Welzheimer Wald Mehr Mobilität auf dem Land mit "Flinc"

Welzheimer Wald. Ministerlob für das Projekt „Flinc“, das im Schwäbischen Wald gestartet wurde, um die Mobilität der Menschen im ländlichen Raum zu verbessern. 14 Gemeinden in der Limesregion testen seit März 2012 die Mitfahrzentrale Flinc. Als Anschubfinanzierung wird das Projekt bis Ende des Jahres mit 30 000 Euro von den Gemeinden und aus EU-Mitteln (55 Prozent) gefördert.

Nach der Registrierung im Internet unter der Adresse www.flinc.org stellen die Nutzer ihre geplante Fahrt oder Mitfahrt auf die Plattform. Flinc schlägt automatisch und in Echtzeit die passenden Fahrer oder Mitfahrer vor. Das Ganze funktioniert auch unterwegs über das Smartphone. Der Dienst ist kostenlos, der Fahrer entscheidet selbst, ob er den von Flinc vorgeschlagenen Preis von den Mitfahrern verlangt oder sie umsonst mitnimmt.

„Im ländlichen Raum sind die Menschen weitaus mehr als in städtischen Regionen auf das Auto als Verkehrsmittel angewiesen. Wie die Mobilität im ländlichen Raum zukünftig gestaltet werden kann, ist eine zentrale Herausforderung, die gerade vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung von hoher Bedeutung ist“, sagte Verbraucherminister Alexander Bonde bei der Vorstellung des Projekts in Althütte. „Wir brauchen für ländliche Gebiete kreative Lösungen, die sowohl ökonomisch wie auch ökologisch den heutigen Anforderungen entsprechen.“

Mit der Mitfahrzentrale Flinc stehe ein zukunftsweisendes Modell zur Verfügung, das mit rund 400 regelmäßigen Nutzern in der Bevölkerung gut angenommen werde. Die grün-rote Landesregierung werde sich dafür einsetzen, dass innovative Konzepte wie Flinc den ländlichen Raum mit attraktiven Mobilitätsangeboten stärken.

Viele Menschen legen weite Fahrstrecken zurück

Reinhold Sczuka, Bürgermeister von Althütte und Leiter des vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung geförderten Projektes, weist auf die Bedeutung für Pendler hin: „Wir haben viele Menschen in der Region, die täglich weite Wege zum Arbeitsplatz zurücklegen. Dabei hat der Nachbar ein Dorf weiter fast die gleiche Strecke. Die Fahrgemeinschaften sparen bares Geld, besonders bei diesen hohen Spritpreisen.“

Laut Sczuka werden in der Region Schwäbischer Wald rund 5400 Fahrten angeboten. Bundesweit sind 90 000 Nutzer angemeldet. Die Zahlen sind für den Bürgermeister erfreulich. „Wir müssen wie ein Marathonläufer einen langen Atem haben“, so Sczuka gegenüber unserer Zeitung. Die Menschen seien neugierig und würden immer wieder nach dem Projekt fragen.

Das Unternehmen „Flinc“ hat im Gegensatz zu anderen Mitfahrzentralen die Nische der Kurzstrecken besetzt, die statistisch 80 Prozent aller Autofahrten ausmachen. Mit wenigen Klicks ist man am Ziel: Mitfahrer geben im Internet ein Mitfahrgesuch auf, „Flinc“ sucht potenzielle Fahrer. Ergeben sich ein oder mehrere Treffer, werden Suchende per SMS, E-Mail oder direkt über die App informiert. Nun kann er beim Fahrer anfragen und dieser entscheidet, ob er zu- oder absagt. Von „Flinc“ können Fahrer und Mitfahrer gleichermaßen profitieren, denn der eine wird unabhängiger vom ÖPNV, der andere kann Teile seiner Spritkosten einsparen.

Aktionsgruppen entscheiden über die Förderung

Die beteiligten Gemeinden erhielten bei der Umsetzung des Projekts Flinc finanzielle Unterstützung durch das EU-Strukturförderprogramm LEADER (die französische Abkürzung steht für die „Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft“). LEADER ist vom sogenannten Bottom-up-Ansatz geprägt. Die letztendliche Entscheidung darüber, ob ein Vorhaben gefördert wird, trifft die LEADER-Aktionsgruppe. Die Aktionsgruppen setzen sich aus lokalen Akteuren wie engagierten Bürgern, Kommunalpolitikern oder Vertretern der örtlichen Wirtschaft zusammen.

Die Gemeinden

Folgende Gemeinden sind derzeit am LEADER-Projekt Flinc beteiligt:

Rems-Murr-Kreis: Althütte, Großerlach, Kaisersbach, Welzheim, Spiegelberg, Sulzbach an der Murr.

Landkreis Schwäbisch Hall: Fichtenberg, Rosengarten, Mainhardt, Michelbach an der Bilz, Michelfeld, Oberrot, Obersontheim, Schwäbisch Hall-Biebersfeld.

Hohenlohekreis: Waldenburg.

Die Gemeinden machen mit Hilfe von Plakaten, Flyern und einem Hinweis auf der Gemeindewebseite auf den neuen Mobilitätsservice aufmerksam.

„Aktiv werden müssen die Bürger aber selbst“, betont Benjamin Kirschner, Mitgründer von Flinc. Er wuchs in Burgstetten (Rems-Murr-Kreis) auf, bevor er an der Hochschule Darmstadt zusammen mit zwei Kollegen auf die Idee zu Flinc kam. „Nur wenn Sie den Dienst auch nutzen und Ihre Fahrten oder Mitfahrgesuche eintragen, kann Flinc Ihnen die passenden Angebote machen.“

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