Winnenden Corona-Krise: Imbiss setzt Hoffnung auf Abholservice

Ylber Pnishi verkauft jetzt Essen zum Mitnehmen in seinem Balkangrill. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Winnenden.
Modegeschäfte, Spielwarenhändler, Friseure und viele mehr haben keinen Entscheidungsspielraum: Schließen müssen sie. Anders geht es nicht. Nur bei Wirtschaften gibt es noch einen kleinen Ausweg. Sie dürfen ihre Gäste nicht hinsitzen lassen, aber sie dürfen Essen zum Mitnehmen verkaufen. Ist das eine Chance im Existenzkampf der kleinen Gastronomiebetriebe? Man könnte es meinen, wenn man alleine dran denkt, wie gut die vielen Innenstadt-Imbisse gelaufen sind in den Wochen vor der großen Kontaktsperre wegen des Coronavirus, wie groß die Schülerschwärme waren, die zu Bravissimo und zum Asia-Imbiss zogen in den Mittagspausen, wie stark der Andrang war im Arzum-Imbiss, bei Ali am Kronenplatz, in den Cafés, Restaurants und bei Bäckern in der Fußgängerzone oder beim Balkan-Grill in der Unteren Marktstraße. Ist davon jetzt gar nichts übrig?

Selbst einige Imbiss-Geschäfte haben ganz geschlossen

Einige Imbiss-Geschäfte haben ganz geschlossen, obwohl sie noch offen halten dürften, wenn sie nur außer Haus verkaufen würden: Das Asia-Restaurant Panda ist geschlossen, Bravissimo, Arzum auch, die meisten Restaurants sowieso, und die Bäcker haben ihre Mittagstische abgesperrt.

Andere halten durch, zum Beispiel Ali am Kronenplatz oder der Balkan-Grill in der Unteren Marktstraße. Beide haben vor wenigen Jahren erst eröffnet, haben ihre Wirtschaften neu hergerichtet, viel investiert, und haben kalkuliert, dass sie mit ihren laufenden Einnahmen die Investition wieder hereinholen und obendrein ihre Familien ernähren und ihre Angestellten bezahlen können.

„Wir öffnen, weil wir an die Leute denken“

Aber die Coronazeit ist anders. Ylber Pnishi, der Chef und Inhaber des Balkan-Grills, ist ein freundlicher und eigentlich immer gut gelaunter Mensch. Seinen Imbiss hat er gut konzipiert, verkauft frische Rohkost, Pommes oder Reis und dazu Grillfleisch, Balkanspezialitäten und besondere Fladenbrötchen oder Pizza. Dieser Imbiss ist ein Farbtupfer in der Vielfalt der Mittags-Möglichkeiten Winnendens. Und: Er hält durch. Auch in dieser Woche hat der Grill geöffnet, und die Leute können Essen zum Mitnehmen kaufen. „Wir öffnen, weil wir an die Leute denken, die doch schnell etwas zum Mittagessen brauchen, die Männer von der Baustelle zum Beispiel, Handwerker, die in der Stadt unterwegs sind und Hunger haben.“ Für diese Leute war der Imbiss immer da, und so soll er es auch jetzt sein.

In der Mittagspause gehen keine Menschenmengen mehr herum

Pnishi und andere Restaurants haben den Vorteil, dass sie überhaupt noch öffnen dürfen. Geht es ihm gut damit? „Es geht uns nicht besonders gut. Das Geschäft hat nachgelassen“, sagt er. Es sind kaum mehr Leute auf der Straße. Selbst in der Mittagspause gehen nur vereinzelt Leute vorbei. Die Laufkundschaft ist weg – wahrscheinlich zu Hause im Home-Office. „Am Montag“, sagt Pnishi, „war tote Hose.“ Am Dienstag sah es auch nicht vielversprechend aus. „Es lohnt sich kaum, den Laden offen zu halten, aber wir kämpfen weiter. Die, die etwas zum Essen brauchen, sollen von uns etwas bekommen. Hoffentlich werden es mehr als bis jetzt.“

Was bleibt anderes übrig, als auf Hilfe vom Staat zu hoffen?

Pnishi hat Kurzarbeit beantragt. Seine Leute teilt er jetzt sparsamer ein. Es arbeiten nur noch wenige gleichzeitig. Für alle, die in dem Imbiss arbeiten, brechen die Einnahmen weg. Ylber Pnishi ist 37 Jahre alt, verheiratet, vier Kinder. Er und seine Angestellten schauen jetzt, wie sie über die Runden kommen. Und was bleibt anderes übrig, als auf Hilfe vom Staat zu hoffen? „Kurzarbeit habe ich beantragt“, sagt Pnishi, „aber wir brauchen mehr Unterstützung. Wenn es lange so weitergeht wie jetzt, sind wir kaputt. Aber wir kämpfen.“

Ali am Kronenplatz und Pit’s Burger neben dem Balkan-Grill haben auch noch offen, haben aber dem Anschein nach auch deutlich weniger Kundschaft als bisher. Fast das ganze Geschäftsleben ist stillgelegt. Gastwirte sind, wie fast alle Kleinunternehmer, in einer extrem schwierigen Lage. Selbst wer seinen Imbiss offen hält, hat nicht so viel Kundschaft, wie er zum Überleben bräuchte. Ohne staatliche Unterstützung überlebt das kein Betrieb.

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