Welzheim Ringen um Gedenken an NS-Opfer Schlotterbeck

Beim Notariat in Welzheim am Gottlob-Bauknecht-Platz steht bereits eine Gedenktafel als Erinnerung an das KZ und das Kommandanturgebäude. Foto: ZVW/Rainer Stütz

Welzheim.
„Erinnerungsarbeit KZ Welzheim: Benennung einer Örtlichkeit“, hat am Dienstagabend der Tagesordnungspunkt geheißen. Dahinter steckt der Antrag des Historischen Vereins Welzheimer Wald, einen Teil des Gottlob-Bauknecht-Platzes vor dem Notariat nach dem Nazi-Opfer und Widerstandkämpfer Hermann Schlotterbeck zu benennen. Das Thema stand als Vorberatung auf der Tagesordnung. Zuvor schon hatte das Gremium nichtöffentlich das Thema vorberaten, ohne zu einer Empfehlung zu kommen. Allerdings hatte sich in der Debatte als Alternative die namenlose Grünfläche vor dem Polizeiposten (früheres Forstamt) herauskristallisiert, und zwar als allgemeine Gedenkstätte für die Naziopfer. Ein Vorschlag, von dem der Historische Verein überhaupt nichts hält, weil der Bezug zum KZ Welzheim fehlt, das auf der anderen Straßenseite lag. Eine Entscheidung soll nach dem derzeitigen Zeitplan nun am Dienstag, 3. März, im Welzheimer Gemeinderat fallen.

Vor 75 Jahren wurde das KZ Welzheim aufgelöst

„Das Thema ist nicht neu und stand schon 2015 auf der Tagesordnung“, so Nicole Marquardt-Lindauer vom zuständigen Haupt- und Personalamt. Nun ist das Thema wieder aktuell, weil es der Historische Verein aufgegriffen hat, und zwar im Hinblick auf die Auflösung und Räumung des Konzentrationslagers vor 75 Jahren. Das traurige Jubiläum soll im April 2020 begangen werden. Im Rahmen der Vorbereitungen für die Gedenkfeier wurde vom Historischen Verein vorgeschlagen, einen Teil des Gottlob-Bauknecht-Platzes zu „Hermann- Schlotterbeck-Platz“ umzubenennen.

Vorsitzender Dieter Frey vom Historischen Verein („Wir haben das Thema engagiert im Vorstand diskutiert“) hielt am Vorschlag der Platzbenennung fest. „Die namenlose Grünfläche bei der Polizei macht gar keinen Sinn, außerdem brauchen wir keine vierte Gedenkstätte, weil es bereits drei in Welzheim gibt.“ Beim Notariat sei bereits eine Gedenktafel aufgestellt. Hermann Schlotterbeck und seine Familie seien nicht nur Opfer der Nazis, sondern auch aktive Widerstandskämpfer gewesen. Sein Name solle stellvertretend für die vielen Opfer in Welzheim stehen.

„Es ist traurig, aber in der heutigen Zeit noch wichtiger als vor fünf Jahren, dass sich die Stadt Gedanken macht“, so Stadträtin Alexandra Veit (SPD). Sie plädierte für einen Gedenk- und Mahnplatz, zudem sich solche Dinge wie in der Nazizeit heutzutage wieder in Deutschland einschleichen würden. Eine Personifizierung erleichtere das Gedenken und das Geschehene sei im konkreten Fall besser nachvollziehbar. Der Teil des Bauknechtplatzes vor dem Notariat, der früheren Kommandantur des Konzentrationslagers, sei der richtige Ort dafür.

Auch Stadträtin Brigitte Macha sprach sich für die Freien Wähler für diesen Standort aus, allerdings mit der Namensgebung „Platz des 15. Aprils“ mit Hinweis auf den Tag der Auflösung des Lagers. CDU-Fraktionssprecher Thomas Linzmair war gegen eine Beschneidung des Gottlob-Bauknecht-Platzes. Die Wiese bei der Polizei soll neu benannt werden, aber nicht nach Hermann Schlotterbeck. Auch Stadtrat Winfried Ellinger (Bürger-Forum) hält die Grünanlage für geeignet. „Damit kommen wir einer historischen Verpflichtung nach.“

Im Gegensatz dazu Kai Dorra von den Piraten: „Ein Platz des 15. April ergibt keinen Sinn. Wir brauchen ein klares Zeichen für die kommenden Generationen.“ Hermann Schlotterbeck sei als Opfer der Nazis und als Widerstandkämpfer ein Vorbild für die Jugend von heute. Der westliche Teil des Bauknecht-Platzes sei optimal dafür geeignet. Beide Teile des Bauknecht-Platzes seien durch die Murrhardter Straße getrennt und damit keine bauliche Einheit. Auch im Hinblick auf das Nazitreffen im September letzten Jahres an der Hummelgautsche auf Markung Alfdorf dürfe das Thema nicht mehr verschoben werden. „Wir müssen klare Kante zeigen, sonst werden wir dem Menschen Schlotterbeck nicht gerecht“, meinte der Sprecher der Piraten in seiner Stellungnahme.


Stadt muss Flagge zeigen

Ein Kommentar von ZVW-Redakteur Rainer Stütz

Heinrich Lindauer vom Historischen Verein hielt ein flammendes Plädoyer für die Umbenennung des westlichen Teils des Bauknecht-Platzes nach dem Nazi-Opfer und Widerstandskämpfer Hermann Schlotterbeck. Die Widerstandsbewegung Schlotterbeck ist demnach mit der Gruppe „Weiße Rose“ vergleichbar. In Untertürkheim wird sowohl am Geburtshaus als auch auf dem Friedhof an die Familie Schlotterbeck erinnert. Außerdem ist eine Straße des Stuttgarter Stadtteils nach den Opfern benannt. Und Welzheim?

Kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die heutige Schillerstraße nach Hermann Schlotterbeck benannt. Der Beschluss im Gemeinderat fiel Ende November 1945. Für die Eile gab es einen einfachen Grund, denn während der Nazizeit hieß die Straße nach dem Kommandanten des Welzheimer Konzentrationslagers Karl Buck. Bereits drei Jahre später, im November 1948, wurde die Straße nochmals umbenannt. Seither heißt sie Schillerstraße. Auch für diese Umbenennung gibt es einen einfachen Grund. „Die Welzheimer wollten nicht mehr an die dunkle Zeit erinnert werden“, so Lindauer.

Eine Umbenennung der Schillerstraße kommt schon allein wegen des Aufwandes für die Anlieger nicht mehr infrage. Aber vor dem von Heinrich Lindauer erwähnten Hintergrund ist eine glaubwürdige und überzeugende Lösung die Umbenennung des westlichen Bauknecht-Platzes. Ohnehin firmiert die Fläche des Wochenmarktes in der Bevölkerung als Marktplatz oder Oberstadt. Da geht dem Gedenken an Bauknecht nichts verloren.

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