Welzheimer Para-Kugelstoßer Hohe Ziele: Niko Kappel will WM-Titel und Weltrekord

Nach der Enttäuschung 2018 bei der Heim-EM in Berlin, als er zwar Silber gewann, aber mit seiner Leistung überhaupt nicht zufrieden war, will Niko Kappel seinen polnischen Rivalen Bartosz Tyszkowski heuer wieder in die Schranken weisen. Foto: dpa/camera 4

Wer Weltmeister ist, will es bleiben. So auch der kleinwüchsige Kugelstoßer Niko Kappel, der im November die Titelverteidigung in Dubai anstrebt. Außerdem will sich der 24-Jährige den Weltrekord zurückholen. Zwar plagt sich der Welzheimer mit Knieschmerzen herum. Doch Jammern ist seine Sache nicht: „Dass es mal zwickt, gehört im Spitzensport dazu.“

Das gilt auch für das, was Kappel im August vergangenen Jahres in Berlin passierte. Bei der Heim-EM wollte sich der Paralympics-Sieger und Weltmeister den dritten großen Titel holen – doch der Wettkampf lief am Athleten des VfL Sindelfingen vorbei. Zwar ist er auch an einem schlechten Tag immer noch stark genug für eine Medaille, in Berlin wurde es die silberne. „Aber die EM war wegen meiner Leistung trotzdem eine Enttäuschung.“ Mit 12,60 Metern blieb Niko Kappel sehr deutlich hinter den eigenen Ansprüchen zurück. „Mit der Weite dürfte ich diesmal nicht mal mit zur WM. Die Norm liegt bei 12,63 Metern.“ Was jedoch noch ärgerlicher war: Dauerrivale Bartosz Tyszkowski, den Kappel bei den Paralympics 2016 in Rio mit einem Zentimeter Vorsprung sensationell auf den Silberrang verwiesen hatte, wurde nicht nur Europameister, sondern klaute dem Welzheimer auch noch den Weltrekord. Der Pole verbesserte ihn um zwei Zentimeter auf 14,04 Meter.

"Der Gedanke des Fair Plays wird mit Füßen getreten"

Damit hatte sich Tyszkowski mit einem Paukenschlag zurückgemeldet. Im Vorjahr war er bei der WM in London wegen Cannabis-Konsums gesperrt gewesen. Freilich ist die Droge nicht gerade für ihre leistungssteigernde Wirkung bekannt. „Aber verboten ist sie trotzdem“, sagt Niko Kappel. Und schon ist er bei einem Thema, bei dem er sich stets schnell in Rage redet: Doping. „Für mich ist es nicht nachvollziehbar, wie man sich als Sportler dafür entscheiden und der Konkurrenz so in die Augen schauen kann. Der Gedanke des Fair Plays wird mit Füßen getreten.“ Er hoffe, Doping sei im Spitzensport mehr Ausnahme als Regel. Besonders im paralympischen, „wo es noch nicht um so viel Geld geht“. Denn auch ohne illegale Mittel seien Topleistungen möglich: „Man muss ein gesundes Maß finden zwischen Trainingseffektivität, Pausen und aktiver Regeneration.“

Seit 2017 mit Knieschmerzen zu kämpfen

Kappels eigenes Training hat sich inzwischen etwas verändert. Schon seit 2017 plagt er sich mit Knieschmerzen herum, die Wintersaison 2018/19 musste sogar ausfallen. „Wir hatten das Problem eigentlich im Griff gehabt, aber ich merk’ es immer noch deutlich nach gewissen Einheiten.“ Kniebeugen „mit 160 Kilo Gewicht“ seien uneingeschränkt möglich, manche Sprünge sowie Übungen, um die Spritzigkeit zu verbessern, jedoch nicht. Ein Orthopäde habe jedoch von einer Operation abgeraten.

Weil Berufssportler Kappel lieber optimistisch in die Zukunft blickt, statt zu jammern, nimmt er die Knieschmerzen einfach als gegeben hin. „Dass es mal zwickt, gehört im Spitzensport dazu.“ Unter Leitung von Landestrainer Peter Salzer sei das Training etwas umgestellt, beziehungsweise mit Übungen für die Stabilität erweitert worden. Hinzu komme physiotherapeutische Behandlung. „Man muss einfach dranbleiben, um trotzdem auf Topniveau zu trainieren“, sagt Niko Kappel.

Der späte WM-Termin ermöglicht einen behutsamen Formaufbau

Entgegen kommt ihm wegen seiner Beschwerden der Saisonplan. Die Para-Weltmeisterschaft in Dubai, wo der Welzheimer im Jahr 2011 noch bei den Junioren den ersten WM-Titel seiner Karriere feierte, findet erst im November statt. Das ermöglicht einen behutsamen Formaufbau. Zwar sei der späte Termin wegen der Vorbereitung auf die Paralympics 2020 in Tokio auch „ein bisschen blöd“. Doch dieses Problem hätten ja alle Topathleten.

Bei der WM will Kappel seinen Titel verteidigen. „Und es ist schon auch ein Ziel für diese Saison, dass wir uns den Weltrekord wieder greifen.“ Wir? „Ja“, bekräftigt Kappel und präzisiert: „Ich schließe immer mein Team mit ein – meine Familie, meinen Berater, meinen Trainer, meinen Physio.“

Süddeutsche Para-Meisterschaften in Winnenden

Nun geht es zunächst mal darum, wieder Topleistungen unter Wettkampfbedingungen abzurufen. An diesem Samstag hat der Welzheimer fast ein Heimspiel. Im Winnender Herbert-Winter-Stadion werden im Rahmen des landesoffenen Leichtathletik-Meetings der U 16 sowie des ersten Inklusionssportfests die süddeutschen Para-Meisterschaften ausgetragen. Niko Kappel ist, wen wundert’s, Favorit. Doch der Sieg allein wird ihm nicht reichen, auch die Weite muss stimmen. Das wäre ein schöner Gruß an Bartosz Tyszkowski.


Saisonplan und „Zwergenwerfen“

Wenn das Knie mitspielt, wird Niko Kappel nach den am Samstag in Winnenden stattfindenden süddeutschen Meisterschaften bei folgenden Veranstaltungen antreten: internationaler Wettkampf in Nottwil (Schweiz) vom 24. bis 26. Mai, Hallesche Werfertage am 1. und 2. Juni sowie deutsche Meisterschaften am 13. und 14. Juli. Vielleicht ist der Kugelstoßer auch eine Woche nach der DM beim Wettkampf im polnischen Bydgoszcz am Start. Dann träfe er erstmals auf seinen größten Widersacher, den Lokalmatadoren Bartosz Tyszkowski.

Profisportler Kappel ist auf Instagram und Facebook sehr aktiv. „Soziale Medien spielen heute eine größere Rolle als früher, vor allem für die Sponsoren. Ich bin froh, dass es mir eher leicht fällt, diese Kanäle zu nutzen.“

Zu sehen auf Instagram ist der kleinwüchsige Kappel unter anderem bei einem „Unter-Hürden-Lauf“ und beim „Zwergenwerfen“ mit Mathias Mester, dem zweimaligen Para-Weltmeister im Speerwerfen.

Dieser trainiert inzwischen auch am Stuttgarter Olympiastützpunkt und ist mit Kugelstoßerin Alina Kenzel vom VfL Waiblingen liiert. Das Duo Kappel und Mester begleitete die Winter-Paralympics 2018 in Südkorea für die ARD unter dem Titel „Zwei Halbe im Ersten“.

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