Welzheim Geteiltes Echo nach Straßensperrung

Durchfahrt vorerst nicht möglich: Von der Rienharzer Straße führt momentan kein Weg für Autos Richtung Zentrum. Foto: ZVW/Mathias Ellwanger

Welzheim. Seit drei Wochen ist die Rienharzer Straße testweise gesperrt. Im September soll überprüft werden, wie sich diese Sperrung auf den Verkehr auswirkt – und ob die Straße dauerhaft gesperrt wird. Nicht allen gefällt diese Maßnahme. Ein Anwohner will juristisch dagegen vorgehen, sollte die Sperrung aufrechterhalten werden.

Zu der Maßnahme hatte sich die Gemeinde entschlossen, weil Sanierungsmaßnahmen am Kirchplatz und der Wilhelmstraße anstehen – und in diesem Zuge unter anderem die Bushaltestelle verlegt werden soll. Um das Entstehen einer Gefahrenstelle zu verhindern, sollte die Straße gesperrt werden. Außerdem soll dadurch die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt erhöht werden.

Nicht alle Gemeinderäte waren für diese Idee zu begeistern. Doch eine knappe Mehrheit des Gremiums hatte im März der Probesperrung zur Wilhelmstraße zugestimmt. Seit 7. Juni ist dort nun vorerst keine Durchfahrt mehr möglich.

Das sagen Passanten und Anwohner zur Sperrung

Davon scheinen offenbar noch nicht alle Autofahrer etwas mitbekommen zu haben. Noch immer fahren Fahrzeuge mit dem Kennzeichen WN in die Straße hinein, um dann verdutzt festzustellen, dass es hier nicht mehr weitergeht. So konnten wir es gleich mehrfach beobachten, als wir Welzheimer Passanten und Anwohner bei einer kleinen Umfrage zu ihrer Meinung über die Sperrung befragt haben.

Viele können diesem Versuch durchaus etwas abgewinnen. „Für mich kann’s nur gut sein“, meint etwa ein 95 Jahre alter Anwohner. Denn der Verkehr in der Straße hat ihn zuvor ziemlich gestört. Außerdem findet er, dass sich das mit der Eisdiele, die nun mehr Außenbestuhlung hat, doch ganz gut mache.

„Es stört mich nicht“, sagt auch ein weiterer, 39-jähriger Anwohner der Rienharzer Straße. Und das, obwohl er jetzt Umwege in Kauf nehmen, um mit dem Auto auf die Wilhelmstraße zu gelangen. „Umwelttechnisch ist das natürlich nicht so gut, aber für mich kein Problem.“

Sicherer für die Café-Gäste, doch Barrieren für Rollstuhlfahrer

Entspannt rollt derweil eine Frau im Elektrorollstuhl an den Blumenkübeln vorbei. Diese sollen dafür sorgen, dass Autos nicht mehr von der Straße in die Ortsmitte fahren können. Platz zum Durchfahren ist gerade genug da. Doch das sei nicht immer so, berichtet die 59-Jährige. Nicht selten komme es vor, dass Jugendliche auf der angrenzenden Mauer sitzen oder Fahrräder der Eisdielen-Gäste daran gelehnt sind. Dann wird es für die Rollstuhlfahrerin eng. In der Regel mache man ihr aber Platz, wenn sie darauf hinweise. Die Frau nimmt es daher entspannt: „Wir müssen eben gegenseitig Rücksicht nehmen“. Etwas breiter hätte die Durchfahrt ihrer Ansicht nach aber schon sein können.

In der Sperrung nur Vorteile sieht indes Anca Loredana Soporan, die Besitzerin des Eiscafés Il Nuovo Gelato. Nicht nur, dass sie mehr Außenplätze anbieten kann. Gäste mit Kindern könnten jetzt auch viel entspannter ihr Eis genießen. Denn es würden keine Autos mehr direkt an den Außentischen vorbeifahren. „Durch die Sperrung der Straße ist es sicherer und ruhiger für unsere Gäste“, findet sie. Über eine dauerhafte Sperrung würde sie sich daher freuen.

Eine 58-Jährige Welzheimerin, die gerade von der Mittagspause auf dem Weg zur Arbeit ist, findet die Sperrung ebenfalls nicht schlecht – auch wenn sie jetzt mitunter längere Laufwege in Kauf nehmen muss. Aber damit hat sie kein Problem. „Ich laufe eh lieber“, sagt sie lächelnd.

