Winnenden 17-Jährige baut Frosch-Roboter

Der Frosch ist das Markenzeichen: Jener im Vordergrund kommt aus dem schuleigenen 3-D-Drucker und ist der Glücksbringer, das Gebilde auf dem Bildschirm ist der Roboter Kermit und im Hintergrund trägt Leontine ihren Frog-Team-Pullover in – ganz klar – Grün. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Winnenden.
Leontine liebt drei Dinge mit „K“: Ihre Klarinette – die dient zur Entspannung, wenn auch das Üben selbst für Leontine manchmal lästig ist; Karate – das ist der Sport, den sie seit zwei Jahren macht und bei dem sie sich schon bis zum orange-farbenen Gürtel vorgekämpft hat; und Kermit. Kermit ist ein Roboter und der Hauptdarsteller im derzeitigen Frog-Team. „Frog“ ist englisch, heißt Frosch und setzt sich, zumindest bei Leontine, zusammen aus den Anfangsbuchstaben der Wörter „Frog“, „Robots“, „of“ und „Germany“. Also: Frosch-Roboter aus Deutschland.

Knifflig: 3-D-Drucker für Herausforderungen

Kermit besteht aus den unterschiedlichsten Teilen: Leontine und ihre vier Schulkameradinnen im Frosch-Team haben Legosteine verbaut, außerdem Tetrix- und Matrix-Teile. Die sind in etwa vergleichbar mit „Fischertechnik“, aber so unbekannt, dass eine Google-Suche zu keiner Auskunft und eine Kaufanfrage auf Amazon zu gerade mal zwei gebogenen Löcherplatten führt. Und dann gibt’s noch die Eigenkreationen für besonders knifflige Herausforderungen aus dem schuleigenen 3-D-Drucker. Die sind natürlich – na? – grün!

Nicht ihr Ding: Leontine findet Unterricht langweilig

Der 3-D-Drucker steht im Königin-Katharina-Stift, einem Stuttgarter Gymnasium, in das Leontine zur 9. Klasse gewechselt hat. Die Farbe Grün hat hier Tradition, der Frosch ist das Schulmaskottchen. Denn das Gymnasium, in das ursprünglich nur Mädchen gingen, hatte früher eine grüne Schuluniform. Inzwischen gibt’s grüne Team-Pullover. Leontine trägt ihn zum zweiten Mal. Sie ist längst in der 11. Klasse und kann sich überhaupt nicht mehr daran erinnern, wie sie zu dieser Schule gefunden hat.

Sie weiß nur noch, dass es ihr in ihrer alten ein bisschen langweilig war. Aber keine Sorge wegen des Gedächtnisverlusts, üblicherweise hat Leontine ein hervorragendes Erinnerungsvermögen, lernt leicht und „vor allem gerne“ und ihre schlechteste Note ist eine Zwei. Die hat sie in Bio. Aber es scheint irgendwie, als sei ihr das alles nicht so wichtig. Normalunterricht ist nicht ihr Ding. Leontine will Projekte. Damit ein Kerl wie Kermit leben lernt, hat sich Leontine erst mal das Programmieren beigebracht.

Wie sie das geschafft hat? Sie hat sich, sagt sie, „halt ein Buch über Java gekauft und das durchgelesen“. So einfach ist das. Kermit kann übrigens ziemlich viel, aber leider nicht hüpfen. Die diesjährigen Wettbewerbsherausforderungen – Kermit trat schon mehrfach an und es kommen noch mehr Turniere – sind: Stapele einen Turm aus überdimensionierten Lego-Bausteinen so hoch wie möglich und komme gleichzeitig unter einer ziemlich niedrigen Brücke hindurch. Das muss Kermit zum einen autonom, zum anderen mit Hilfe der Fernbedienung, an der die Frog-Team-Leute noddeln, hinbekommen.

Schubladenteile: Hier kommt einfach alles zusammen

Kermit schafft einen Turm, der ungefähr 1,20 Meter hoch ist. Und das bei einer Körpergröße von gerade mal rund 40 Zentimetern. Das heißt: Die Unterfahrung der Brücke ist Pipifax für Kermit. Vor allem, weil der die dabei mitzunehmenden Bausteine einfach in seinen Bauch schluckt. Damit selbige dann in die Höhe kommen, hat Kermit einen sehr, sehr langen Arm. Der besteht aus Schubladen-Führungen und lässt sich ausfahren. Kermit ist übrigens sehr stabil und hat schon einen Treppensturz überlebt. Wie die Schubladenführungen mit Lego, Tetrix, Matrix und Eigenbau zusammenpassen? „Wir nehmen halt hin und wieder einen Bohrer und machen ein Schraubloch.“

Auf nach Detroit? Freunde aus fast der ganzen Welt

Womöglich der traurigste Moment in diesem Jahr wird für Leontine jener sein, an dem die Schrauben aus Kermit wieder rausgedreht werden. Denn der Robo-Frosch wird, wenn alles vorbei ist, wieder in seine Einzelteile zerlegt. Auf dass das Frosch-Team im kommenden Schuljahr aufs Neue loslegen kann. Zuvor aber stapelt Kermit noch des Öfteren seine Bausteine auf. Er hat sich nämlich längst für die Netherlands Championships qualifiziert. Nach Kaiserslautern geht’s im Februar, die Spain-Open sind im März.

Und wenn’s super läuft für Leontine und ihre Mitfrösche, dann fahren sie im April oder Mai zum Weltfinale in Detroit. Als Allerallererstes aber kommen am Samstag, 11. Januar, alle Teams aus Deutschland, außerdem Teams aus der Schweiz und den Niederlanden nach Stuttgart ins Königin-Katharina-Stift, um ein Freundschafts-Match zu spielen. Amerikanische Teams sind auch dabei: Das sind Kinder der in Deutschland stationierten US-Soldaten. Dank Kermit findet Leontine also Freunde aus beinah aller Welt.


Info

Wer mal Kermit, andere Roboter und natürlich Leontine und ihre Frosch-Team-Kolleginnen in Aktion sehen möchte, kann am Samstag, 11. Januar, von 9 bis 16 Uhr ins Königin-Katharina-Stift, Schillerstraße 5 in Stuttgart kommen.

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