Winnenden Anwohner protestieren gegen Kita-Standort

Anwohner vor dem Bauplatz für das künftige Kinderhaus Koppelesbach: Soll diese lebendige Feuchtwiese zugebaut werden? Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Winnenden-Schelmenholz. Die Stadt muss mit länger protestierenden Anwohnern rechnen, wenn sie am Südrand des Schelmenholzes ein Kinderhaus baut. Geplant ist das Haus auf der Südseite der Hausreihe Burgeräcker. Deren Bewohner bilden die Opposition am Koppelesbach. Gemeinderäte haben vom Protest Kenntnis genommen, halten aber am Plan fest.

„Was uns Sorge macht, ist die Größe des Baugebiets“, sagt Annette Menschel von der Anwohnergruppe, „auch der Naturverbrauch wundert uns.“ Die meisten aus der Gruppe wohnen seit 40 Jahren hier, haben einen freien Blick zum Haselstein in der Ferne und zum Koppelesbach in der Nähe. „1978 bin ich hierher gezogen. Damals war das Sumpfgebiet“, erzählt einer. „Wenn die Bäume auf der Hochzeitswiese blühen oder die Äpfel reif sind, dann sieht das wunderschön aus“, erzählt Erwin Gruber. „Wenn Sie hier im Umkreis die Agrarflächen anschauen: Da lebt nichts. Das ist intensive Landwirtschaft. Nur hier diese Wiese ist voller Leben. Die blüht immer. Die wird nur ein bis zwei Mal im Jahr gemäht. Wie schaffen wir es, dass diese natürliche Wiese erhalten bleibt?“, sagt einer der Anwohner.

Kommen die Kinder dieses Kinderhauses überhaupt aus der Nähe?

In der Gruppe ist auch der 32-jährige Familienvater Simon Schäfer, der erst vor kurzem für seine älteste Tochter einen Kindergartenplatz suchte. „Mulmig war mir schon, weil ich Berichte gelesen hatte, wie knapp die Plätze im Schelmenholz sind. Es war auch nicht einfach, aber wir haben einen Platz für unsere dreijährige Tochter gekriegt im katholischen Maximilian-Kolbe-Kindergarten“, erzählt er. Schäfer wünscht allen Eltern, dass sie für ihre Kinder den passenden Kindergarten in nächster Nähe finden, dass Kinder mit Freunden aus der Nachbarschaft zum Kindergarten gehen, und dass beide Eltern arbeiten gehen können. Dieses Nachbarschaftliche, diese Nähe, die betont er. Aber was ist mit dem geplanten Kindergarten am Koppelesbach? Das wird aller Voraussicht nach ein Kinderhaus für die ganze Stadt inklusive aller Teilorte. Autogerecht wird es werden, ähnlich wie das Kinderhaus Seewasen. Und für so ein Kinderhaus, das den Bedarf eines großen Umfelds decken soll, halten Schäfer und seine Nachbarn die Fläche am Koppelesbach nicht geeignet.

Wie entwickelt sich der Bedarf, wenn die Konjunktur einbricht?

Einige der Nachbarn zweifeln am Bedarf. „Wer sagt, wohin die Entwicklung geht, wenn hier in der Region plötzlich Kurzarbeit aufkommt oder die Arbeitslosigkeit wieder zunimmt?“, fragt einer von ihnen, „dann werden die Kitas nicht mehr so gebraucht.“ Manchmal klingen sie so, als könnten sie sich gar nicht freuen über die steigenden Kinderzahlen in Winnenden. „Ach was“, sagen sie auf diesen Einwurf, „natürlich freuen wir uns über Kinder.“ Acht Enkelkinder hat ein älteres Paar. Kinder mögen sie schon.

Aber die Autos, die Kinder herbringen und wieder abholen, mögen sie weniger. Die Straße nach Hanweiler sei ohnehin schon stark belastet, die Südumgehung, der Henry-Dujol-Kreisel und die Abfahrt zur Albertviller Straße sind morgens zur Bringzeit der Kinder oft verstopft. Soll dort der Hol- und Bringverkehr zum Kindergarten noch hinzukommen? Den Anwohnern missfällt diese Aussicht.

Anwohner rechnen mit überhöhten Kosten für den Bau des Kinderhauses

Obendrein zweifeln sie Vieles an, was die Stadt dort plant: Überhöhte Kosten befürchten sie, weil das Bauen in einer Sumpfwiese teuer sei, weil ein doppelt großer Kindergarten rentabler zu führen wäre – wenn er nicht gerade an dieser Stelle gebaut würde, sondern anderswo. Die Anwohner sind sich einig: Nichts gegen Kinderhäuser – aber dieser Standort am Koppelesbach sei nicht geeignet. Sie wollen weiter dagegen vorgehen.


Die Anwohnergruppe

Zehn Anwohner haben sich am Mittwoch zusammengefunden, um mit dem Redakteur über ihre Ablehnung des Kinderhaus-Standortes zu reden. Dabei sind: Annette und Oliver Menschel, Matthias Heins, Sieglinde Karajan, Winfried Reimann, Erwin Gruber, Simon Schäfer, Eric Friedl, Irmgard Mayer und Gerhard Bosch. Weitere Personen gehören zur Anwohnergruppe, konnten aber an diesem Abend nicht dabei sein.

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