Überhaupt nicht glücklich über die Sperrung ist hingegen eine 50-Jährige, die zwar nicht in der Straße wohnt, aber aus familiären Gründen fast täglich dorthin muss. Sie beklagt, dass seit der Sperrung die Straße öfter zugeparkt sei. Und dass es vermehrt und länger Lärm gebe durch die Café-Besucher. Nicht immer treffe sie dann auf Verständnis, wenn sie darum bitte, doch etwas leiser zu sein. Dabei findet sie die Sperrung verkehrstechnisch eigentlich gar nicht so schlecht. „Einen Versuch war es wert“. Doch sollte die Straße dadurch jetzt dauerhaft zum Stadtparkplatz werden, dann müsse sie etwas dagegen tun.

Das sagt ein Gegner der Sperrung

Ralph Ehmann ist bekanntermaßen ein absoluter Gegner der Sperrung. Der Welzheimer besitzt zwei Immobilien und betreibt eine Versicherungsfiliale in der Straße. Inzwischen hat der Welzheimer sich deshalb juristischen Rat geholt. Die Komplettsperrung hält er nämlich für rechtswidrig. Dass wegen drei bis vier zusätzlichen Tischen für ein Café eine komplette Straße gesperrt wird, ist aus seiner Sicht nicht verhältnismäßig. Zumal die Verbindung bislang rege genutzt worden sei, um vom Welzheimer Osten ins Zentrum zu gelangen – und es keine andere mehr gibt.

Dass dort nur 200 Fahrzeuge pro Tag durchfahren sollen, wie es eine Verkehrszählung der Stadt ergeben hat, glaubt Ehmann nicht. Auch hält er den Zeitpunkt der Probesperrung für unpassend. Denn in zwei der drei Monate sind ja Schulferien. „Welche Erkenntnisse ziehen wird daraus?“, fragt er sich.

Sollte die Straße dauerhaft gesperrt bleiben, befürchtet Ehmann einen Verfall seiner Immobilienwerte, einen Rückgang der Kundschaft und mittelfristig eine Verschlechterung der Einzelhandelsstruktur. Er fordert deshalb eine hundertprozentige Öffnung der Straße. Sollte dies nicht erfolgen, verspricht Ehmann: „Ich werde mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln gegen diese Sperrung vorgehen.“

Die Stadt wird die Auswirkungen der Sperrung auswerten

Bislang ist Ehmann der einzige Bürger, der sich in der Sache mit Kritik an die Stadtverwaltung gewandt hat, berichtet Uwe Lehar, persönlicher Mitarbeiter des Welzheimer Bürgermeisters. Lehar teilt diese Kritik nicht. Die Sperrung sei sicherlich für viele Welzheimer gewöhnungsbedürftig, findet er. Aber durch die Öffnung der Verbindung zwischen Äderlingstraße und Schlossgartenstraße in beide Richtungen sei ja jetzt eine Alternativverbindung aus dem Welzheimer Osten möglich.

Und dass die Probesperrung in den Sommermonaten erfolgt, hält Lehar nur für logisch. Im Herbst oder Winter würde eine Außenbestuhlung an der Eisdiele ja keinen Sinn ergeben. Außerdem seien immerhin fünf Wochen lang, so wie jetzt, keine Ferien. Das Problem mit den Wildparkern habe übrigens schon vorher bestanden, sagt Lehar. Das Ordnungsamt sei deshalb immer wieder unterwegs, um dies zu kontrollieren.

Die Stadt wird die Auswirkungen der Sperrung bis 7. September auswerten. Auch ein Fachplaner wird diesen Prozess begleiten. Im September entscheidet es sich dann, ob die Straße wieder für den Verkehr freigegeben wird.


Arbeiten für Sanierung vergeben

Sieben Unternehmen hatten Unterlagen für die Ausschreibung angefordert, drei davon schließlich ein Angebot abgegeben.

In der Sitzung am Dienstag hat der Welzheimer Gemeinderat nun einstimmig beschlossen, die Arbeiten für den Umbau der Wilhelmstraße und den östlichen Kirchplatz an die Firma Zehnder aus Rudersberg zu vergeben.

Mit der Firma, die bereits in den vergangenen Jahren Sanierungen im Innenstadtbereich ausführte, hat die Gemeinde dem Vernehmen nach bislang gute Erfahrungen gemacht.
Das Gesamtangebot für die Maßnahme beläuft sich auf 1,56 Millionen Euro und setzt sich zusammen aus 970 000 Euro für den Straßenbau, 242 000 Euro für den Kanalbau, 130 000 Euro für den Wasserleitungsbau sowie 28 000 Euro für den Ausbau der Breitbandinfrastruktur.

Die geplanten Kosten werden damit um 35 000 Euro überschritten. Auch diese überplanmäßige Ausgabe hat das Gremium einstimmig genehmigt.

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