Welzheim und Umgebung Der Mensch von nebenan. . .

Gunter Demnig verlegt den „Stolperstein“ in der Brunnenstraße. Halblinks Emilie Schweitzer bei ihrem Beitrag. Bild: Baireuther Foto: ZVW

Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen hatte zur „Stolperstein“-Verlegung eingeladen

Welzheim. Erstmals ist in Welzheim ein sogenannter Stolperstein verlegt worden. Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen und die Stadt wollen damit an den Friedrich Baumgärtner erinnern, der 1940 im Konzentrationslager Flossenbürg umgebracht wurde.

Seit dem Jahr 2000 verlegt der Kölner Künstler Gunter Demnig Stolpersteine – Mahnmale an Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Demnig ist es dabei wichtig, herauszustellen, dass diese Opfer nicht irgendwelche Fremden waren, sondern Menschen von nebenan. So wie der Welzheimer Friedrich Baumgärtner.

Emilie Schweitzer hat sich im Auftrag der ACK auf Spurensuche gemacht und ist auf dem Rathaus sowie im städtischen Archiv fündig geworden. Demnach betrieb Friedrich Baumgärtner, dessen Vater aus Urbach zugezogen war, in der Brunnenstraße eine Landwirtschaft. 1938 wurde Baumgärtner als „asoziales Element“ verhaftet und ins Konzentrationslager Flossenbürg gebracht, wo er am 21. Dezember 1940 umgebracht wurde.

Was war Friedrich Baumgärtner vorgeworfen worden? Emilie Schweitzer zitierte bei der Gedenkstunde aus Unterlagen der Geheimen Staatspolizei:

B. ist politisch völlig unzuverlässig. Er ist unfähig, seine Landwirtschaft, die er hatte, so zu führen, dass er einen Ertrag hatte und seinen Verpflichtungen nachzukommen. Im Übrigen ist er charakterlich minderwertig.

Emilie Schweitzer weiter: „Wenn wir heute an der Stelle des Stolpersteins stehen, können wir das Unrecht nicht ungeschehen machen. Aber wir können einem geschändeten, entwürdigten, ermordeten Menschen sein Gesicht, seine Würde wiedergeben.“ Und sie zitierte den Künstler Gunter Demnig: „Wenn wir den eingravierten Namen im Stolperstein lesen wollen, dann müssen wir uns vor dem Opfer verbeugen.“

Durchgangslager waren Station zur Hölle

Zuvor hatte Bürgermeister Bernlöhr betont, dass es richtig und wichtig sei, auch oder gerade in Welzheim einen Stolperstein zu verlegen: Die schweigende Mehrheit habe in der Zeit der Gewaltherrschaft schnell gelernt, wegzuschauen, auch wenn jeder in seinem Innersten sicher gewusst habe, dass das Herrschaftssystem Unrecht sei. Und: Welzheim habe mit seinem „Polizeigefängnis“, dem sogenannten KZ Welzheim, eine besondere Verantwortung. Dieses KZ war oft Durchgangsstation zu den Vernichtungslagern, es war somit eine „Station zur Hölle“.

Pastor Wolfgang Holstein, der für die ACK sprach, betonte, „dass zum Gedenken auch das Handeln gehört“. Wichtig sei in der heutigen Zeit der Widerstand gegen die Gleichgültigkeit. Holstein: „Wir müssen wachsam bleiben.“ Der Pastor lud abschließend alle zum gemeinsamen Vaterunser-Gebet ein.

 

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