Winnenden Ausstellung: Die Trikots der Weltmeister

Viermal wurde Deutschland Weltmeister. Von allen Turnieren ist ein Trikot im Museum ausgestellt. Foto: Büttner / ZVW

Winnenden. Pünktlich zum Beginn der Fußball-WM präsentiert das kleine Spielertrikot-Museum an der Kirchstraße seine neue Ausstellung. Macher Davide Matozzo zeigt die deutschen Originaltrikots der vier Weltmeisterschaften, in denen Deutschland den Titel gewonnen hat: 1954, 1974, 1990 und 2014. Doch damit nicht genug. Schuhe, Bälle, sogar ein Stück Stadionrasen und viele weitere WM-Trikots zieren den Gewölbekeller.

Es ist schon krass, wie sich das Design der Sportlerleibchen im Lauf der Jahrzehnte verändert hat – vom einfachen weißen Baumwoll-T-Shirt mit geschnürtem Kragen (Schweiz 1954) über das Kunstgarn-Trikot mit der schwarz-rot-goldenen Fieberkurve und den weißen Rauten (Italien 1990) bis hin zum High-Tech-Hemd in feinster Faser, in dem Toni Kroos 2014 spielte und das Viertelfinale gegen Frankreich gewann. Im Museum sieht man die vier in einer Reihe, in Grasgrün sticht ein Langarmhemd von 1974 heraus. „Uli Hoeneß hatte es am zweiten Spieltag gegen Australien an“, sagt Davide Matozzo (38). Offenbar hatten die Gäste auch weiße Trikots, so dass Deutschland als Gastgeber die ungewöhnliche Ersatzfarbe wählte.

Original-Schuhe und die kleinen Pokale der Spieler

Die Trikots und ihre Beigaben sind übrigens so wertvoll, dass Davide Matozzo sie mit einer großen Glasscheibe schützen – und sie außerdem nachts nicht allein dort unten lassen wird. Das hat er vertraglich mit den Sammlern vereinbart, die ihm ihre besten Stücke für die Ausstellung leihen. Zwei, das von Thomas Häßler im Finalspiel 1990 getragene und das von Toni Kroos gehören Matozzo selbst. Auf dem Sockel zu jedem Hemd hat er einen Stollenschuh aus dem gleichen Jahr geliehen sowie den Pokal im Miniaturformat, den jeder Spieler der Nationalmannschaft zur Erinnerung an den Sieg bekommen hat.

1954 bestand dieser Pokal aus einer Frauenfigur mit wallendem Gewand und prallen Brüsten, sie erinnert in ihrer Machart an die 20er Jahre. Von Davide Matozzo erfährt man eine Geschichte dazu: „Der große Pokal war bis 1966 ein Wanderpokal. Brasilien wurde damals zum dritten Mal Weltmeister und durfte ihn deshalb behalten. Doch er ist dann verschwunden, bis heute weiß keiner, wo er ist.“

Im größeren Teil des Gewölbekellers sind 16 Trikots aus Weltmeisterschaften zu sehen, die Matozzo von namentlich nicht genannten Sammlern, überwiegend aber von Guido Buchwald geliehen bekommen hat. „Von Guido sind die sechs, die er 1990 nach den Spielen getauscht hat.“ Argentinien, Vereinigte Arabische Emirate, Jugoslawien, England, Kolumbien und die Tschechoslowakei waren damals die Gegner. Nur ein holländisches Hemd fehlt – da war der Innenverteidiger so enttäuscht von Rijkaards Spuck-Attacke auf Völler, dass er die Freundschaftsgeste sein ließ.

Auch an die „Schmach von Cordoba“ erinnert ein Exponat

Hansi Müller hat mit dem orangefarbenen Trikot von 1978 die Niederlande in die Ausstellung eingebracht, ebenso wie das Österreichtrikot des Spielers Prohaska, mit dem sich der Deutsche im gleichen Jahr nach der „Schmach von Cordoba“ trösten durfte. Leibchen von 1986 und 2006 sowie Original-Fußbälle und ein in Kunstharz gegossenes Rasenstück runden die Ausstellung ab.


Das Museum und der Benefizgedanke

Davide Matozzo ist bei Schmalz und Schön Projektleiter des VfB-Online-Shops, kennt Sammler und (ehemalige) Profifußballer. Vor fünf Jahren begann er, Trikots aus wichtigen Spielen und vom VfB zu sammeln und sie für wohltätige Zwecke zu versteigern. Bisher wurden sozial schwache Familien mit einem erkrankten oder behinderten Kind unterstützt.

Seit Eröffnung des Museums am 18. März durch den Verein Spielertrikots für ein Kinderlachen haben 280 Besucher die erste Ausstellung gesehen. Die neuen Öffnungszeiten des Museums sind: freitags von 16.15 bis 20 Uhr und am ersten Sonntag im Monat von 10 bis 14 Uhr. Samstags ist aufgrund geringer Besucherzahlen nicht mehr geöffnet. Das Eintrittsgeld wird gespendet.

Kontakt für gesonderte Termine oder Buchung der Eventlocation mit 40 Sitzplätzen: 0176-61 15 88 22 oder 07195-4 15 43 24. Die Miete fließen ebenfalls in die Wohltätigkeitsprojekte. Die neue Ausstellung ist ab Freitag, 15. Juni, bis Sonntag, 2. September, an der Kirchstraße 7 zu sehen.

Trikots der aktuellen Gegner der Deutschen „bestellt“

Davide Matozzo ist mit zwei Fußballern in Kontakt und hofft, dass seine spektakuläre Idee klappt: „Ich möchte nach jeder Begegnung der deutschen Nationalmannschaft bei der aktuellen WM das Trikot des Gegners hier ausstellen.“ Geplant ist, diese so schnell wie möglich von Russland nach Winnenden zu bringen. Matozzo glaubt ans deutsche Team: „Wir wollen alle sieben Trikots bis zum Finale haben und sie anschließend versteigern“, sagt er lachend.

Ein anderer Coup ist ihm bereits gelungen: In der ZDF-Sendung „Bares für Rares“ stellte ein junger Mann eine WM-Medaille vor, die 1990 überreicht wurde – wem, weiß man nicht. Die Experten der Sendung schätzten den Wert auf 25 000 Euro, deren Händler boten aber nur 12 000 Euro. Der Besitzer will die Medaille nun im Internet auf www.unitedcharity.de versteigern. „Ich habe sofort Verbindung aufgenommen und von meinem Charity-Projekt erzählt“, sagt Matozzo und vereinbarte mit ihm: Alles, was bei der Versteigerung über 25 000 Euro liegt, bekommt der Winnender Verein.

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