Winnenden Anwohner stört sich an Anhängern

Das Boot ist kürzlich von der Straße auf die Wiese umgestellt worden und dümpelt vielleicht bald an einem Ferienort im Wasser. Das Wohnmobil ist zugelassen (das Kennzeichen wurde von unserer Redaktion verpixelt) und steht somit ohne zeitliche Beschränkung legal am Rand der Ruländerstraße. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Winnenden. Diese Geschichte könnte man jeden Monat schreiben, sie spielt in so gut wie jedem Wohngebiet: Wohnwagen und Wohnmobile, Anhänger mit und ohne Werbeplane stehen wochen- bis monatelang am Straßenrand. Rudi Förschler aus Hanweiler hat den Oberbürgermeister auf Missstände an der Ruländerstraße hingewiesen und ihn ermuntert, Geld für die Nutzung des öffentlichen Raums zu verlangen.

„Das ganze Jahr über, mit kurzen Unterbrechungen in der Urlaubszeit, werden auf Höhe des Bolzplatzes und des gegenüberliegenden Kindergartens in Hanweiler ein Wohnmobil, ein Wohnwagen, zwei Segelboote und ein Anhänger mit Plane von einer Security-Firma geparkt“, bemängelt der Verwaltungswirt im Ruhestand. Sein Brief an den OB blieb nicht wirkungslos, wie Rudi Förschler, der auch unserer Zeitung den Brief hat zukommen lassen, auf Nachfrage erzählt: „Der Anhänger mit Plane einer Security-Firma war innerhalb von einer Woche nach Absenden meines Briefs weg.“ Wie unser Foto zeigt, sind inzwischen auch der Wohnwagen und eins der Segelboote verschwunden. Das zweite Segelboot ist auf seinem Anhänger auf die Wiese geschoben worden. „Seit mindestens zwei Jahren wurde der Platz in Anspruch genommen. Das bedeutet eine besonders dreiste Privatisierung von öffentlichem Straßenraum“, kritisiert Förschler.

Zugelassenes Wohnmobil darf dauerhaft an der Straße stehen

Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth und Ordnungsamtsleiterin Beatrice Hertel haben zwar reagiert, teilen die Kritik des Hanweilermers aber nicht. „Die öffentlichen Straßen und Parkplätze sind Fahrzeugen gewidmet. Dazu gehört neben dem Fahren auch das Parken“, sagt Hertel. Natürlich gibt es Ausnahmen: Ein Anhänger oder ein Wohnwagen ohne Zugfahrzeug vorne dran dürfen nicht länger als zwei Wochen im öffentlichen Raum abgestellt werden. Da ein zugelassenes Wohnmobil jederzeit fahrbereit ist, darf es an Straßenrändern stehen. „Solange es niemanden behindert“, ergänzt Beatrice Hertel mit Hinweis auf die Straßenverkehrsordnung.

Eine derartige Behinderung liegt in Hanweiler an der Ruländerstraße aber nicht vor. Dort können Kinder ungehindert auf den Bolzplatz gelangen, erst recht, seit die anderen Anhänger verschwunden sind. Förschler fand, dass diese auch den Zugang zum Kindergarten „unübersichtlich und damit gefährlich“ gemacht hatten. Beatrice Hertel hat für solche Situationen, da Nachbarn einen unrechtmäßig abgestellten Anhänger bemerken, einen einfachen Rat: „Ein jeder darf einen Verstoß anzeigen. Er muss nur damit leben, dass sein Name dann unterm Punkt ,Zeuge’ aufgeführt wird.“

Förschlers Vorschlag, Miete einzuführen, hält Oberbürgermeister Holzwarth für nicht erforderlich. „Da müsste der Vollzugsdienst in jeder Straße Einnahmen generieren, sie womöglich 24 Stunden überwachen. Das wäre ein viel zu hoher Aufwand.“

Günstiger parken

Anwohnerparken gibt es in Winnenden nur rund ums Kreiskrankenhaus. Es ist mit 30 Euro für fünf Jahre sehr günstig.

„Das Auto wird durch kostenlose öffentliche Parkflächen subventioniert.“ Rudi Förschler hatte in seinem Brief angeregt, die Verkehrswende auch durch die Erhebung von Anwohner-Parkgebühren herbeizuführen. Der Verzicht auf Fahrzeuge und Ferienmobile/Anhänger wäre die Folge. Seine Preis-Beispiele stammen unter anderem aus Wien (170 Euro im Jahr) und Amsterdam (350 bis 1200 Euro).

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