Gute Vorsätze - Weniger konsumieren Teil 2: Der Krempel der Anderen

Knapp drei Wochen sind nun schon vergangen und bislang bin ich noch dran an meinem Ziel, weniger zu konsumieren. Genauer: Im Monat weniger als 100 Euro für Konsumgüter aller Art auszugeben und Neu-Anschaffungen generell zu vermeiden. Im ersten Teil ging es um die richtige Definition seiner Ziele. Diesmal: um die erste Prüfung der Willenskraft.


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Noch lässt es sich in der Konsumverweigerung prima von Weihnachten zehren. Dank einer mysteriösen Absprache aller Schenkenden ist mein Bedarf an teuren Bodylotions, Hyaluron-Füllern und Gesichtscremes bis zum nächsten Weihnachtsfest prima gedeckt.

Fasching wird zur ersten Prüfung

Kurz jedoch komme ich in Versuchung. Als mein Sohn jüngst seine Kostüm-Wahl für die diesjährige Faschingssaison verkündet und er als Velociraptor den Kindergarten unsicher machen möchte. Schon zücke ich das Smartphone, starte die Google-Suche und werde fündig: Der Velociraptor aus der Familie der Dromaesauridae lebte in der späten Kreidezeit, war ungefähr 50 Zentimeter hoch, zwei Meter lang und unmissverständlich ein fleischfressender Dinosaurier.

Passenderweise wird mir auch gleich ein Dino-Kostüm nach dem anderen präsentiert, mit oder ohne Stacheln, mit oder ohne Schwanz, mit Maske, als Overall oder Cape, aber alle so offensichtlich aus leicht brennbaren Polyester gefertigt, dass man sich mit diesen Textilien nicht mal in die Nähe eines Glühwürmchen begeben sollte. Schon habe ich die Vision, wie das Kostüm nach seinem einmaligen Einsatz fortan für den Rest seines Lebens leicht muffelnd im Schrank hängt, weil Sohnemann im nächsten Jahr lieber Polizist, Fußballstar oder Gangsterrapper sein will. Und dann? Wegwerfen? Verkaufen?

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Flohmärkte helfen im Kampf gegen den Konsum

Dann lieber gleich nach einem gebrauchten Kostüm schauen, ist schließlich nachhaltiger. Also ziehen wir los, an einem Samstag, zum großen Hallen-Flohmarkt im Waiblinger Bürgerzentrum. Es ist erstaunlich wenig los und zwischen den Ständen offenbaren sich sogar Lücken; witterungsbedingt haben offenbar einige Verkäufer im letzten Moment abgesagt, aus klugem Respekt vor der tückischen Kombination aus vollgestopften Autos und vereisten Straßen.

Das Angebot an Faschingskostümen ist eher mager. Ein paar Lilli Fee-Tüllkleidchen, ein Discounter-Feuerwehrmann-Anzug. Kein Dinosaurier. Selbst als Plastik-Spielfiguren sind die Tierchen weit und breit nicht zu entdecken. Meine Begleitung, der fünfjährige angehende Paläontologe, ist merklich enttäuscht, ich wandere indes nochmal versonnen durch die Reihen. Nicht um doch noch das überragende, aus nachhaltiger Bio-Baumwolle handgenähte Schnäppchen-Dino-Kostüm der Träume zu entdecken. Okay, auch. 

Aber der Anblick der Grabbeltische ist die größte Hilfe im Kampf gegen den Konsum. Nichts erinnert einen so sehr an die Sinnlosigkeit vieler Anschaffungen wie der Krempel der Anderen. Irgendwann hatte jeder dieser Menschen hier mal gedacht, er bräuchte diese Dinge unbedingt. Dass der Eierschneider eine tolle Idee sei. Dass der Gürtel mit den Plastiktrinkflaschen sicherlich beim Marathon-Training helfen wird. Oder dass das Balance-Board und die Mini-Hanteln nur der erste Schritt zur Traumfiguren sein würden.

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Jetzt liegen die einstigen Objekte der Begierde traurig auf den Tapeziertischen und warten auf eine neue Bestimmung. Was hier nicht weg kommt, landet auf Ebay. Oder auf dem Müll.

DIY als Rettung

Letztlich fahren wir nach Hause, der Junior-Paläontologe glücklich über seinen Last-Minute-Fund, einen Stegosaurier aus einer Kruschtelkiste. Und ich entschlossen, das zu tun, was man als Mutter nun mal manchmal tun muss. Ich mache das Kostüm eben selbst. Ein paar Stacheln am Kapuzenpulli, ein Dinoschwanz zum Umschnallen und die kindliche Fantasie des Kunden sollten für diesmal noch reichen. 

Mein Tipp also für alle, die sich kurz vor dem Konsumrausch befinden: Einfach mal auf den nächsten Flohmarkt gehen. Wenn ihr etwas Schönes findet, nehmt es mit und bewahrt es so vor dem Müllberg. Ansonsten schaut euch einfach den Krempel der Anderen an und freut euch, dass ihr das nie gekauft habt!

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Diesmal werde ich wirklich dran bleiben - ganz sicher!