Welzheim Einen Tag Pilot sein bei der Fliegergruppe

 Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Welzheim. Unter dem Motto „Einen Tag Pilot sein“ hatten Interessierte bei einem Schnuppertag der Fliegergruppe Welzheim einen Tag lang die Möglichkeit, in Segel- und Motorflugzeugen abzuheben. Trotz des regnerischen Wetters haben es alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die Luft geschafft.

Der Regen prasselt auf den kleinen Welzheimer Flughafen herab. Die einzigen Unterstellmöglichkeiten auf der ungeschützten Fläche sind das Kofferraumdach eines weißen Volkswagen-T-3-Busses, der schon so alt ist, dass er als Oldtimer durchgehen könnte, und der Flügel eines Segelflugzeugs, das nur wenige Minuten zuvor gelandet ist. Unter beiden drängen sich Menschen, in der Hoffnung, dass der Himmel bald wieder aufklart. Markus Munz, Vorsitzender der Fliegergruppe Welzheim, konsultiert sein Smartphone. „Die nächsten 90 Minuten soll es regnen.“ Gut, dass alle Gäste an diesem Tag schon einmal Höhenluft schnuppern konnten.

„Jetzt oder nie“, dachte sich Steven Lewis und meldete sich an

„Es war super“, berichtet Steven Lewis von seinem Flug. Der Walkersbacher kommt ursprünglich aus den Vereinigten Staaten und hat dort in seiner Jugend schon einmal einen Pilotenschein gemacht. Das ist allerdings schon 40 Jahre her. Jedes Mal, wenn er auf seiner Lieblings-Radelstrecke die Maschinen der Fluggruppe hat abheben sehen, zog es ihn wieder in die Luft.

„Ich habe mir gedacht, jetzt oder nie“, sagt Lewis. „Es war leiser, als ich es in Erinnerung hatte.“ Beim Einsteigen sitze man richtig tief, „wie in einem Rennwagen“. Das erste Mal ist er mit elf Jahren abgehoben, auch damals in einem Segelflugzeug. „Mein Vater hatte mir das zum Geburtstag geschenkt“, erinnert er sich. „Das Flugbuch, das er mir gekauft hatte, habe ich heute noch.“

Anders als im Urlaubsflieger

Auch Can Oektem hat den Besuch beim Schnuppertag der Fliegerfreunde zum Geburtstag geschenkt gekriegt. Der Stiefvater seiner Freundin sei Schüler bei der Fliegergruppe und habe ihm bei einem Glas Whiskey gesagt, jetzt sei er an der Reihe. „Der Start war ein bisschen nervenaufreibend, aber danach war es richtig geil“, sagt er. „Das ist schon anders als im Urlaubsflieger“, findet der Schnuppertag-Teilnehmer Hans Menzel. „Man hat da oben nicht mehr viel um sich rum und hört nur den Wind pfeifen.“

Als der Regen auch nach einer kleinen Kaffeepause nicht aufhört, beschließt die Fliegergruppe, erst einmal mit den Schnuppergästen in ihre Halle zurückzukehren. „Bei Regen zu fliegen macht keinen Sinn“, erklärt Markus Munz, der auf dem Flugplatz groß geworden ist und schon mit 14 Jahren begonnen hat, für seinen Segelflugschein zu üben. Die aerodynamischen Eigenschaften veränderten sich und durch das Wasser komme zusätzliches Gewicht auf die Flugzeug-Fläche. „Man wäre halt schnell wieder am Boden.“

Eine „normale Platzrunde“ dauert bei der Fliegergruppe zwischen fünf und zehn Minuten. Lange genug, damit die Schnupperflieger einmal die Aussicht auf Welzheim und die Umgebung genießen können, bevor sie wieder landen. „Das Gefühl muss man erst einmal mitkriegen“, sagt Markus Munz. „Wir wollen zeigen, was wir hier im Verein machen.“

Theorie bleibt den Teilnehmern weitesgehend erspart

In der Halle angekommen, scharen sich die Teilnehmer um ein altes Segelflugzeug. Einen „Urahn“ nennt Harald Golly von der Fliegergruppe es aufgrund seiner Holzbauweise. Die Begeisterung für den Flugsport steht ihm ins Gesicht geschrieben, als er die Fragen der Teilnehmer beantwortet. Um die verschiedenen Klassen der Segelflugzeuge geht es da, darum, wie wichtig die Pflege der Maschinen ist und was sich hinter verschiedenen Fachausdrücken verbirgt, die die Gäste aufgeschnappt haben.

„Sinnvolle Freizeit“ – das sind die Stichwörter, die Harald Golly gerne verwendet, um das Engagement bei der Fliegergruppe zu beschreiben. Weil die Teamarbeit so elementar sei und die Mitglieder viel über Technik und Sicherheit lernen, aber auch, weil die theoretische und praktische Ausbildung für den Flugschein ein wertvoller Lernprozess sei.

Die Theorie bleibt den Teilnehmern am Schnuppertag weitestgehend erspart. Nachdem die Wolken weiterziehen, drehen sie noch eine Runde mit den motorisierten Fliegern des Vereins. Nicht, wie in dem bekannten Lied, über den Wolken, aber dafür über Welzheim.

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