Winnenden Bürgerservicestelle: Wie gut funktioniert die Online-Terminvergabe?

Anja Munsch auf dem Weg in die Bürgerservicestelle. Im Vordergrund das neue Wartemarkenterminal Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Winnenden.
Ach du Schreck – der Reisepass läuft Anfang nächsten Jahres ab, dabei ist die Kreuzfahrt in der Karibik schon gebucht! Ein Gang ins Rathaus ist unvermeidbar, und das in der stressigen Vorweihnachtszeit, in der beruflich und privat der Kalender aus allen Nähten platzt! Da hat man doch keinen Nerv, sich vor der Bürgerservicestelle in die lange Reihe der Wartenden zu setzen!?! Stopp: Das muss man auch nicht mehr. Das Rathaus vergibt für die Bürgerservicestelle Termine mittels einer digitalen Neuerung: Man kann seinen Termin rund um die Uhr online zu Hause buchen. Wir haben uns erklären lassen, wie’s geht – und in sieben Schritten getestet, ob’s auch klappt.

Die gewünschte Leistung auswählen

1. Der erste Schritt scheint leicht – man gibt www.winnenden.de ins Internet ein. Aber dann wird’s fisselig. Man darf sich nicht von den vielen kleinen Nachrichten und Bildern kirre machen lassen, sondern muss seinen Blick beharrlich nach rechts schweifen lassen, unter den Kalender und den Facebook-Knopf. Darunter steht schmal: Online-Terminvergabe Bürgerservicestelle. Wer auf die Schrift klickt, erlebt – nichts. Man muss auf das Symbol darunter klicken, es zeigt zwei Figuren, die wie Geister aus Monitoren herausflattern und sich die Hand reichen, öffnet die Pforte zum neuen Angebot. Hier besteht also schon mal durchaus Verbesserungsbedarf.

2. Zweiter Schritt, jetzt kann man die gewünschte Leistung auswählen. Bin ich neu in die Stadt gezogen, wähle ich „Einwohnermeldewesen“. Da ich einen Reisepass will, klicke ich auf „Pass- und Ausweiswesen“.

Es öffnet sich eine ganze Palette, zwischen Jagd- und Fischereischein, Personalausweis, Führerschein und Kinderpass finde ich das Gewünschte – klicke es an und erfahre sofort, was ich alles mit ins Rathaus bringen muss, wenn ich mit dem neuen Dokument wieder rausgehen will. Inklusive die Höhe der Gebühr. 60 Euro, hui. Wenn’s besonders schnell gehen soll, bei einer Kreuzfahrt will man sich da mal nicht lumpen lassen, nehmen wir sicherheitshalber die Expressvariante für 92 Euro. Schade, dass nicht angegeben ist, wie lange ich jeweils auf das Dokument warten muss. Auch wäre eine alphabetische Anordnung der Ausweise praktisch.

Je nach Rückmeldung kann die Terminvergabe ausgedehnt werden

3. „Weiter zur Terminvergabe“ heißt es auf einer grünen Fläche rechts unten, und ein Kalender öffnet sich. Na endlich. Blöderweise sind fast alle Tage durchgestrichen, bis auf die Montage und die Dienstage. Das kommt daher, dass die Bürgerservicestelle an Donnerstagen eh schon überlaufen ist mit bis zu 200 Kunden pro Tag. Mittwochs ist geschlossen und freitags nur ein paar Stunden offen. „Wir testen die neue Terminvergabe mit insgesamt 30 Terminen für Montag und Dienstag, um den Donnerstag zu entzerren. Je nach Rückmeldung der Bürger, können wir die Terminvergabe auch noch ausdehnen“, sagt Mischa Luithardt von der Bürgerservicestelle. Auch glaubt Franz Stagel (Zentrale Dienste), dass bis dahin noch gewisse Kinderkrankheiten des neuen Systems ausgemerzt werden müssen. Auch deshalb testen wir von der Zeitung gerne mal den neuen Service.

