Winnenden Bogenschützen dürfen nun doch aufs FKK-Gelände

Menschen suchen im Bogensport einen Ausgleich an der frischen Luft (Symbolbild). Foto: Adobe stock / Africa Studio

Winnenden. Bogenschützen dürfen nun doch das FKK-Gelände im Wald bei Birkmannsweiler im Wechsel mit dem Verein „Bund für freie Lebensgestaltung Stuttgart“ nutzen. Ruhig hörten 36 Personen, die mit dem Bogen schießen und sich auf die Anlage freuen, der Diskussion im Technischen Ausschuss zu. Mit sechs zu vier Stimmen unterstützt nun eine Mehrheit den Umzug des „Bogenlands“ hinter den Bretterzaun. Der im Übrigen nicht mehr so kritisch zu sehen ist wie in der Sitzung vor vier Wochen …

Was bisher geschah: In der Oktober-Sitzung lehnten die Gemeinderäte die Ansiedlung des „Bogenlands“ denkbar knapp ab – bei Stimmengleichheit. Höchst ungewöhnlich ist, dass ein solcher Antrag gleich einen Monat später wieder auf der Tagesordnung steht (siehe dazu Text unten, „Vier Räte halten die Beratung für falsch und unfair“).

Zum Bretterzaun hat die Baurechtsbehörde inzwischen einen Hinweis entdeckt, wann er entstanden ist, um die nackt an Luft und Sonne Badenden vor neugierigen Blicken zu schützen. „Teile sind zwischen 1955 und 1961 errichtet worden“, sagte Viktoria Schnaitmann. „Der Rest wird davor und danach gebaut worden sein und hat somit Bestandsschutz.“

Strenger Umgang mit Privaten, lockerer mit Gewerblichen?

Alles, was nachweislich vor dem Jahr 1965 im Außenbereich stand, aber da eigentlich nicht hingehört (Zaun, Geschirrhütte), ist laut Kleinbautenerlass geschützt. „Das ist schon eine neue Erkenntnis“, widersprach Stadtrat Uwe Voral OB Holzwarth, der gemeint hatte, es gebe keine und der Sachvortrag sei identisch mit dem vor vier Wochen. „Aber was ist mit dem geteerten Weg? Der ist doch sicher illegal gemacht worden. Wie sollen wir das den Stücklesbesitzern am Waiblinger Berg erklären, die ihre Waschbetonplatten entfernen müssen?“, hakte der SPD-Rat nach. Holzwarth erinnert sich, dass dieser ebenfalls „seit Jahrzehnten geteert sein muss, meine Familie hat drei Grundstücke weiter einen Wald. Bestimmt wurde es mal mit der Gemeinde abgestimmt.“ Dem FWV-Fraktionsvorsitzenden Hans Ilg war dieses Inschutznehmen zu schwammig. „Hier geht es jetzt um eine gewerbliche Nutzung. Aber wir gehen in anderen Gebieten streng gegen Private vor.“

Hat Stadt Handhabe gegen zu viele Feste und einen Bogenboom?

Stadtrat Erich Pfleiderer (FWV) sah sich im Sitzungssaal um, weil vom Bogenschießen immer als Nischensport die Rede sei, den nur wenige betreiben. „Wenn ich diese Menschen alle sehe, da finde ich, es wird nicht fair und ehrlich argumentiert. Da werden sicher immer wieder laute Feste gefeiert.“ Frank Rommel erkundigte sich nach der rechtlichen Handhabe, „falls das Bogenschießen zum Hype wird und ausartet“.

