Weltspieltag 2019 Kinder brauchen mehr Zeit für Langeweile

Symbolbild Foto: Pexels

Am 28.Mai ist Weltspieltag. Spielen ist überlebenswichtig, denn Kinder lernten am besten spielend, was sie als Erwachsene können müssen. So zumindest hat es die Evolution einst vorgesehen. Aber haben Kinder heute noch Zeit zum Spielen?

Das Motto des diesjährigen Weltspieletags lautet "Zeit zu(m) Spielen". Genau daran mangelt es in Familien oft. Neben Schule, Verein und dem durchorganisierten Alltag der Kinder bleibt nicht viel Platz für Müßiggang, dem ultimativen Antrieb für Kreativität und Fantasie.

Langweilen fürs Leben

Dass Kinder genau diese Langweile auch brauchen, ist durch unzählige Hirnforscher und Erziehungswissenschaftler bestätigt. Die Triebfeder der kindlichen Fantasie ist die Langeweile,die Fantasie ermöglicht das Spiel - und durch das Spiel lernen sie. Fürs Leben. Soziales Verhalten und Kommunikation. Sich an Regeln halten und mit Regelbrechern umzugehen. Die eigenen Fähigkeiten kennen und einschätzen. Zu gewinnen und zu verlieren - und mit beiden Situationen klar zu kommen.

Dass Langeweile Kindern gut tut, meinen auch 78 Prozent der Eltern mit Kindern im Alter von 6 bis 17 Jahren in Deutschland. Das zumindest ergab eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerkes1. Allerdings ist die Mehrheit der befragten Eltern auch der Meinung, dass Hausaufgaben und häusliche Verpflichtungen wichtiger seien als die freie und spontane Freizeitgestaltung der Kinder. Langeweile ist also nur in der Freizeit gestattet - aber die wird für Kinder immer spärlicher. 

Pflicht gegen Freiraum

Dabei wusste schon Pippi Langstrumpf, wie wichtig es ist, einfach mal in den Tag hinein zu träumen. "Faul sein ist wunderschön! Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen". 

Aber genau das sehen Erwachsene, sehen Schule und Verein oft genug anders. Dann wären da auch noch die vielfältigen Ablenkungsmöglichkeiten, die der Alltag heute so bietet. Und die Eltern gar nicht mal so selten als Beruhigungsmittel einsetzen, wenn der Nachwuchs wegen Langeweile quengelt: Fernsehen, Netflix, soziale Netzwerke, das Smartphone stets griffbereit. 

„Leider stellen wir immer wieder fest, dass die positive Haltung der Eltern gegenüber einer selbstbestimmten und zweckfreien Freizeitgestaltung nicht im Einklang mit dem durchorganisierten Alltag vieler Kinder steht. Es bleibt oft zu wenig Zeit für soziales Miteinander, freies Spiel und Naturerfahrung" meint Holger Hoffman, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes. Dabei sei das für ein gutes Aufwachsen von Kindern entscheidend: Kinder müssen lernen sich selbst zu organisieren, soziale Regeln auszuhandeln und mit Risikoerfahrungen in der Natur und in der Stadt umzugehen. "Daran wachsen sie genauso wie in pädagogischen Einrichtungen oder Medienwelten. Sie brauchen beides."

Strengere Väter, verständnisvollere Mütter

Weitere Ergebnisse der Umfrage zum Weltspieltag 2019 zeichnen stellenweise altbekannte Rollen in der Familie nach.  Zum Beispiel sind Mütter häufiger verständnisvoller als Väter und finden es gut, wenn Kinder mal nichts zu tun haben (84 zu 72 Prozent). Väter dagegen sind etwas häufiger als Mütter (40 zu 30 Prozent) der Meinung, dass familiäre und häusliche Verpflichtungen wichtiger sind als die freie und spontane Freizeitgestaltung der Kinder.

Eltern von älteren Kindern (14 bis 17 Jahre) meinen häufiger als Eltern von jüngeren Kindern (6 bis 10 Jahre), dass die starke Nutzung von Internet und sozialen Medien nur wenig Zeit für andere Freizeitbeschäftigungen lässt (52 zu 21 Prozent), dass die zeitliche Beanspruchung ihres Kindes durch die Schule zu hoch ist (34 zu 23 Prozent) und dass ihr Kind einen hohen Anspruch an seine schulischen Leistungen hat (37 zu 21 Prozent), so dass für die freie und spontane Freizeitgestaltung nur wenig Zeit bleibt.

Die Anhängerinnen und Anhänger der AfD sind übrigens häufiger der Meinung als die der übrigen Parteien, insbesondere der Grünen, dass familiäre und häusliche Verpflichtungen wichtiger als freie und spontane Freizeitgestaltung der Kinder sind (45 zu 28 Prozent). Das gilt auch bei der Frage, ob die Erledigung von Hausaufgaben wichtiger ist (81 zu 59 Prozent). Dass es gut für die Entwicklung von Kindern ist, wenn sie auch mal nichts zu tun haben oder sich sogar manchmal langweilen, meinen Anhängerinnen und Anhänger der Linkspartei (96 Prozent), der Grünen (90 Prozent) und der FDP (89 Prozent) häufiger als die der übrigen Parteien, insbesondere der AfD (61 Prozent).

Recht auf Spielen

Jedes Kind hat übrigens ein Recht auf Spiel - das sagt Artikel 31 der UN-Kinderrechtskonvention. Jetzt müssen wir ihnen nur noch die nötige Zeit dazu schenken. 

1Für die repräsentative Umfrage zum Weltspieltag 2019 wurden vom Politik- und Sozialforschungsinstitut Forsa im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerkes deutschlandweit 1.003 Eltern von 6- bis 17-jährigen Kindern befragt. Die statistische Fehlertoleranz liegt zwischen bei +/- drei Prozentpunkten.

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