Welzheim Sport-Höfer schließt nach 43 Jahren

War für alle Wintersportler eine feste Anlaufstelle: Sport-Höfer in der Schillerstraße 4. Foto: Habermann / ZVW

Welzheim. Sich von einem Lebenswerk zu verabschieden fällt schwer. Klaus Höfer, Inhaber des Sportgeschäfts in der Schillerstraße/Gottlob-Bauknecht-Platz steckt mittendrin. Der Abschied nach 43 Jahren geht dem Geschäftsinhaber zu Herzen. Aber es gibt keine Alternative. Das Einkaufsverhalten wandelt sich und auch die Hersteller setzen verstärkt aufs Internet und sehen im Handel keine große Zukunft mehr.

„Unser zwei größten Lieferanten Adidas und Nike wollen schon lange die Kleinen nicht mehr. Seit vier Jahren können wir nur noch Pakete aussuchen, zum Beispiel Fußball, Fitness, Trekking usw“, berichtet der 67-Jährige. Hat sich die Welzheimer Firma für Fußball entschieden, dann muss sie Paket A nehmen mit vier Artikeln, nun kann sie Paket B mit zwei Artikeln dazu nehmen, jetzt ist es, auch möglich Paket C zu bestellen, auch mit zwei Artikeln.

„Und wenn wir noch wollen, dann kommt Paket D auch noch dazu.“ Sind jetzt aber in C und D die besseren Artikel für Welzheim, können die Besteller diese nicht bekommen. Voraussetzung ist, dass zuerst Paket A und B geordert wurden. „Durch diese Geschäftspolitik haben wir in den letzten Jahren überdurchschnittlich viele Reduzierungen gehabt“, so Klaus Höfer.

Fachgeschäfte sind nur noch zum Beraten da

Der nächste Punkt ist der Online-Handel: „Wir sind noch zum Beraten da und dann wird Online bestellt.“ Welzheim wachse, aber die Umsätze würden immer weniger. Dazu komme noch, dass die Kosten steigen: Strom, Personalkosten, Versicherungen usw.

Klaus Höfer denkt auch, dass es in Welzheim mit dem Einzelhandel in den nächsten Jahren schwieriger wird. Es würden in den nächsten Jahren bestimmt noch einige Geschäfte schließen, weil oft auch kein Nachfolger vorhanden sei.

Klaus Höfers Töchter hätten gerne das Geschäft übernommen, „aber wir, wie auch unser Einkaufsverband, sehen keine Zukunft in Welzheim, um betriebswirtschaftlich arbeiten zu können.“ Deswegen war am 31. Dezember mit den offiziellen Öffnungszeiten Schluss. Was noch an Ware da ist, wird derzeit vollends verkauft. „Dann ist nach über 43 Jahren alles vorbei. Es ist mir schwergefallen, denn es war mein Lebenswerk“, so Klaus Höfer.

Insgesamt gab es den Laden seit 95 Jahren. Erst im letzten Jahr wurde nochmals ein Jubiläumsfest gefeiert. Das Letzte. 1951 hatte Klaus Höfer das Geschäft übernommen, seit 1975 als reines Sportgeschäft. Was folgte, waren mehrere Umbauten und Modernisierungen. Im Jahr 2000 wurde das Schuhgeschäft ausgelagert in den Laden in der Wilhelmstraße, den seine Frau Christine Höfer und seine Tochter Cornelia Prücklmeier weiter betreiben. „Im reinen Schuhgeschäft kann man sich noch behaupten.“ Höfers wird es in der vierten Generation auch weiterhin noch geben.

Noch vor zwei Jahren eine neue teure Maschine gekauft

Bisher hat Sport-Höfer seine Waren über den Einkaufsverband Sport 2000 bezogen. Die Abnahmemengen, die von den Herstellern erwartet werden, können laut Klaus Höfer in einer Kleinstadt nicht abgesetzt werden. Auch verbieten die Hersteller in ihren Verträgen, dass sich Geschäfte zusammentun, um gemeinsam zu bestellen und so die geforderten Mengen zu erreichen.

„Langlauf und Alpine sind in Welzheim immer gut gelaufen“, berichtet Klaus Höfer weiter. Er habe viele Kunden auch von auswärts gehabt, die ihre Ausrüstung in der firmeneigenen Werkstatt richten ließen. Erst vor zwei Jahren hat Klaus Höfer noch in eine nagelneue und teure Maschine investiert. „Wir haben uns deshalb auch überlegt, ein reines Wintersportgeschäft zu eröffnen, aber alle Fachleute haben uns davon abgeraten, weil die Wintersportzeit im Welzheimer Wald zu kurz ist.“

Die Schließung des Sportgeschäfts in Welzheim ist laut Klaus Höfer kein Einzelfall in der Bundesrepublik Deutschland. Nach Auskunft seines Verbandes hätten im letzten Jahr allein 80 Sportläden bundesweit geschlossen. Nur die Großen könnten sich noch behaupten. „Nun ist mein Lebenswerk beendet.“ Deshalb werde das Haus nun verkauft. „Es war eine schöne Zeit, ich habe meinen Beruf gerne gemacht und hatte viele liebe Kunden.“


Schuhgeschäft bleibt

Der Schuhverkauf bei Höfers im Laden in der Wilhelmstraße in Welzheim geht weiter. Die Schließung des Sportgeschäfts hat darauf keine Auswirkungen.
Tochter Cornelia Prücklmeier, die ursprünglich das Sportgeschäft übernehmen wollte, wird nun zusammen mit ihrer Mutter Christine Höfer den Laden weiter betreiben. Möglich wird diese Lösung, weil eine Verkäuferin in den Ruhestand gehen wird.

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