OB Holzwarth und die Vertreterin des Baurechtsamts suchten ihn zu beruhigen: In den Nebenbestimmungen zur Nutzungsänderung werde genau festgelegt, dass maximal ein Turnier im Jahr zulässig sei und dass sich im Regelbetrieb nicht mehr als 24 Personen auf einmal auf dem Gelände aufhalten. Bisher seien maximal acht Stunden pro Woche beantragt. „Wenn es Beanstandungen gibt, können wir die Nutzung weiter einschränken“, versicherte Viktoria Schnaitmann. „Im Übrigen gibt es da oben nicht einmal Strom.“

Die Betreiberfamilie stellt sich schriftlich vor

An dem Gelände stehen zehn Parkplätze zur Verfügung. Innerhalb des Bretterverschlags sollen 28 Stationen für die Bogenschützen entstehen. Aber keine traditionellen Zielscheiben wie im Sportbereich, sondern dreidimensionale Ziele aus Kunststoff. Vorrangig wohl Figuren, wie beispielsweise Wildschweine.

Nach der Ablehnung durch den Technischen Ausschuss haben sich die Betreiber der Anlage, Karin und Dirk Eichmann, in einem Schreiben vorgestellt. Die beiden suchten samt Sohn vor Jahren einen ausgleichenden Sport. Dirk Eichmann ist frühpensioniert und seit 2013 ausgebildeter Bogensportleiter des Deutschen Feldbogenverbands. Seit 2012 gibt er Kurse auf dem eigenen und durch Pacht erweiterten Gelände in Schorndorf-Schlichten. Die Genehmigung ist nach fünf Jahren nicht verlängert worden. Aus Sicherheitsgründen fehlt ein Zaun, passiert ist nach Angaben der Betreiber aber nie etwas. Ein neuer Zaun ist im Außenbereich jedoch nicht zulässig.

Der Bund für freie Lebensgestaltung Stuttgart hat noch drei weitere Gelände in der Region, auf dem die Mitglieder, Anhänger des „Naturismus“, nackt ihre Freizeit verbringen. Da die Nutzerzahl in Birkmannsweiler zurückgeht, hat der Verein einen neuen Partner gesucht, um das Gelände dennoch zu erhalten.


Vier Räte halten Beratung für falsch und unfair

Langjährige Gemeinderäte wie Frank Rommel, Uwe Voral, Hans Ilg und Erich Pfleiderer lehnten den Nutzungsantrag erneut ab. Sie wunderten sich auch sehr über die Auslegung der Gemeindeordnung durch den Vorsitzenden, Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth. „Das kann man mal das Regierungspräsidium prüfen lassen“, war Rommels letztes Wort dazu. Holzwarth sagte dies zu.

Der OB ist der Meinung, dass das gleiche Thema durchaus vor Ablauf von sechs Monaten erneut beraten werden kann, wenn eine Gemeinderatsfraktion dies wünscht und zudem eine Mehrheit des Gemeinderats diesen Wunsch unterstützt.

Dies war am Donnerstagabend gegeben: Die FDP-Fraktion stellte den Antrag auf erneute Beratung. Gegen die vier Stimmen der oben Genannten ebneten fünf, OB Holzwarth, die FDP-Räte Nicole Steiger und Diethard Fohr sowie die ALi-Räte Rahel Dangel und Martin Oßwald-Parlow den Weg für die erneute Beratung. Bettina Jenner-Wanek, die später für die Bogenschießanlage stimmte, war zu Beginn der Sitzung noch nicht anwesend.

„Ich habe mich vor vier Wochen enthalten. Weil es mir zu wenig Information war. Inzwischen habe ich mich mit der Vorsitzenden des Vereins und den Betreibern des Bogenlands getroffen und würde es nun begrüßen, die Abstimmung zu wiederholen.“ Rahel Dangel ist für die Alternative Liste (ALi) neu in den Gemeinderat gewählt worden.

„Wenn wir schon nicht sechs Monate warten müssen, dann hätte das Thema aber erst in der übernächsten Sitzung wiederkehren dürfen“, sagte Uwe Voral (SPD).

„Ich finde es kritisch, dass es heute nicht einmal die gleiche Zusammensetzung des Technischen Ausschusses ist wie vor vier Wochen. Zwei fehlen, die damals dagegen waren. Das ist unfair“, sagte Hans Ilg (FWV). Dies wies Nicole Steiger zurück. „Wir haben für jeden Rat im Ausschuss einen Vertreter und einen zweiten Stellvertreter bestimmt.“

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