Winnenden Das Pflaster in der Schlossstraße soll schnell weg

Gefährliches Pflaster: Die Schlossstraße in Winnenden eigent sich nicht für Gehbehinderte und Menschen mit feinen Absätzen. Foto: ZVW/Martin Schmitzer

Winnenden.
Wer mag noch das Pflaster in der Schlossstraße? Oder in der Mühltorstraße und den anderen Seitenstraßen der Marktstraße? Es ist mittlerweile alt, hat sich gesetzt, wird holprig, die Fugen klaffen so breit, dass ganz normale Absätze versinken und festklemmen, von Stilettos wollen wir gar nicht reden. Mittlerweile empfiehlt sich festes Schuhwerk wie bei einer Bergwanderung, bei Kinderwagen eine weiche Federung und bei Rollstühlen eine robuste Konstitution – aber wer hat die schon, wenn er im Rollstuhl fährt?

Seniorenrat drängt auf eine Ausweitung der Comfortzone

Die Zeiten sind vorbei, in denen Senioren solche Holprigkeiten einfach hinnahmen. Seitdem die Stadt ihre wichtigste Einkaufsstraße, die Marktstraße, von oben bis unten mit einem gehfreundlichen Belag ausgestattet hat, drängt der Seniorenrat auf eine Ausweitung der Comfortzone. Seither ist der Unterschied zwischen einem anständigen Straßenbelag und einem Holperpflaster richtig gut spürbar. Bei vielen Gelegenheiten pochte der Seniorenratsvorsitzende Heinz Dengler darauf, dass auch die Seitenstraße der Marktstraße für Fußgänger da sind, dass sie gehfreundlich gestaltet werden müssten.

Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth hatte sich immer offen für dieses Thema gezeigt und hatte andererseits immer wieder erklärt, dass er vor und während der Heimattage in Winnenden keine solch große Baustelle aufmachen wolle. Die Stadt Verwaltung hielt sich mit Planungen und Vorschlägen zurück. Senioren und Stadträte hatten ein Einsehen und verhielten sich ruhige, feierten die Heimattage mit, vergaßen aber das Holperpflaster nie.

110 000 Euro Im Hauhaltsplan reichen nicht weit

Alle Stadträte wissen: Wenn der Belag noch im nächsten besser werden soll, dann muss im Haushaltsplan der Stadt für 2020 ein ordentlicher Geldbetrag mit dem Titel Straßenbelag in der Schlossstraße oder der Mühltorstraße oder einigen weiteren Straßen. Kaum hatte die Stadtverwaltung einen Entwurf des Haushaltsplans vorgelegt, suchten Stadträte gezielt nach diesem Betrag für den gehfreundlichen Belag. Und sie fanden: 110 000 Euro für die Planungskosten. Und für die Bagger und Bauarbeiter, die Betonsteine und Belagsarbeiten? Da fanden sie nichts. Absolut nichts.

Es hätte ja sein können, dass die Stadt im nächsten Jahr plant und im übernächsten Jahr den Bagger bestellt. Aber davon ist im Haushaltsplan bis jetzt noch nichts zu sehen. Mehrere Gemeinderäte sind enttäuscht: „ Nach den Heimattagen sollten die Arbeiten beginnen. Jetzt sehe ich keine Mittel für Bauarbeiten im Haushaltsplan“, meinte FWV-Sprecher Hans Ilg.

Personalmangel im städtischen Bauamt führt zu Verzögerungen

Bauamtsleiter Klaus Hägele erklärte: „Mangels personeller Kapazitäten hatten wir die Straßenumbauten bislang nicht auf der Agenda. Als ersten Schritt müssen wir jetzt einen Planungsauftrag vergeben. Aus der sicht von Hans Ilg ist das reichlich spät: „Für mich war klar, dass 2020 die Arbeiten beginnen.“ Nicole Steiger von der FDP betonte: „Die Erwartung in der Bürgerschaft ist: Nach den Heimattagen geht’s los.“

Mehrere Stadträte bestehen auf eine baldige Sanierung

Dass es nicht so schnell geht, wie erwartet, führt Bürgermeister Norbert Sailer auf „leider nicht besetzte Stellen“ im Stadtbauamt zurück. Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth dämpfte die Erwartungen auf gehfreundliche Seitenstraße: „Wenn wir’s heute reinnehmen, belasten wir den Finanzplan, der auf Kante genäht ist ... aus Kapazitätsgründen müssen wir es strecken.“ Mehrere Stadträte bestehen auf der baldigen Straßensanierung. OB Holzwarth blickte zu Bauamtsleiter Hägele und verpflichtete ihn, das Projekt anzugehen. Wann die Arbeiten beginnen, ob das Projekt in Schrittgeschwindigkeit vorankommt, oder wenigstens im Traktortempo, ist damit noch nicht gesagt. Es sieht so aus, als hätte die Stadtverwaltung noch einige andere Baustellen.

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