Welzheimer Straßenfest Glühwein wollte dieses Mal niemand

Welzheim. Im vergangenen Jahr herrschte beinahe Glühweinwetter beim Straßenfest, dieses Jahr hatten die Welzheimer das Wetter wieder mehr auf ihrer Seite, von ein paar Schauern am Sonntag mal abgesehen. Am Samstag saß bis nach Mitternacht alles sommerlich leger und gemütlich beieinander.

„Beim Straßenfest ist das Dorf auf der Gass’“, bringt Gaby Lenz, Schriftführerin der Ski- und Snowboardabteilung des TSF, die Stimmung auf den Punkt. Zwei Tage lang ein vergnügtes Sehen und Gesehenwerden, in den späten Abendstunden auch ein Gehen und freundlich Angerempeltwerden.

„Eine Veranstaltung für die Gemeinde, man trifft sich hier einfach“, sagt Rainer Kurz, Baritonsänger des Liederkranzes. Besucher drehen automatisch immer eine Runde: Im Kreis herum zieht sich die Festmeile einmal um die Kirche, wo am Samstagabend sämtliche Garnituren belegt sind.

Die Besucher feiern zur Musik der „Filderspatzen“. Die Neulinge auf dem Welzheimer Straßenfest haben bereits einige Erfolge auf dem Cannstatter Wasen zu verbuchen. Im Wasenoutfit, in Tracht, Lederhose und Dirndl, treffen sie auch auf kleiner Bühne den Nerv des Publikums und machen Stimmung als würden sie mehrere 1000 Zuhörer im Bierzelt rocken. Die ehemalige Dorfband hat sich zu einer klassischen Wasenband entwickelt. Zu hören gibt es „Klassiker aus Rock, Pop, Schlager quer durch alle Altersgruppen“, beschreibt Gitarrist Oliver den Stil. Einmal in der ersten Stunde holen sie Kinder auf die Bühne und singen gemeinsam das „Fliegerlied“.

Das Fest ist getragen von vielen Ehrenamtlichen

„Es war gut was los“, resümiert Uwe Lehar als Verantwortlicher der Stadt am Sonntagvormittag. Das Fest ist fest in Hand der örtlichen Vereine und Gastronomen, getragen von einem personellen Kraftakt vieler Ehrenamtlicher – dieses Konzept habe sich erneut bewährt. Etliche Freiwillige leisten schweißtreibende Dienste an den Verpflegungsständen, an denen es vor allem in den Abendstunden hoch hergeht.

Nach verregnetem Vorjahr, wo sie nach Information von Gaby Lenz „locker Glühwein hätten verkaufen können“, liegen die Wirte heuer mit Kühlem richtig. Am Stand des Liederkranzes geht die Neuheit „Dreibles-Holler-Schorle“ über die Theke. An der Beach(Volleyball)-Bar der Volleyballabteilung des TSF raschelt das Eis nur so in den Cocktailgläsern: Es kühlt den Gin Tonic mit Gin aus dem Welzheimer Wald und den „Bahama Mama“, der in einem „geheimnisvollen“ Plastikfass bereitsteht. „Das ist unser Spezialrezept, mit Rum und Fruchtsäften“, sagen die Jugendlichen, die in Panama-Hüten und Hawaii-Blumenketten bedienen und mit Deko-Schwimmtieren ein wenig Strandfeeling auf den Marktplatz bringen. Viele kämen auch wegen dem selten zu bekommenden Guinness vom Fass, ist zu erfahren.

Jeder Stand fährt seine Spezialitäten auf. Beim türkischen Schulverein ist das selbst gemachte türkische Essen gefragt. „Die Leute kommen teilweise mit Tupperschüsseln und nehmen sich was mit“, sagt Gülten Akil. Seit elf Jahren sind sie eine feste Größe. „Wir sind alle zusammen, man trifft alle Welzheimer einmal im Jahr hier“, erklärt sie, was das Besondere am Straßenfest ist. Jedes Elternteil, rund 35 Personen bringen etwas fürs Buffet mit, der Tisch biegt sich beinahe unter der duftenden, fein gewürzten Armada an Schüsseln mit gefüllten Paprikas, Zucchinisalat mit Joghurt, getrockneten Paprika mit Reis, weißen Riesenbohnen, Köfte-Linsenröllchen, Gurkensalat mit Walnüssen und den „Pogaca“ genannten gefüllten Hefeteigtaschen.

Auch der glutenfreie Vegetarier Winfried aus der Schweiz, der im Wohnmobil auf der Durchreise ist und in Welzheim Station macht – auf Festen eher ein Problemkunde –findet hier sein „z’Nacht“ (Schweizerdeutscher Begriff für Vesper). „Die Vielfalt, dass mehrere Vereine integriert sind“, gefällt dem Zufallsgast aus der Nähe von Liechtenstein.

Auch auf die neuen sizilianischen Arancina hätte seine Wahl fallen können: Die gefüllten tennisballgroßen und gebackenen Reisbällchen gibt es wahlweise mit Mozzarella und Schinken oder vegetarisch mit Zucchini und Aubergine gefüllt. Der sizilianische Pizzabäcker und Konditor hat das Rezept aus seiner Heimat mitgebracht, ist am Stand zu erfahren.

Aus zwei Woks dampft es am Stand des türkischen Moscheevereins, der von seinem Stammplatz näher in Richtung Bühne gewandert ist. Die Neuheit aus der heiß geschwenkten Pfanne heißt Kavurma: Truthahnfleisch mit Zwiebeln und Paprika, mit Salat und Tomaten im Teller serviert. Über das Fest sagt Hüseyin Yasar: „Ich finde es schön, dass alles hier zusammenkommt, es soll so weitergehen.“

Immer wieder fegt ein Lüftchen über die Stände und fächelt den Schaffenden an heiß-öligen Pfannen und Grills Luft zu, vertreibt den Gästen an den Tischen die drückende Hitze. Bei dem schönen Wetter zieht es sie nach den letzten Musiktakten auch nicht gleich heim. „Es ist das einzige Fest in der Innenstadt, das bis spät in den Abend andauert“, so Uwe Lehar.

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