Wilhelma in Stuttgart Nachwuchs bei den Faultieren

In den ersten Lebenswochen klammert sich das kleine Faultier an den Bauch seiner Mutter Marlies, die es mit sich herumträgt. Foto: Wilhelma Stuttgart

Stuttgart. In der Wilhelma in Stuttgart gibt es Nachwuchs bei den Faultieren. Bereits am Donnerstag (27.12.) hat das Faultierweibchen Marlies ein kleines Zweifinger-Faultier im Südamerikahaus des Zoologisch-Botanischen Gartens zur Welt gebracht. Dicht an den Bauch seiner Mutter gedrückt ist der jüngste Nachwuchs des Zoos nun zu sehen.

Die Tierpfleger bemerkten das neugeborene Fellknäuel bei ihrer morgendlichen Kontrolle. „Von der Geburt bekommt man meistens nichts mit“, erklärt Joschka Schulz, der in der Wilhelma unter anderem die Faultiere betreut. „Statt im Bauch zu sein, sitzt das Kleine dann eben auf einmal obendrauf. Als wir es entdeckt haben, war es vermutlich gerade erst geboren, denn das Fell war noch gar nicht trocken.“ Unterstützung benötigt die erfahrene Mutter Marlies in der Regel ohnehin nicht, denn für sie ist es bereits das dreizehnte Jungtier.

„Wir schauen natürlich immer erstmal, ob der Nachwuchs fit aussieht“, sagt Schulz. „In den ersten Tagen beobachten wir außerdem, ob er auch nach den Zitzen sucht und trinkt.“ Den Weg zur Milchbar bahnte sich der junge Sprössling durch das dichte Fell seiner Mutter. Direkt nach der Geburt krabbelte er auf ihren Bauch, wo er nun gut behütet seine ersten Lebenswochen verbringt. Dabei muss sich das kleine Faultier gut festhalten: Wenn Marlies sich von einer Astgabel baumeln lässt, um mit Bedacht nach Salatblättern und Kartoffelscheiben zu angeln, steht auch für das Jungtier die Welt Kopf.

Faultiere ruhen und schlafen bis zu 15 Stunden täglich

Erst mit etwa zwei Monaten wird es selbstständig zu klettern beginnen. Dabei lautet das Motto ganz nach elterlichem Vorbild: Eile mit Weile. Denn Faultiere sind aufgrund ihrer kalorienarmen Pflanzenkost und niedrigen Stoffwechselrate wahre Energiesparer. Daher hangeln sich die Regenwaldbewohner meist nur sehr langsam durch das Geäst. Bis zu 15 Stunden am Tag verbringen sie mit Ruhen und Schlafen. Der gemächliche Lebenswandel dient außerdem der Tarnung. In ihrer Heimat, dem nördlichen Amazonasgebiet, bleiben die Faultiere so vor den Blicken von Beutegreifern gut geschützt.

Jungtier wird verjagt, wenn sich Nachwuchs ankündigt

Im Gegensatz zu dem langjährigen Zuchtpaar in der Wilhelma, sind Faultiere in der Wildbahn eher Einzelgänger. Marlies und Faultiermännchen Mike verstehen sich allerdings so gut, dass sie sich sogar einen gemeinsamen Schlafplatz teilen. Mit der Aufzucht der Jungtiere möchte Mike dennoch nichts zu tun haben. „Wenn sich das Jungtier mal zum Papa verirrt, bewegt er sich besonders schnell und faucht sogar, um es zu vertreiben“, erklärt Joschka Schulz. Spätestens wenn sich neuer Nachwuchs ankündigt, verjagt auch die Mutter ihr dann schon erwachsenes Jungtier. 

Edeka, die 2014 geborene Tochter des Faultierpärchens, musste daher vom Südamerikahaus ins Amazonienhaus der Wilhelma übersiedeln, wo sie mit ihrem Partner Flash lebt. Edekas jüngerer Bruder Mateo kam im September 2017 zur Welt und klammerte sich noch an Mutter Marlies, als sie bereits wieder hochträchtig war. „Sie hat ihn dann so bedrängt, dass er sich zurückziehen musste und nur noch an einem Ast hängen durfte“, erzählt Schulz. Mateo lebt daher derzeit hinter den Kulissen und zieht demnächst im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms nach Irland. Der jüngste Nachwuchs hat seine Mutter nun also ganz für sich – und kann entspannt ausgedehnte Schläfchen auf ihrem Bauch halten.

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