Weltmeister im Kopf Ringer Frank Stäbler zu Gast in Winterbach

Mentalitätsmonster Frank Stäbler (links) erklärt seine Einstellung zum Leben und zum Sport. Foto: Büttner / ZVW

Winterbach. Erst vor wenigen Wochen holte Frank Stäbler zum dritten Mal WM-Gold und schaffte damit Historisches: Er wurde als erster Ringer in drei verschiedenen Gewichtsklassen Weltmeister. Bei einem Vortrag in Winterbach hat er nun spannende Einsichten darin gegeben, wie solche Erfolge zustande kommen, und eindrücklich beschrieben, wie er Körper und Geist durch Psychotricks und reine Willenskraft steuert.

Frank Stäbler teilt die Menschheit in zwei Gruppen ein. Die einen sind „Jammerlappen“, die immer fragen: Warum ich? Die anderen sind Kämpfer, die immer das Beste aus der Situation machen. Es ist klar, wozu sich der dreifache Ringer-Weltmeister aus Musberg (Leinfelden-Echterdingen) selbst zählt. Aber auch seine Karriere verlief nicht geradlinig, auch er hatte Momente, in denen er zweifelte und ein „Jammerlappen“ war. Der Erfolg stellte sich bei ihm ein, so wie er es in seinem Vortrag in der Winterbacher Lehenbachhalle beschreibt, in dem er lernte, solche Momente ins Positive zu wenden.

Wendepunkt im Kopf

So in der Geschichte, die er über seinen WM-Titel 2017 erzählt. Dort traf er im Halbfinale auf Daniel Cataraga aus Moldwawien. Dieser war erst wenige Monate zuvor des Dopings überführt und eigentlich gesperrt worden. „Wie kann das sein?“ fragte sich Stäbler und wurde wütend: „Das hat mich unglaublich sauer gemacht.“ Er sei „extremst gegen Doping“. Und nach vier harten Kämpfen traf er dann selbst auf Cataraga. „Da ist es passiert, dass ich ins Negative abgerutscht bin.“ Mit einem Mal ging es nicht mehr um den Kampf, er haderte nur noch mit der Ungerechtigkeit der Welt.

Seinem Trainer gelang es jedoch, ihn umzudrehen, erzählt Frank Stäbler. „Er hat immer gesagt: Sei glücklich, in einer Sportart zu sein, in der man mit Leistung und Herz viel erreichen kann.“ Und nun, vor dem Kampf gegen Cataraga, habe er gesagt: „Jetzt kannst du der ganzen Welt beweisen, dass du mit deinem Herzblut das Doping besiegen wirst.“ Das war der Wendepunkt im Kopf für Stäbler, der ihm einen Energieschub gab und ihn zum Triumph trug.

Blut, Schweiß und Tränen – und positives Denken

Der Titel von Frank Stäblers Vortrag, den er auf Einladung des Winterbacher Lions Club hielt, lautete am Freitag „Werde unaufhaltsam! Werde ein Champion!“ Er gab darin spannende Einblicke in Kopf und Lebenswelt eines Leistungssportlers. Das Motto in der Ankündigung des Vortrags lautete: „Erfolg ist kein Glück, sondern nur das Ergebnis von Blut, Schweiß und Tränen.“ Ein Zitat aus einem Songtext des Rappers Kontra K. Zu Stäblers Ausführungen hätte dann allerdings besser gepasst: „Alles Kopfsache.“ Denn er beschrieb darin vor allem, wie positives Denken und Willenskraft über äußer Einflüsse und körperliche Einschränkungen obsiegen können.

Bevor man sich Ziele setze, betonte der Ringer-Champion zu Beginn, müsse man erst einmal seinen Sinn im Leben finden. Nur so könne man „in harten Zeiten das Durchhaltevermögen aufbringen, um sein Ziel wirklich zu erreichen“. Stäblers Antwort auf die Frage nach dem Warum: „Ich möchte meine Familie stolz machen, ich will was hinterlassen, dass meine Kinder und Urenkel noch von mir erzählen.“ Selbst wer mit so einer Sinnsetzung nichts anfangen kann und persönlichen Erfolg und Ruhm nicht ganz so hoch hängt, dem bot Stäblers Vortrag doch eine Menge Inspiration dafür, wie man nicht nur im Leistungssport erfolgreich sein kann, sondern positiv durchs Leben kommt.

