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Welzheim Plädoyer für gute Geschichten

Welzheim.
Wer als Tochter einer Buchhändlerin mit dem Geruch bedruckter Seiten in der Nase aufwächst, den begleiten Geschichten sein ganzes Leben lang. Leonie Bredl macht da keine Ausnahme. Jetzt produziert die gelernte Schauspielerin Sendungen für das Internet. Über was? Bücher natürlich.

Zwanzig Jahre alt, mittelgroß, weicher, hellbrauner Pagenkopf und ein waches, hübsches Gesicht – das ist Leonie Bredl. Sie spricht leise, wortgewandt und hochdeutsch, dank einer Flut von Büchern und drei Jahren Sprachtraining auf der Schauspielschule in Stuttgart. „Kinder müssen lesen“, sagt sie. Sie hat es auch getan, seit sie sechs Jahre alt war. Fernsehen hatte Seltenheitswert, dafür gab es Geschichten – die üppigen Märchenwelten einer Cornelia Funke zum Beispiel, das detailversessene Universum von J.K. Rowling, die Harry Potter, den Zauberlehrling mit der Brille, erfand, die Klassiker von Astrid Lindgren.


Bücher sind besser als Filme und wichtiger, meint Leonie Bredl, sie bilden die Fantasie und die Träume. In Filmen werden einem die Helden fix und fertig vorgesetzt. Ihr Harry Potter hat ganz anders ausgesehen als Daniel Radcliffe, meint sie ein ganz klein wenig wehmütig, jetzt hat sie ihn durch die Filme verloren.

In der Schauspielschule hat Leonie Bredl auch Fertigkeiten erworben, die man hinter der Kamera brauchen kann. Sie hat als Journalistin gearbeitet, Interviews geführt und Beiträge geschrieben. Ihre Brötchen verdient sie hauptsächlich durch Coaching - „Sprachunterricht,“ erklärt sie lächelnd, und nicht etwa nur für Kunden, die das beruflich brauchen, sondern auch für ganz normale Leute. Das Fernsehprogramm über Bücher ist ihr jüngstes Projekt und eindeutig eine Herzensangelegenheit. „Kleine Buchhandlungen haben es schwer“, doziert sie, während sie im Büro der Limes-Buchhandlung entspannt an der Wand lehnt, „vor allem gegen das Internet.“ Gute Bücher auch, vor allem in einer Welt, die auf Wegwerfunterhaltung setzt. Drei Monate Hype wie bei den Topmodels und Instant-Superstars im Fernsehen, danach reif für das Vergessen - das gilt zunehmend auch für gedruckte Geschichten, meint Leonie Bredl.

Für die erste Sendung ihrer Reihe „Looks @ Books“ hat Leonie Bredl den Schweizer Autor Robert Seethaler interviewt. Sein Buch „Der Trafikant“ ist im September 2012 erschienen und keine Wegwerflektüre, sagt Bredl. Die Sendung, die sie gerade in der elterlichen Buchhandlung dreht, soll so etwas sein wie ein Plädoyer für gute Geschichten, und die ersten Einstellungen stammen aus der Kinderbuchabteilung. Man muss den Leuten von klein auf beibringen, gut geschriebene Storys von schlechten zu unterscheiden. Sie ist eine Kooperation mit Stuttgarter Kindertagesstätten eingegangen, und in den folgenden Sendungen soll jeweils ein Kind persönlich sein Lieblingsbuch vorstellen.

„Ich hab Glück gehabt,“ sagt sie, „mein Producer lässt mir freie Hand. Ich soll mich als Künstlerin entwickeln.“ Abseits vom Fernsehen, gibt es einen Roman, den sie am liebsten lesen würde, obwohl ihn noch niemand geschrieben hat? Sie schmunzelt in sich hinein. „Ich hab da so eine Idee, die liegt aber noch in der Schublade.“ Schon begriffen. Diesen speziellen Roman schreibt Leonie Bredl eines schönen Tages ganz einfach selbst.

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