Welzheim Warum die Stadt keine Kurtaxe einführt

Gäste der Waldbahn müssen künftig keinen „Kurtaler“ zahlen. Foto: ZVW/Joachim Mogck

Welzheim. Wie sehr profitiert Welzheim eigentlich vom Tourismus? Darum ging es bei der Diskussion um die Einführung einer Kurtaxe in der Limesstadt. Ziemlich viel, findet die Verwaltung, die von der Einführung eine Abgabe aber abrät: Der Aufwand wäre zu hoch, die Erträge zu gering. Die Mehrheit des Gemeinderats sieht das genauso.

Die Idee der Freien Wähler hat durchaus Charme: Welzheim, dessen Attraktionen wie der Aichstrutsee oder die Waldbahn sehr stark von Besuchern genutzt werden, könnte künftig von jedem Gast eine Kurtaxe von zwei Euro pro Kopf und Übernachtung erheben. Und für die Fahrt mit der Waldbahn einen „Kurtaler“ in gleicher Höhe verlangen. Bei jedem Restaurantbesuch wäre ein Euro zusätzlich fällig. Mit diesen Einnahmen könnte die Stadt Pflege und Erhaltung der Kuranlagen und öffentlichen Plätze fördern.

Bis 1985 schon einmal eine Kurtaxe

Die Verwaltung hat nun in einer dem Gemeinderat vorgelegten, umfangreichen Vorlage auf den Antrag der Fraktion geantwortet, warum sie eine Einführung nicht empfiehlt. Die Kurtaxe hat eine Vorgeschichte: Bereits zwischen 1937 und 1985 hatte die Stadt diese erhoben. Dass sie vor mehr als 30 Jahren abgeschafft wurde, hatte einen triftigen Grund. Denn mit ihr wurde zuletzt so gut wie kein Ertrag mehr erzielt: gerade mal 99 Deutsche Mark im Jahr 1982, überhaupt kein Geld in den Jahren 1983 und 1985 sowie schlappe elf Mark im Jahr 1984.

Zwar ist die Zahl der Übernachtungen seitdem gestiegen, doch immer noch recht überschaubar. Lediglich etwas mehr als 13 000 Gäste waren es zuletzt im Jahr 2016. Das ist deutlich weniger als in Murrhardt (45 000) oder Althütte (44 000). Bei einer Abgabe von zwei Euro kämen also aus diesem Bereich lediglich Einnahmen von rund 26 000 Euro zusammen.

Tagestouristen dominieren

In Welzheim ist der Übernachtungstourismus eben nicht sehr stark ausgeprägt. Es dominieren Tagestouristen, deren Zahl sich aber nicht realistisch abschätzen lässt. Von diesen profitiere die Stadt und vor allem die Gastronomie laut Stadtverwaltung aber spürbar.

Und das auch durch die Schwäbische Waldbahn, die pro Saison rund 22 000 Fahrgäste transportiert. Wenn nur 10 000 davon Nicht-Welzheimer sein sollten, und ein Tagestourist statistisch bis zu 30 Euro ausgibt, würden dadurch Einnahmen von bis zu 300 000 Euro entstehen.

Auch über Umwege profitiert die Stadt finanziell von Tagestouristen. Durch Parkgebühren an Ebni- und Aichstrutsee etwa (67 000 Euro) oder Trassengebühren bei der Waldbahn (51 000 Euro). Insgesamt kommen über Umwegseinnahmen rund 138 000 Euro zusammen.

Enormer Verwaltungsaufwand

Eine Kurtaxe würde aus Sicht der Verwaltung nicht nur einen enormen Aufwand für Verwaltung und Betriebe bedeuten. Fünf bis sechs Tage wären allein für die jährliche Berechnung notwendig. Treffen würde dies auch die Gastronomen.

Den Weg über die direkten Einnahmen wie die Trassenabgabe für die Waldbahn, hält die Stadt daher für deutlich schlanker und effektiver.

Antragsteller von mageren Übernachtungszahlen überrascht

Von den mageren Zahlen überrascht zeigte sich Sebastian Buhl (Freie Wähler), der sich zuvor für die Einführung einer Kurtaxe stark gemacht hatte. „Erschreckend“ gar fand er die niedrigen Übernachtungszahlen und räumte ein, dass es angesichts dessen wenig Sinn mache, eine Kurtaxe einzuführen. „Tourismus muss einen Gegenwert bringen“, gab Buhl jedoch zu bedenken – und verwies auf den Bauhof, der im Sommer stets stundenlang damit beschäftigt sei, rund um den Aichstrutsee aufzuräumen.

Welzheimer profitieren schon jetzt vom Tourismus

Bürgermeister Thomas Bernlöhr entgegnete darauf: „Es gibt eine Wertschöpfung durch den Tourismus.“ Und die Welzheimer profitierten nicht zuletzt selbst durch eine gute Infrastruktur, vielfältige gastronomische Angebote und Freizeiteinrichtungen wie den Minigolfplatz.

Tanja Brucker (CDU) schloss sich der Verwaltungssicht an. Sehr viel sei zuletzt gemacht worden, um den Tourismus zu entwickeln. „Er ist aber immer noch ein kleines Pflänzchen. Und eine Taxe würde dieses Pflänzchen beschädigen.“

Parkgebühren bei der Laufenmühle?

Auch Claudia Kuhn (Welzheimer Bürgerforum) fand, dass sich die Stadt durch den Tourismus positiv entwickelt habe. Das käme häufig als Rückmeldung von ehemaligen Welzheimern. Eine Kurtaxe wäre für diese Entwicklung kontraproduktiv. Aus ihrer Sicht eine Überlegung wert sei jedoch die Einführung von Parkgebühren beim Parkplatz oberhalb der Laufenmühle. „Keine schlechte Idee“, meinte dazu auch Sebastian Buhl. Die Stadt Welzheim hat den Vorschlag aufgenommen und will ihn nun prüfen.

Die Kurtaxe fand dann, wie zu erwarten, keine Mehrheit. 13 Gemeinderäte stimmten gegen die Einführung, fünf enthielten sich.

  • Bewertung
    2

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!