Welzheimer Wald Zweiter Bürgerbus steht bereit

Noch steht in farbigen Lettern „Willkommen“ drauf, später dann Bürgerbus: Fahrer und Vertreter der beteiligten Kommunen trafen sich in Rienharz zur Fahrerbesprechung und begutachteten schon mal das „neue“ Fahrzeug. Vorne von links: Bürgerbus-Initiator Klaus Hinderer aus Alfdorf, Ortswartin Gerda Rost aus Walkersbach, dahinter der Beigeordnete der Stadt Welzheim, Reinhold Kasian, die Kaisersbacher Bürgermeisterin Katja Müller, davor der Alfdorfer Bürgermeister Michael Segan und direkt am Fahrzeug: Sven Knödler, Kreisgeschäftsführer des Roten Kreuzes. Foto: Stütz/ZVW

Welzheimer Wald. Ein Fahrzeug reicht nicht mehr, ein zweites musste her: Der Bürgerbus, einst für Welzheim und Alfdorf eingeführt, ist nicht nur ein Erfolgsmodell, sondern mittlerweile ein Selbstläufer geworden. Schon bald sind Kaisersbach und der Plüderhäuser Teilort Walkersbach mit am Netz. Das meiste wird ehrenamtlich gestemmt und aus Spenden und Zuschüssen bezahlt. Die Kommunen leisten logistische Hilfe.

Immer mal wieder treffen sich alle Beteiligten zur Fahrerbesprechung. In dieser Woche ging es nach Rienharz. An dem Tag wurde sinnigerweise gerade die Straße asphaltiert. Die weiträumige Umleitungsstrecke irritiert den Ortsfremden: Man kommt zwar um den Ort Rienharz herum, aber es fehlen die Hinweise, wo es in den Ort denn bitteschön hineingeht. Deshalb begann die Besprechung im Gasthaus Rössle in „Reez“, wie die Einheimischen sagen, mit kräftiger Verspätung, während draußen schon der neue Fahrgastbus parkte.

Neu ist natürlich nicht ganz richtig, das Fahrzeug ist als Bürgerbus neu. Es hat zuvor in Kaisersbach gute Dienste bei der Flüchtlingsbetreuung geleistet, doch die willkommenen Asylbewerber sind inzwischen selber mobil. Das von der ortsansässigen Firma Fahrion gespendete Fahrzeug wurde also nicht mehr benötigt. Das löste große Freude bei Bürgermeisterin Katja Müller und den Gemeinderäten aus, denn der Wunsch der Bürger nach dem Erfolg in Welzheim und Alfdorf auch in ihrer Gemeinde einen Bürgerbus anzubieten, war immer drängender vorgetragen worden. Und ein Fahrzeug allein konnte den Bedarf aller drei Kommunen nicht abdecken.

Spende der Alfdorfer Landfrauen für den ersten Bürgerbus

Mentor und Initiator der Geschichte ist der Alfdorfer Klaus Hinderer, der bereits die erfolgreichen Bürgerbus-Projekte im benachbarten Ostalbkreis kannte. Das erste Fahrzeug wurde von den Alfdorfer Landfrauen gespendet, die dafür ihre Einnahmen von der Landesgartenschau in Schwäbisch Gmünd zur Verfügung stellten. Gesucht und gefunden wurde für das Angebot als Träger der Kreisverband des Roten Kreuzes (DRK), deshalb war auch Kreisgeschäftsführer Sven Knödler nach Rienharz gekommen.

Das Bürgerbusprojekt im Welzheimer Wald ist nun mittlerweile auch schon mehr als zwei Jahre alt. Klaus Hinderer räumt ein, dass es zu Beginn Anlaufschwierigkeiten gegeben hat und mancher zuerst eine Hemmschwelle überwinden musste. „An einigen Tagen sind wir mit zwölf Fahrten komplett ausgebucht.“

Zur Besprechung kamen außer Bürgermeister Michael Segan und der Bürgermeisterin Katja Müller auch der Beigeordnete der Stadt Welzheim, Reinhold Kasian, und die Ortswartin Gerda Rost aus Walkersbach. Vor allem ältere Bürger aus ihrem Ort hätten noch viele Verbindungen nach Welzheim, weil sie dort früher zur Arbeit gegangen sind. Weil Walkersbach vom öffentlichen Nahverkehr abgehängt ist, sind die Bürger auf Fahrten mit dem Auto angewiesen. Bereits am 1. November sollen probeweise die Fahrten von Walkersbach und Kaisersbach starten. Am 1. Januar 2019 beginnt der Normalbetrieb. Für Walkersbach ist auch noch in die andere Richtung eine Lösung in Sicht. Auch die Gemeinde Plüderhausen will im nächsten Jahr einen Bürgerbus einführen, der auch die Gemeinde Walkersbach in Richtung Remstal bedient.

Auch die Gemeinde Kaisersbach hat viele abgelegene Teilorte

Nicht nur Walkersbach, sondern auch Kaisersbach hat viele Teilorte, die nicht an den öffentlichen Busverkehr angeschlossen sind, erklärte Bürgermeisterin Katja Müller. Diese Lücke könne nun bald geschlossen werden. Denn nicht jeder habe die Möglichkeit, mit einem Privatauto zum Einkaufen oder zum Arzt zu fahren. Mit dem Bürgerbus können aber auch Verwandte oder Veranstaltungen besucht werden. Dabei steht der Bürgerbus nicht in Konkurrenz zum öffentlichen Busverkehr, er ist eine Ergänzung und schließt vorhandene Lücken im System.

Wer darf fahren?

Personen, die den öffentlichen Nahverkehr nicht oder nur mit erheblichem Aufwand nutzen können.

Bürger, die über kein eigenes Fahrzeug verfügen oder dieses wegen eines momentanen Handicaps (Verletzung) nicht fahren können.

Zweck der Fahrten: Arzttermine (nicht wenn über die Krankenkasse abgerechnet werden kann); Teilnahme an kulturellen Veranstaltungen; Freunde oder Verwandte besuchen; wichtige Einkäufe erledigen,

Für die Fahrten stehen mittlerweile 31 ehrenamtliche Fahrer aus Welzheim, Kaisersbach, Alfdorf und Walkersbach zur Verfügung. Die Fahrer werden so eingeteilt, dass sie nur zweimal im Monat an der Reihe sind.

Wer mitfahren will, ruft bei seinem jeweiligen Rathaus an. Dort wird dann die Fahrt, wenn der Bus frei ist, eingebucht. Fahrten müssen am Vortag bis 11.30 Uhr angemeldet werden.

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