Werbemelder*in App gegen sexistische Werbung

Symbolbild. Foto: Pixabay/CC0 Pubilc Domain

Sexistische Werbung ist immer noch ein alltägliches Phänomen. Doch muss das wirklich so bleiben? Mit der App "Werbemelder*in" hat der Verein Pinkstinks frauenfeindlichem und stereotypem Marketing den Kampf angesagt. 

Frauen, die sich auf Plakatwänden räkeln, Männer, die auf Litfaßsäulen die Muskeln spielen lassen - diese Motive gehören seit Jahrzehnten bundesweit zum Stadtbild. Genderforscherin Stevie Meriel Schmiedel und ihr Verein machen dieses Phänomen mit der App "Werbemelder*in" nun sichtbar. Damit geben sie gleichzeitig Nutzerinnen und Nutzern die Möglichkeit, etwas dagegen zu tun. 

So funktioniert's:

Wer meint, sexistische Werbung entdeckt zu haben, lädt ein Foto davon mit der App hoch. Die Macher prüfen die Einsendungen und sortieren sie in drei Kategorien ein:

  • Sexistische Werbung

Hier landen Inhalte, die Frauen als "reinen Blickfang ohne Produktbezug" oder gar als käufilch darstellen.

  • Stereotype Werbung

Hier landen Inhalte, die Rollenklischees produzieren. Die Frau, die Hausarbeiten erledigt, während der Mann auf der Baustelle schwitzt zum Beispiel. 

  • Nicht-sexistische Werbung

Einiges von dem, was per App gemeldet wird, stellt sich bei genauerem Betrachten als harmlos heraus. Denn: Schlechter Geschmack ist nicht gleich Sexismus.

Wenn die eingesandte Werbung in eine der Kategorien eingeteilt wurde, wird sie mithilfe von Google Maps in eine Deutschlandkarte eingetragen. So können die Nutzer nachverfolgen, wo welche Art von Werbung zu finden ist. Durch diverse Filter lässt sich diese dann gezielt nach Merkmalen durchsuchen - wie zum Beispiel Motiven, Unternehmen und Medium. 

Die Initiative

Pinkstinks sitzt in Hamburg-Eimsbüttel und finanziert sich aus Spenden- und Fördergeldern. Der Verein verdankt seinen Namen nach eigenen Aussagen dem Ausrufs „Pink stinks!“ einer Mutter, "als nach dem Kindergeburtstag ihrer Zwillingstöchter der gesamte Gabentisch von Produkten überquoll, die allesamt pink waren." Seit 2012 engagieren sich Schmiedel und ihr mittlerweile fünfköpfiges Team deshalb gegen Medieninhalte, die Kindern Geschlechterrollen vorschreiben. 

Mit "Werbemelder*in" übernimmt Pinkstinks nun das Monitoring sexistischer Werbung. Anlass dafür war das Wahlprogramm der SPD von 2017, in dem diese Aufgabe für die kommende Legislaturperiode festgehalten wurde. Der Verein wird deshalb bis 2019 vom Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Die App zeigt Wirkung

In den ersten vier Monaten wurden bereits über 1000 Werbungen mit "Werbemelder*in" eingereicht. Dabei fällt auf: Im ländlichen Raum werden deutlich mehr sexistische Motive entdeckt, und bestimmte Branchen, vor allem Mittelständler aus dem handwerklichen Bereich, ziehen sie besonders gerne zu Marketingzwecken heran. 

Natürlich gibt es auch Menschen, die sich mit Hassbotschaften an die Macher wenden und die Idee hinter "Werbemelder.in" verteufeln. Doch spätestens die #MeToo-Bewegung hat gezeigt: Die breite gesellschaftliche Debatte zum Thema Sexismus lässt sich längst nicht mehr aufhalten.

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