben Scheibe Roggenbrot. Mit Kohlenhydrateinheit (KE) ist es viel einfacher zu rechnen, denn da entsprechen zehn Gramm einer KE.

Endweder mit dem Essen aufhören oder nachspritzen

Den Grenzwert durfte ich nicht überschreiten. Entweder musste ich dann zu essen aufhören. Oder ich musste nachspritzen. Überhaupt musste ich jedes Mal, wenn ich etwas aß, spritzen. Das war sehr unangenehm, manchmal schmerzhaft.

Heute muss ich meinem Körper immer noch Insulin geben. Aber ich muss nicht mehr spritzen. Als ich acht Jahre alt war, konnte ich von der Spritze zur Insulinpumpe wechseln. Welche Erleichterung.

Medizinnobelpreis für Bantings Insulin-Forschung

Diabetes ist eine Krankheit, von der schon die Römer wussten. Sie bemerkten die Süße im Urin. Denn der Körper scheidet den Blutzucker, den er nicht verarbeiten kann, auch über den Urin aus. In der Neuzeit haben viele Forscher jahrelang an Diabetes geforscht und fanden nach und nach immer mehr heraus.

Der Engländer Thomas Willis erkannte im 17. Jahrhundert als erster, dass der erhöhte Blutzucker im Zusammenhang steht mit in den Muskeln gespeichertem Zucker. Der deutsche Pathologe Paul Langerhans legte 1869 seine Arbeit zur mikroskopischen Anatomie der Bauchspeicheldrüse vor. Seinen Namen finden wir heute noch in den „Langerhans’schen Inseln“, den Insulin produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse. 1921 entdeckten Frederick Grant Banting und Charles Herbert Best das Insulin. Banting wurde dafür 1923 mit dem Medizinnobelpreis ausgezeichnet. Sein Geburtstag, der 14. November, wird heute als Weltdiabetestag begangen. Banting und Best erforschen gemeinsam mit ihrem Diabetiker-Freund George Minot die Wirkung und Anwendung von Insulin. Minot war das Versuchskaninchen. Er erhält dafür 1934 den Medizinnobelpreis.

1922 wird das erste mal einem Kind Insulien gespritzt: Ein 14-jähriger Junge bekommt das Medikament. Ohne Komplikationen.

Mit Diabetes im Alltag klar kommen: das erste Diabetikerheim

1930 wurde auf der Ostseeinsel Rügen das erste Diabetikerheim von dem Mediziner Gerhardt Katsch eröffnet. Die Diabetiker sollten dort lernen, mit Diabetes im Alltag klar zu kommen und selbstständiger zu werden. Heute bieten viele Krankenhäuser ihren Diabetes-Patienten Schulungen und Begleitung, so auch das Rems-Murr-Klinikum in Winnenden.

1980 fanden Wissenschaftler eine Möglichkeit, Insulin künstlich herzustellen. Sie mussten damit nicht mehr auf tierisches Insulin zurückgreifen. Das neue Produkt ähnelte dem menschlichen Insulin viel mehr und kam ab 1985 auf den Markt.

1981 erschien die erste Insulinpumpe der Welt. Es gab auch implantierbare Modelle, die um 1990 entwickelt wurden.

Ich profitiere von den Forschungen, aber die beste Technik hat Haken

1999 – viele Jahre nach dem ersten Jungen, dem mit Insulin geholfen werden konnte – wurde ich geboren und habe seit 2005 Diabetes. Ich profitiere davon, dass viele Forscher sich über diese Krankheit die Köpfe zerbrochen haben. Aber selbst die neueste Technik hat noch ihre Haken: Wenn der Schlauch meiner Insulinpumpe absteht, bleibe ich daran hängen. Und trage ich eine Hose ohne Taschen, muss ich die Pumpe in der Hand halten. Trotzdem: Die Pumpe ist ein Segen. Kontinuierlich wird Insulin abgegeben, die sogenannte Basalrate. Wenn ich dann esse, muss ich eine paar Knöpfe drücken und ich bin ausreichend versorgt. Ich spüre die Pumpe auch fast nicht. Und viele, die mich nicht so genau kennen, halten sie einfach für ein Handy.


Info

Wer sich für die Geschichte des Diabetes interessiert, findet viele Informationen auf www.diabetesmuseum.de

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