Wir wählen also aus: Montag, 9. Dezember, um 10 Uhr, der würde uns am besten passen. Name, Mailadresse und Geburtsdatum muss man eingeben und erklären, dass man die Datenschutzbestimmungen gelesen hat. Klar doch, Häkchen gesetzt. Dann kann man sich über E-Mail auch noch an den Termin erinnern lassen, wenn man möchte.

Das Terminal steht direkt vor der Bürgerservicestelle

4. Das Buchungssystem erweist sich als freundlich und nutzerorientiert. Es schreibt: „Vielen Dank für Ihre Buchung! Ihre Buchungsbestätigung wird Ihnen per E-Mail zugesendet. Bitte überprüfen Sie auch Ihren Spam-Ordner. Bitte denken Sie daran, sich zu Ihrem Termin am Terminal anzumelden (Anmeldung mit QR-Code oder Eingabe Geburtsdatum möglich).“

Okay. Am Terminal. Weil ich von der Zeitung bin, weiß ich schon: Es steht im Rathaus direkt vor der Bürgerservicestelle. Der Neukunde ist eventuell ratlos. Und ich habe außerdem erfahren, dass es nicht schlimm ist, wenn ich ohne Handy oder ohne ausgedruckte E-Mail ins Rathaus komme, weil ich den Zettel oder das Telefon vergessen habe. Mischa Luithardt versichert, dass man seinen Termin trotzdem wahrnehmen kann: „Sie geben auf dem Ticketterminal vor der Bürgerservicestelle ein, dass Sie einen Termin haben, und können die Wartemarke auch lediglich durch Eintippen Ihres Geburtstags herauslassen. Das sind Ziffern, die jeder auswendig kann.“

„Ich habe einen Termin“

5. Jetzt wird’s ernst. Am Montag komme ich um 9.50 Uhr ins Rathaus. Im Büro hat mich eine E-Mail um 9 Uhr an den Termin erinnert.

Die Bürgerservicestelle ist gleich rechts neben dem Haupteingang hinter Milchglas. Und da steht auch das neue Ticketterminal, das den Wartemarkendrucker abgelöst hat. Ich tippe auf dem Bildschirm das Feld „Ich habe einen Termin“ an und halte den QR-Code, also die quadratische Fläche mit dem Schwarz-Weiß-Muster aus der E-Mail, vor den Scanner.

Jetzt druckt mir der neue Apparillo meine Wartemarke aus.

Mit Anmeldung bevorzugt behandelt

6. Ich komme nicht gleich dran, sobald ich mich im Rathaus eingeloggt habe – darüber hatte mich Finanzdezernent Jürgen Haas schon informiert. Schließlich kann ich mich ja auch 15 Minuten vor und zehn nach meinem Termin einloggen. Aber ich werde bevorzugt behandelt, so das Versprechen. „Sobald der nächste Platz frei wird, wird Ihre Nummer bevorzugt aufgerufen.“ Das T vor der Nummer signalisiert den anderen Kunden, die auf gut Glück ins Rathaus gekommen sind, dass ich angemeldet war und deshalb Vorrang habe. Auf den anderen Scheinen steht ein L wie Laufkunde vor der Nummer.

Ich nehme also Platz und warte. Bin gespannt. Mein Kollege musste, trotz Online-Anmeldung, 45 Minuten im Ludwigsburger Rathaus warten. So ist die Neuerung sicher nicht gedacht.

Gratulation ans Rathaus

7. Und siehe da, halleluja, in Winnenden klappt’s. Nach nur fünf Minuten Wartezeit, um 9.55 Uhr, blinkt meine Nummer auf dem neuen großen Bildschirm über der Eingangstür zur Servicestelle auf. Mit einem Summen wird sie entriegelt.

Meiner Kreuzfahrt steht nun also nichts mehr im Wege. Gratulation ans Rathaus: Das neue System hat, auch wenn man an der einen oder anderen Stelle noch etwas besser machen kann, seine Feuertaufe bestanden.

  • Bewertung
    3
Der ZVW Morgen-Newsletter

Gut informiert in den Tag starten. Einfach kostenlos anmelden.

Heute in Ihrer Tageszeitung

Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!