Winnenden Bogenschützen dürfen nicht aufs FKK-Gelände

Hinter diesem Holzzaun befindet sich das FKK-Gelände. Tief versteckt im Wald von Birkmannsweiler. Foto: ZVW/Tobias Klecker

Winnenden. Früher war der Wald in Birkmannsweiler voll mit Freunden der FKK-Kultur. „Die Anlage ist so alt wie ich. In meiner Kindheit hat mer immer gsagt, dass da Nackte im Wald rumsauen. Mir wolltet als Kinder immer ins Gelände reinspickeln“, erinnert sich SPD-Rat Uwe Voral. Die Besucherzahlen auf dem Gelände nehmen aber ab, eine zusätzliche Nutzung durch Bogenschützen war angedacht. Doch der Technische Ausschuss hat etwas dagegen.

An durchschnittlich acht Wochenstunden sollten sich Bogenschützen auf dem Stückle im Wald von Birkmannsweiler, das dem „Bund für freie Lebensgestaltung Stuttgart“ gehört, aufhalten. Die Bogenschützen wären immer im Wechsel mit den FKK-Freunden im Wald gewesen. Eine gleichzeitige Nutzung hätte zu viele Gefahren geborgen und womöglich auch für die eine oder andere unangenehme Situation gesorgt. 28 Stationen sollten für die Bogenschützen entstehen: keine traditionellen Zielscheiben, sondern dreidimensionale Ziele aus Kunststoff. Vorrangig wohl Figuren, wie beispielsweise Wildschweine. „Nur Wildschweine oder auch Tiere wie Elefanten? Wollen die auch auf Großwildjagd gehen?“, fragte ALi-Rätin Rahel Dangel. „Ich verstehe nicht, warum die Schützen nicht einfach auf normale Zielscheiben schießen, und hoffe, dass da keine identitäre Bewegung dahintersteckt“, sagte sie. Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth versicherte ihr, dass solche Bedenken unbegründet seien. Man habe von Seiten der Stadtverwaltung mehrere Gespräche mit dem Pfeil- und Bogenbetreiber geführt.

Voral: „Was Gewerbliches hat für mich im Wald nichts verloren“

Auch Uwe Voral äußerte kritische Töne zu einer Nutzung des Geländes durch Bogenschützen: „Ich habe kein Problem damit, wenn sich dort die FKKler austoben. Was Gewerbliches hat für mich im Wald allerdings nichts zu suchen und ich habe keine große Lust, das zuzulassen.“ Hanspeter Luckert schloss sich der Kritik an: „Als es sich rumsprach, dass die Zahlen der FKKler rückläufig sind, habe ich mir gedacht, dass das vielleicht gar nicht so schlecht ist. Man könnte das Anwesen ja zurückbauen und das Gebiet renaturieren. Für mich ist ein Wald ein Ort der Ruhe. Stand jetzt ist der Bogensport nicht so beliebt, aber wer weiß, wie das in ein paar Jahren aussieht. Vielleicht wird es mal ein Trendsport.“

Holzwarth entgegnete, dass es sich bei den Bogenschützen eher um einen ruhigen Verein handele. „Da kommen keine Busse an. Den Bogen hört man kaum, vielleicht hin und wieder mal ein Gespräch. Die Nacktkultur flüstert vermutlich auch nicht nur.“ Diethard Fohr von der FDP sah das Anliegen positiv. „Ich durfte das Anwesen vor einigen Jahren mal begutachten. Eine sehr schöne Anlage mit einem Volleyballfeld. Der Bogensport ist eine ruhige Sache, ein Nischensport. Man sollte die Kirche im Dorf lassen. Da kommen keine Hunderte oder Tausende Besucher wie beim Fußball.“

Holzwarth findet alle Äußerungen sinnvoll

Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth konnte sowohl die Befürworter als auch die Gegner der Bogenanlage verstehen. „Egal wie sie jetzt abstimmen, ich finde all ihre Äußerungen und Begründungen sinnvoll“ sagte er. Eine enge Abstimmung zeichnete sich ab und so kam es dann auch: Bei gleicher Stimmanzahl der Befürworter und der Kritiker und einer Enthaltung wurde die Nutzung für die Bogenschützen vom Technischen Ausschuss abgelehnt.


Der Verein

Der Bund für freie Lebensgestaltung (BffL) hat noch weitere Flächen. Eine befindet sich im Stuttgarter Stadtteil Degerloch und die andere auf dem Simonsberg in Pfedelbach.

„Freikörperkultur/Naturismus ist eine Lebensart in Harmonie mit der Natur. Sie kommt zum Ausdruck in der gemeinsamen Nacktheit, verbunden mit Selbstachtung und der Respektierung von Andersdenkenden und der Umwelt“, heißt es auf der Homepage des Vereins.

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