Wildschwein-Schäden in Schorndorf Jäger ärgern sich über zerstörte Felder

Werner Groß (links) und Thomas Schall (rechts) inmitten des zerstören Maisfeldes in Weiler. „Die Fassade lassen die Tiere stehen, sie wüten im Inneren des Feldes“, erklärt Schall. Ein solcher Schaden im Feld kostet die beiden schnell 100 bis 200 Euro. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Schorndorf-Weiler. Fast jede Nacht legen sich Werner Groß und Thomas Schall derzeit auf die Lauer, sie gehen auf Wildschweinjagd. Deren Population hat sich im Laufe des Jahres massiv erhöht und damit der Schaden an Wiesen und Feldern. Die Tiere lieben den Mais, zum Ärger von Landwirten und Jägern.

„In diesem Jahr haben wir besonders hohe Schäden“, sagt Thomas Schall. Der Jäger ist genervt von den Wildschweinen, denn er muss für die kaputten Felder in seinem gepachteten Gebiet aufkommen. In diesem Jahr rechnen er und sein Jäger-Kollege Werner Groß mit mehreren Hundert Euro Kosten. „Das geht an den privaten Geldbeutel“, erklärt Groß, der auch die Funktion des Hegeringleiters in Schorndorf innehat.

Die Wildschweinpopulation habe sich massiv erhöht. Die Gründe dafür seien vielfältig. Zum einen seien die Winter heute wärmer, auch die schwachen Tiere überleben. Außerdem hätten sie im vergangenen Jahr viele Früchte im Wald gefunden. Schall spricht von einer „starken Mast“. Das viele Futter sorge unter anderem dafür, dass sich die Tiere auch außerhalb der Paarungszeit vermehren.

Mehr Maisfelder bedeuten mehr Futter für die Wildschweine

In den vergangenen zehn Jahren habe sich außerdem die Anzahl der Maisfelder verdoppelt, erklärt Schall. Nicht mehr nur als Tierfutter werde der Mais heute angebaut, sondern auch für die Biogasanlagen, um daraus Energie zu gewinnen. „Das Maisfeld ist für die Sau ein Schlaraffenland“, sagt er. Auf manche Sorten hätten es die Tiere besonders abgesehen. Was für einige Menschen der Energy-Drink, sei für die Wildschweine der Mais.

Groß erklärt, die Tiere seien Kulturfolger, sie hätten sich ihrer Umgebung angepasst. Ihre Lebensbedingungen hätten sich insgesamt verbessert. Einen natürlichen Feind haben sie nicht.

Wie schlimm der Schaden der Wildschweine jeweils ist, schaut sich Groß mit einer Drohne, die Luftbilder macht, an. Damit habe er gegenüber den Bauern eine Verhandlungsgrundlage in der Diskussion um die Beträge für den kaputten Mais.

Derzeit gehen die beiden Männer mit ihren Söhnen fast jede Nacht auf die Jagd. Tagsüber schlafen die Tiere, sie sind nachtaktiv. Oftmals sind die Jäger bis um ein oder zwei Uhr unterwegs. Am nächsten Morgen müssen sie allesamt wieder zur Arbeit, der Tätigkeit als Jäger gehen sie in ihrer Freizeit nach.

Schall vergleicht die Jagd der Tiere mit einem Katz-und Maus-Spiel. Die schlauen Schweine mit dem ausgeprägten Geruchssinn zu jagen, sei schwer. In einer Woche schießen die Männer im Schnitt nur eins.

Schall und Groß gehen mit einer ausgefeilten Strategie jagen

Um eine Chance zu haben, sie zu erwischen, gehen die beiden strategisch vor: Je nachdem, woher der Wind weht, kommen sie von einer anderen Seite. Denn die Tiere riechen den Menschen schon von weitem.

Für ein ausgewachsenes erlegtes Tier bekommen die Jäger vom Metzger oder Gastronomen etwa 200 Euro. Groß und Schall werben für das Wildfleisch: „Das ist ökologisch gesehen das beste Fleisch“, sagt Schall. Schließlich würden die Tiere nicht industriell gehalten und fressen das, was sie im Wald finden. Seit einiger Zeit wirbt auch der Jagdverband für Wildfleisch (siehe Wild aus der Region).

Bei der Jagd dürfen Groß und Schall nicht einfach auf jedes Wildschwein schießen, es gibt genaue Regeln. Ein Muttertier zu töten, sei sogar verboten. „Die Jungen würden elendig verrecken“, sagt Groß. Es gelte die Regel „Klein vor Groß“.

Keine Sperrzeiten für den Wald

Die beiden sind sich ihrer großen Verantwortung, die sie mit den Waffen haben, bewusst. Heute seien oftmals auch Hundehalter oder Jogger noch spät am Abend unterwegs, das mache die Arbeit schwerer. Früher habe es mal Sperrzeiten für den Wald gegeben, heute seien dort auch nachts viele Menschen unterwegs.

Groß und Schall warnen vor den Tieren, sie können aggressiv werden, etwa wenn sie ihre Jungen schützen wollen. Doch wer auf den üblichen Wegen bleibe, habe im Normalfall nichts zu befürchten, erklären die beiden Jäger.


Wild aus der Region

Auf ihrer Internetseite hat die Kreisjägervereinigung eine Liste an Restaurants und Metzgereien veröffentlicht, wo Fleisch aus der Region angeboten wird. Sie ist unter jaeger-waiblingen.de/genuss-wild/wild-aus-der-region/ einsehbar.

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