Welzheim Warten auf den Drogeriemarkt

Weil der Untergrund auf dem künftigen Bauareal Feuersee sehr sumpfig ist, haben schon in früherer Zeit die Menschen versucht, mit Holzpfählen, die in den Boden gerammt wurden, eine Baugrundlage zu schaffen. Das Holz blieb bis in heutiger Zeit erhalten, weil es immer feucht blieb. Foto: Büttner / ZVW

Welzheim. Wann gibt es in Welzheim endlich wieder einen Drogeriemarkt? Diese Frage ist in der Stadt immer wieder zu hören, wenn die Menschen die archäologischen Grabungen am Feuersee verfolgen. Bis März nächsten Jahres sollen die Grabungen abgeschlossen werden, danach ist ein Baubeginn für das Wohn- und Geschäftshaus mit Rossmann und Takko denkbar. Die Bauzeit beträgt mindestens ein Jahr.

„Wir sind zuversichtlich, dass der beauftragen Investor im Jahr 2020 das Wohn- und Geschäftshaus fertigstellen kann“, erklärte der Beigeordnete der Stadt Reinhold Kasian auf unsere Anfrage hin zum aktuellen Stand. Alle notwendigen Verträge seien bereits unterschrieben.

Bereits im Oktober 2013 hatte sich der Welzheimer Gemeinderat erstmals mit dem Thema beschäftigt und danach einen Investorenwettbewerb gestartet. Zwei Vorschläge kamen in die engere Wahl. Einer mit und einer ohne Tiefgarage.

Die Lösung ohne Tiefgarage hätte den Charme gehabt, dass ein Baubeginn einige Jahre früher möglich gewesen wäre. Hatte aber den Nachteil, dass die Stellplätze oberirdisch hätten ausgewiesen werden müssen.

Landesdenkmalamt benötigt bis zu 20 Monate für Ausgrabungen

Die vom Gemeinderat am 24. Februar 2015 favorisierte Lösung der Activ-Gruppe sah eine Tiefgarage vor. Die Projektplanung machte archäologische Grabungen erforderlich. Das Landesdenkmalamt beanspruchte wegen der Größe des Geländes einen Zeitraum von maximal 20 Monaten für die Grabungen.

Hinzu kam nun, dass mit den von der Stadt beauftragten und bezahlten Grabungen Vorleistungen für die Tiefgarage erbracht werden. Grob gesagt haben sich Stadt und Investor nach langwierigen Vertragsverhandlungen auf eine Teilung der Kosten geeinigt. Laut Kasian erstattet die Activ-Gruppe der Stadt rund 360 000 Euro.

Die Diskussion über das Wohn- und Geschäftshaus am See hatte in den vergangenen Jahren in der Stadt teils hohe Wellen geschlagen. Die Pläne der Stadt waren unter anderem ein Grund dafür, dass der Drogeriemarkt Drehpunkt in den ehemaligen Räumen des Drogeriemarktes Schlecker seine Pforten schloss. Nach drei Jahren und zwei Monaten hatte der Drogeriemarkt Ende Oktober 2016 geschlossen.

Angesichts der Pläne der Stadt, in nächster Nähe den Drogeriemarkt Rossmann am Feuersee anzusiedeln, gebe es keine langfristige Perspektive, sagten damals die Betreiberinnen. Seither müssen die Welzheimer, wollen sie in einem Drogeriemarkt einkaufen, nach auswärts fahren, entweder nach Schorndorf oder Lorch im Remstal, nach Rudersberg im Wieslauftal oder nach Murrhardt im Murrtal.

Schwierige Verhandlungen mit dem Bauträger

Anziehungspunkt für das neue Wohn- und Geschäftshaus soll der Drogeriemarkt Rossmann werden. Der Gemeinderat hat sich am Ende der Debatte für die größere Lösung entschieden und damit eine entsprechend längere Bauzeit in Kauf genommen. Die Verhandlungen mit dem Bauträger gestalteten sich schwierig, weil die Kosten für die Grabungen und die Kosten für die Tiefgarage getrennt berechnet werden mussten.

Der Kaufvertrag mit der Activ-Gruppe wurde im Herbst 2016 unterschrieben und notariell beurkundet. Die Unterzeichnung setzte, wie Bürgermeister Thomas Bernlöhr seinerzeit erklärte, eine Mechanik in Gang, die sich in mehrere Phasen mit wechselseitigen Rechten und Pflichten gliedert: Verlegung eines großen Telekommunikationskabels, Bauantrag, archäologische Grabungen, Baugrube, Hochbau, Fertigstellung, Außenanlagen und Stellplätze, Eröffnung.

Darin verwoben sind die Verpflichtungen zur Zahlung der einzelnen Kostenbestandteile, so dass die Activ-Gruppe sicher sein kann, auf dem Grundstück auch bauen zu können, und die Stadt sicher sein kann, dass sie bei der archäologischen Grabung nicht auf einem ungedeckten Scheck sitzenbleibt.

Funde hängen mit zwei Stadtbränden zusammen

Seit mehr als einem Jahr forschen und graben die Archäologen an der Baustelle für das neue Wohn- und Geschäftshaus am Feuersee in der Brunnenstraße. Der Sensationsfund ist nicht dabei.

Eine Überraschung war für die Fachleute allerdings, dass dort römische Spuren vergleichsweise gering sichtbar sind, dafür viele Fundstücke aus dem Mittelalter entdeckt wurden. Das hängt laut dem Landeskonservator Andreas Thiel vom Landesdenkmalsamt sehr wahrscheinlich mit den zwei Welzheimer Stadtbränden zusammen.


Zwei Läden

Das Wohn- und Geschäftshaus am Feuersee ist mit einer Tiefgarage geplant. Die Activ-Immobilien als Investor hat ein Volumen von rund acht Millionen Euro genannt.

Der Investor aus Schemmerhofen und ein Architekturbüro aus Konstanz hatten die große Lösung präsentiert. Vorgesehen sind zwei Ladenflächen und 16 Wohnungen.

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