Welzheim Rentnerinnen betrogen: Zwielichtige Handwerker verurteilt

Symbolbild. Foto: Pixabay / 27707

Welzheim. Die Urteile am Ludwigsburger Amtsgericht im Prozess wegen eines groß angelegten Betruges alleinstehender Rentnerinnen sind gefallen: Die zwielichten Handwerker, die ihren Opfern völlig überteuerte Entkalkungsgeräte aufgeschwatzt hatten, wurden zu Haftstrafen auf Bewährung verurteilt

„Es war eine ganz große Schweinerei, was hier gelaufen ist“, sagte Richterin Tina Lüke bei der Urteilbegründung. „Auf Kosten der Schwächsten“, denen einfach nur „Schund“ angedreht worden sei. Der 53-jährige Hauptangeklagte aus Welzheim bekam mit einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung die höchste Strafe. Seine Komplizen, ein 63-Jähriger Welzheimer und ein 49-Jähriger aus Bayern, wurden zu Bewährungssstrafen von neun und drei Monaten verurteilt. Die 36-jährige Freundin des Hauptangeklagten kam wegen Beihilfe zum Betrug mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu jeweils zehn Euro davon.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Männer ältere Frauen in Aspach, Abtsgmünd, Ludwigsburg und Besigheim zum Einbau von völlig überteuerten Geräten überredet haben. Und zwar an der Haustüre. Die Adressen hatten sie von einem, der bereits 2013 auf diese Tour gereist war. Redegewandt waren sie auch, zwei der Angeklagten brachten Erfahrungen als Staubsaugervertreter mit.

Insgesamt 20 Geschädigte

Da sich die Angeklagten am ersten Verhandlungstag mehr oder weniger geständig zeigten, mussten beim zweiten Prozesstermin die Opfer in den Zeugenstand. Nach der Aussage eines Polizeibeamten gab es insgesamt 20 Geschädigte, die teilweise schon verstorben sind. In Ludwigsburg waren nur die Taten an der 74-jährigen Abtsgmünderin, an der 78-jährigen Ludwigsburgerin, an der 82-jährigen Besigheimerin und an der Aspacherin, die aus gesundheitlichen Gründen nicht kommen konnte, angeklagt.

Die Frau im Ludwigsburger Westen wurde zwischen 2013 und 2017 um über 13 000 Euro betrogen, die Seniorin in Besigheim um etwa 8000 Euro. In Aspach ergaunerten die Handwerker 5500 Euro, in Abtsgmünd gar 16 000 Euro. Die Ludwigsburger Geschädigte hatte bis zum Strafprozess mit dem Hauptangeklagten bereits einen zivilrechtlichen Vergleich in Sachen Schadenswiedergutmachung geschlossen und die erste Rate über 300 Euro überwiesen bekommen. Für die Besigheimerin zog der Angeklagte, 49, noch im Gerichtssal 700 Euro aus der Hosentasche und überreichte die Scheine nebst einer Entschuldigung.

"Kaputte" Geräte wieder ausgetauscht

Zur Masche der Betrüger erklärten die älteren Damen, sie hätten teilweise bar bezahlt, seien aber auch zur Bank gefahren worden. Die Männer seien im Auto sitzen geblieben und hätten dort auf das Geld gewartet. Die 82-Jährige zum Beispiel berichtete, ein Mann habe ihr erklärt, wie wichtig es sei, einen Entkalker einzubauen – das würde ein halbes Jahr dauern. Bei weiteren Heimsuchungen hätte es geheißen, das Gerät sei kaputt oder müsse gewartet werden. „Er hat jedes Mal Geld von mir verlangt“, sagte die Seniorin aus. Als ihr dieser komische Handwerker dann auch noch ein Weihnachtsgeschenk habe bringen wollen, habe sie ihm die Tür nicht mehr aufgemacht.

Die polizeilichen Angaben der Aspacherin, die nicht kommen konnte, wurden vor Gericht verlesen. Daraus ging hevor, dass eines Tages ein Mann und eine Frau bei ihr geklingelt hätten. Der Mann hätte ein Gerät eingebaut und sie angewisen, derweil die Brause in Essig einzulegen. Er würde dann noch einmal zur Überprüfung kommen. Die „Überprüfung“ fand dergestalt statt, dass am Ende drei Geräte ein- und ausgebaut waren. Immer mit der Begründung, das alte sei kaputt. Die Seniorin holte einen Flaschner aus ihrer Heimatgemeinde der ihr sagen musste: „Da hast du dir was aufschwatzen lassen.“

Wert der Entkalker: 250 bis 330 Euro

Nach einem Gutachten der Kripo Ludwigsburg wurden die Kalkschutzsysteme völlig überteuert verkauft. Realistisch für solche Geräte seien 250 bis 330 Euro. Mehr als zehn Minuten Montageaufwand seien nicht erforderlich.

Kraft Urteils hat das Amtsgericht jetzt mit den Angeklagten abgerechnet. Der 53-jährige Hauptangeklagte, der angab, alkohol- und spielsüchtig zu sein, bekam keine Bewährungsauflage, weil er sowieso schon zusätzlich samstags arbeitet, um den Schaden wieder gutmachen zu können. Der 63-Jährige muss 80 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten und der 49-Jährige 40 Stunden. Wobei der 63-Jährige meinte, er könne sich, anstatt gemeinnützig zu arbeiten, ja auch um den Garten der Geschädigten kümmern.

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