Stäbler hat gelernt, sein Unterbewusstsein gezielt zu beeinflussen. 2015, erzählt er, vor dem WM-Finale, habe er keine Kraft mehr gehabt, sei müde und zittrig gewesen, während sein Gegner, Ryu Han-su aus Südkorea, voller Energie schien. Da sei er ihm ganz locker gegenübergetreten, habe ihn angeschaut und ihm zugezwinkert. Und plötzlich sei sein Kontrahent nervös geworden. „Der hat darüber nachgedacht: Warum ist der nicht nervös, warum ist der nicht müde?“ Wie das ging: „Ich habe mein Unterbewusstsein ausgetrickst.“ Aus ähnlichen Gründen habe sein Vorbild, die Boxlegende Muhammad Ali, immer wiederholt: „Ich bin der Größte.“ Ali habe gesagt: „Wenn ich mal nicht der Größte bin, tue ich wenigstens so.“

Positive Denke aufs Leben übertragen

Dieses positive Denken könne man auch aufs Leben übertragen, ist sich Stäbler sicher. „Manchmal ist alles unfair.“ Dann könne man sagen „Scheiße! Warum passiert das schon wieder mir?“ Er hat dagegen von seinem Mentaltrainer eine sehr stoische Herangehensweise gelernt, nämlich das negative, emotionale Fäkalwort durch ein anderes zu ersetzen. Immer, wenn etwas gegen ihn laufe, wenn ihm jemand zusetze, dann denke er einfach „Interessant“. Ob man im Stau oder an der längsten Supermarktkassenschlange stehe: „Wenn ihr eure Gedanken in eine positive Richtung lenkt, kann euch das unglaublich Kraft geben.“ Stäblers Weisheit: „Wille und Willenskraft schlagen jedes Talent.“ Bei keinem seiner Titel sei alles immer nach Plan gelaufen. „Es ist immer die Frage: Was macht man aus der Situation?“

2012 ging Frank Stäblers Willenskraft so weit, dass er mit einem frisch gerissenen Syndesmoseband gegen den Rat aller Ärzte und Trainer zu den Olympischen Spielen in London reiste. Normalerweise heiße es bei so einer Verletzung: drei Monate Gips und Bein hoch. Stäbler kämpfte einen Ringerwettkampf auf Weltklassenniveau und wurde Olympia-Siebter. Ein Erfolg, den er im Nachhinein höher einstufe als jede Gold-Medaille, die er gewonnen habe. Weil er ihm gezeigt habe, was durch reine Willenskraft möglich sei. Später, in der Diskussionsrunde auf der Lions-Club-Bühne, sagte Frank Stäbler: „Wer Ziele hat und Opferbereitschaft zeigt und Mut beweist – und dann scheitert, der wird im Leben trotzdem immer gewinnen, davon bin ich überzeugt.“


Schreibwettbewerb

Den Wettbewerb „Der Rems-Murr-Kreis schreibt“ hat der Winterbacher Lions Club vor vier Jahren ins Leben gerufen. Dieses Jahr ist das Motto „Mut und Zivilcourage“. Ringer-Weltmeister Frank Stäbler ist in diesem Jahr Schirmherr. Mitmachen können Schüler aller Schulen im Rems-Murr-Kreis aus den Klassen 7 bis 10. Sie können Geschichten zu dem Thema einreichen, die einen regionalen Bezug zum Rems-Murr-Kreis haben sollten. Alle wichtigen Infos gibt es auf: www.lions-winterbach.de/schreibwettbewerb.

Der Winterbacher Ableger des Lions Club wurde vor zehn Jahren gegründet und hat aktuell 24 Mitglieder im Alter zwischen 30 und 50 Jahren. In den letzten Jahren habe der Club rund 50 000 Euro eingesammelt, um damit Projekte und Institutionen in der Region zu unterstützen, so Lions-Club-Mitglied Sven Mühlberger.

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