Winnenden Bäcker Maurer schließt Filiale am Rotweg

Die Geldautomaten von Volksbank und Sparkasse bleiben noch, aber die Bäckerei schließt am 24. Dezember für immer. Foto: Palmizi/ZVW

Winnenden. Bäcker Maurer schließt seine kleine Filiale am Rotweg. Das trifft jene, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad Brot und Brötchen kaufen gehen. Einer von ihnen las den Aushang in der Bäckereifiliale, und informierte die Redaktion, dass am 24. Dezember der letzte Verkaufstag ist.

„Jetzt muss ich mit dem Auto fahren, um Brötchen zu holen “, sagt er. Wenn er frisches Brot zum Frühstück kaufen und dafür nicht Fahrradfahren will, dann ist es so. Denn nach Weihnachten ist von dort aus die nächste Bäckerei entweder Back-Pflumm an der Ecke Schmidgall-/Kornbeckstraße oder die Maurerfiliale im Netto in Leutenbach. Dort ist von Schließung nicht die Rede. Dort läuft der Laden.

Die Filiale am Rotweg aber sei zu klein, sagt Tobias Maurer. Eigentlich hängt er persönlich sehr an diesem Platz, an dem Wohnviertel, in dem er selbst aufgewachsen ist und in dem Familie Maurer schon in seiner Kindheit ein Geschäft hatte, über dem seine Familie wohnte. Es war ein Lebensmittelgeschäft mit Bäckerei, von dem aus Tobias Maurer als Kind in den Kindergarten und später zur Kastenschule ging.

Lebenmittelgeschäfte verschwanden – die Bäckereifiliale blieb

Er hat mit diesem Geschäft erlebt, dass Bäcker und Händler sich anpassen müssen an das sich ändernde Kundenverhalten. Das Lebensmittelgeschäft, das sein Vater damals betrieben hatte, wurde nicht mehr gebraucht, weil die Leute mit dem Auto ihre Lebensmittel in Supermärkten kauften. Aber die Bäckereifiliale lief noch lange gut, weil die Leute für Frischware gerne zu Fuß einkaufen gingen, wenn sie in der Nähe waren. So wurde aus dem Lebensmittelgeschäft eine Bäckereifiliale. Familie Maurer zog um. Die Filiale blieb im Viertel, wechselte aber das Haus. Als der Hungerberg Neubaugebiet geworden war, hoffte der Bäcker auf neuen Schwung in der Filiale – aber der kam nicht im erwarteten Ausmaß.

Unser Hungerbergbewohner sieht morgens, wenn er Brot kaufen geht, viele Nachbarn mit dem Auto vorbeifahren: Kinder zur Schule bringen, zur Arbeit fahren, zum Einkaufen fahren. Tobias Maurer, der Bäcker, spricht vom veränderten Kundenverhalten. Bäckereikunden kaufen dort, wo sie sonst noch viel bekommen und Parkplätze finden: im Stadtzentrum oder eben im Supermarkt, wo die nächste Bäckereifiliale drin ist.

Einst versorgten zwei Metzger das Wohnviertel mit Wurst und Fleisch

Es ist eine langfristige Entwicklung, die Maurer von Kindheit an beobachtet hat: „Allein in der Christallerstraße gab es drei Lebensmittelgeschäfte.“ An zwei Metzger erinnert er sich, wo Kinder immer ein Rädle Lyonerwurst bekamen. Zwei Bankfilialen mit Menschen hinterm Schalter waren dort, ein Farbengeschäft, das Autohaus Striebel und ein Friseur. Vielleicht ist ein Friseur das einzige Geschäft, das noch bleibt in diesem an sich großen, dicht bewohnten Wohnviertel. Tobias Maurer hat ein Schreiben an seine Rotweg-Kunden verfasst: „Halten Sie bitte, wie ich, dem Friseur Daniele die Treue, dem einzig verbliebenen Laden in der ganzen Siedlung.“

Die Schließung, sagt Maurer, tut ihm in der Seele weh. Er hängt an diesem Laden, hielt ihn sehr lange, weil er Teil der Familiengeschichte ist. Maurer versteht die Kunden, die ihre Backwaren dort einkaufen, wo es für sie praktisch ist. Andererseits findet er es schade, „das gerade die älteren Menschen, die nicht mehr so mobil sind, nun einen weiteren Weg auf sich nehmen müssen, um ihre Brezel, ihr Croissant oder ihr persönliches Lieblingsgebäck zu bekommen“. Den Knacki, Maurers speziellen Wecken, gibt es nicht mehr frisch am Rotweg. – aber sonst noch an vielen Stellen in der Stadt.


Bankfiliale schließt

Auch die Bankfiliale am Rotweg schließt. Sie bestand zum Schluss nur noch aus einem Geldautomaten ohne Personal, der im Raum neben der Bäckereifiliale aufgestellt ist.

In dieser Filiale konnten Kunden der Volksbank und der Sparkasse ihr Geld abheben. Dies wird am 26. Dezember zum letzten Mal möglich sein, wie die Kreditinstitute via Aushang ihre Kunden informieren.

Die Sparkasse war in dieser Filiale zur Untermiete bei der Volksbank, und die Volksbank schließt.

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