Winnenden Björn Steiger Stiftung bildet 290 000 Schüler zu Lebensrettern aus

Symbolbild. Foto: pixabay

Winnenden.
Rund 288.000 Schüler hat die Björn Steiger Stiftung im Rahmen des Projekts „Retten macht Schule“ binnen zehn Jahren zu Lebensrettern ausgebildet. Die ausgebildeten Schüler können im Falle eines Herzstillstands eine Herzdruckmassage durchführen und einen Laien-Defibrillator (AED = Automatisierter Externer Defibrillator)  bedienen

„Uns ging und geht es stets darum, gerade auch jungen Menschen zu zeigen, dass im Notfall jeder helfen kann“. sagte Melanie Schraml, Projektleiterin von „Retten macht Schule“. Ein wichtiges Projekt. Denn nur jeder Zweite hält sich Umfragen zufolge für fähig, im Notfall Erste Hilfe zu leisten.

Das Pilotprojekt „Retten macht Schule“ startete am 12. November 2009 an 81 Berliner Schulen. Seitdem hat die Björn Steiger Stiftung bundesweit mit 663 Schulen zusammengearbeitet. Perspektivisch sei die flächendeckende Umsetzung im ganzen Bundesland geplant. Im ersten Schritt bringen Mitarbeiter der Stiftung den Lehrkräften an weiterführenden Schulen Wiederbelebungstechniken wie die Herzdruckmassage und die Anwendung eines Laien-Defibrillators bei. Im zweiten Schritt können die Lehrer ihr Wissen dann an ihre Schüler weitergeben. Teilnehmende Schulen verpflichten sich im Rahmen des Projekts, das Thema Wiederbelebung für mehrere Jahre mit in den Lehrplan aufzunehmen. Dafür erhalten sie Übungspuppen, ein Handbuch sowie ein Übungs-AED-Gerät. Den Schulen wird außerdem ein einsatzbereites AED-Gerät zur Verfügung gestellt, das gut zugänglich im Schulgebäude für den Notfall bereitsteht.

Schüler sind die besseren Lebensretter

Laut einer Studie der Uniklinik Rostock sind Heranwachsende ab der siebten Klasse in der Lage, einen Erwachsenen im Falle eines Herzstillstands zu reanimieren. Außerdem haben Jugendliche in diesem Alter der Untersuchung weniger Hemmungen beim Thema Erste Hilfe als erwachsene Menschen. Sie machen sich weniger Gedanken darum, ob sie etwas falsch machen können. Stattdessen packen sie in einer Notlage an und starten dementsprechend schnell mit der Wiederbelebung. Betroffene und Ersthelfer gewinnen auf diese Weise wertvolle Zeit.

Rund 100 000 Menschen pro Jahr fallen in Deutschland dem Herztod zum Opfer. Nach Eintreten des Herzstillstands sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit pro Minute um zehn Prozent, wenn überhaupt keine Erste Hilfe erfolgt. Demgegenüber liegt die Überlebenschance aber bei realistischen 50 bis 70 Prozent, wenn Ersthelfer sofort nach dem Stillstand mit einer Herzdruckmassage beginnen und ein Laien-Defibrillator innerhalb der ersten drei Minuten zum Einsatz kommt. Solch ein AED-Gerät kann mithilfe von Stromimpulsen und in Kombination mit einer Herzdruckmassage ein aus dem Takt geratenes Herz wieder in den richtigen Rhythmus bringen.

Finanziert wird „Retten macht Schule“ durch Spenden. Häufig sind es Unternehmen, die sich vor Ort für eine gute und nachhaltige Sache engagieren. Immer wieder sind aber auch Privatpersonen dabei, die durch ihre finanzielle Hilfe einen Beitrag zur Lebensrettung leisten. „Wir freuen uns über jeden Unterstützer, der uns dabei hilft, für die Retter von morgen zu sorgen“, sagt Schraml. Mehr Informationen über das Projekt sowie über Unterstützungs- und Teilnahmemöglichkeiten sind auf der Website der Björn Steiger Stiftung zu finden.


Björn Steiger Stiftung

Auf dem Heimweg vom Schwimmbad wurde der achtjährige Björn Steiger von einem Auto erfasst. Es dauerte fast eine Stunde bis der Krankenwagen eintraf. Björn starb am 3. Mai 1969 nicht an seinen Verletzungen, er starb am Schock. Seine Eltern Ute und Siegfried Steiger gründeten daraufhin am 7. Juli 1969 die Björn Steiger Stiftung als gemeinnützige Organisation mit dem Ziel die deutsche Notfallhilfe zu verbessern. Meilensteine dieses Engagements sind die Einführung des bundesweit einheitlichen und kostenfreien Notrufs 110/112, der Aufbau der Notruftelefonnetze an deutschen Straßen, die Einführung des Sprechfunks im Krankenwagen und der Aufbau der Luftrettung. Aktuelle Initiativen widmen sich insbesondere dem Kampf gegen den Herztod, der Breitenausbildung in Wiederbelebung, der Sensibilisierung von Kindern und Jugendlichen für den Notfall, dem Frühgeborenentransport und der Alarmierung von Ersthelfern per App. 

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