Wie arbeitet ein Fußballtrainer? So wird der Kader fitgemacht

Vorbereitungstraining bedeutet vor allem: Laufen. Ob mit Ball in Spielformen oder ohne. Trainer Giuseppe Iorfida schaut sich seine Spieler nicht genau an. Die Zwischenergebnisse werden auch gemessen. Foto: privat

Die Fußball-Punktspielsaison beginnt im Bezirk Rems-Murr am 24./25. August. Wie bereitet der Trainer seine Spieler auf diesen Termin vor? Darum geht es im zweiten Teil unserer Serie. Worauf muss er achten? Wie schafft es der Trainer, die ganze Mannschaft punktgenau topfit zu bekommen? Gar nicht, sagt Giuseppe Iorfida.

„Du kriegst eine Mannschaft in der Vorbereitung nicht komplett fit“, sagt der Trainer des Bezirksligisten SV Unterweissach, den wir in dieser Serie über die gesamte Saison hinweg begleiten. Manche Spieler sind noch im Urlaub, andere plagen Verletzungen, ein gemeinsamer, guter Fitnessstand ist zum Saisonauftakt kaum möglich. „Aber das geht zum Glück allen so“, sagt Iorfida. Außerdem: Wer hinterherhinkt, holt das schnell wieder auf. „Spätestens Mitte/Ende September sind fast alle auf einem guten Niveau.“



Schon das Ausgangsniveau ist unterschiedlich. Mancher hat in der freien Zeit an sich gearbeitet, der andere zwei Kilogramm zugelegt. „Aber das macht nichts“, sagt Iorfida. Der Körper brauche die Regeneration und er als Trainer werde schon dafür sorgen, dass die zwei Kilo wieder verlorengehen.

Laufen im Wald oder bei Spielformen auf dem Platz?

Die meisten Trainer setzen sechs Wochen als Vorbereitungszeit an. Wer eine neue Mannschaft übernimmt, tue allerdings gut daran, ein, zwei Wochen früher zu beginnen.

Im ersten Drittel der Vorbereitungszeit steht die Arbeit an den physischen Komponenten im Vordergrund. Sprich: Die Spieler müssen laufen. Ob sie das im Wald machen oder per fußballspezifischer Ausdauer auf dem Platz, da hat jeder Trainer seine Vorlieben. Iorfida: „Ich mische das.“ Laufen im Wald sei zwar nicht so beliebt, aber hier könne sich keiner drücken. Vor allem nicht, wenn das Ergebnis (Puls, Streckenlänge, Zeit pro Kilometer) überprüft und notiert wird. „Meine Jungs nehmen das sehr gut an. Wer läuft mehr, wer weniger?“

Es sei auch kein Problem, wenn einer am Anfang hinterherläuft, sagt Iorfida. „Dann läuft er im Juli eben in Gruppe drei und arbeitet sich später hoch in Gruppe eins. Das imponiert mir dann auch. Und die Spielfitness bekommt er dann noch über Spielzeit.“

Getestet werden die Fortschritte beim SVU beispielsweise im Schiedsrichtertest, also jenem Leistungstest, den die Schiedsrichter absolvieren müssen. „Wir haben erst mal den leichteren genommen“, sagt Iorfida. Gegen später folge der für die Oberligaschiedsrichter.

Beim SVU läuft das Vorbereitungsprogramm diesmal anders als sonst. Iorfida baut auf ein Programm, das er aus seiner Zeit beim Oberligisten SF Dorfmerkingen kennt. „Ich fange zwei Wochen vorher an (den Jungs ist eh langweilig) und hab dafür eine Regenerationswoche. Erst richtig Gas geben – inklusive einer Woche mit vier Spielen – und dann eine Woche Pause, damit der Körper noch mal komplett runterkommt.“ Die Basis stimme dann, nach einer Pause könne er im Programm problemlos weitermachen. „Du gehst dann in die spezifische Vorbereitung (Spielformen, Schnelligkeit) und schließlich in die Phase, in der es darum geht, in die Startelf zu kommen.“

Standard sind vier Trainingseinheiten pro Woche, dazu ein Spiel. Manchmal werden daraus auch sechs Einheiten. Das aber sei in der Bezirksliga schon grenzwertig „und das mache ich dieses Mal gar nicht“.

„Wenn du siehst, sie sind platt, trainierst du trotzdem weiter, machst taktische oder spielerische Dinge - weniger intensive.“ Techniktraining oder Standards zum Beispiel. Leichte Aktionen, damit sich der Körper wieder regeneriert, „dass er wieder Kraft kriegt“. Hat sich der Körper erholt, wird die Intensität wieder erhöht.

Taktiktraining fließt immer mit ein

In der weniger intensiven Phase fließt auch Taktiktraining ein, wobei taktische Elemente beim Training auf dem Platz immer eine Rolle spielen. Beim SVU arbeitet Iorfida sogar mit Videoanalyse. Das Mittel dürfe er allerdings nicht überstrapazieren, es ist aber sehr effektiv: „Wenn ein Spieler den Fehler im Video sieht, wird’s ziemlich schwer für ihn, sich rauszureden.“

In den Vorbereitungsspielen bekommt zunächst jeder seine Einsatzzeiten, je näher der Saisonbeginn rückt, desto mehr schälen sich die Kandidaten für die Startelf heraus. Iorfida: „Es ist schon oft passiert, dass jemand in der ersten Hälfte immer erst in der zweiten Halbzeit eingewechselt worden ist, sich aber in der zweiten Hälfte der Vorbereitung den Startelfplatz ergattert.“

Der Leistungsstand wird trotzdem bis zum Ende der Vorbereitung unterschiedlich bleiben. In den ersten Wochen der Saison aber gleiche sich das an, sagt Iorfida.

Aber wann weiß der Trainer, dass seine Spieler gerüstet sind, fit genug für den Saisonstart? „Ich merke es, wenn sie in den Vorbereitungsspielen und im Training die Intensität hochhalten können“, sagt Giuseppe Iorfida. „Und wenn sie im Abschluss die Bälle nicht links und rechts wegballern.“

Dann wird’s Zeit fürs erste Punktspiel und es stellt sich die spannende Frage: Wie fit hat der Gegner seine Mannschaft bekommen?


Giuseppe Iorfida

Giuseppe Iorfida (38) trainiert den SV Unterweissach seit 2016. Zuvor betreute er den TSV Schornbach (Aufstieg in die Bezirksliga), den TV Echterdingen als spielender Co-Trainer in der Landesliga und zwei Jahre den VfR Birkmannsweiler.

Iorfida besitzt seit 2018 die Trainer-A-Lizenz und wohnt in Berglen.

Als Spieler war er unter anderem in der Oberliga bei den SF Dorfmerkingen und der 1. FC Normannia Gmünd aktiv.

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