Winnenden Der multimediale Mountain-Bike Tourenführer durch den Schwäbischen Wald

Sportredakteur Thomas Wagner findet die besten Mountain-Bike-Strecken im Schwäbischen Wald. Foto: Wagner / ZVW

Winnenden. Ein bisschen „bewahnt“ muss schon sein, wer so was macht: maßlos begeisterungsfähig, naturverliebt und austrainiert. Thomas Wagner, 51, Sportredakteur bei unserer Zeitung, hat zehn Mountainbike-Touren durch den Schwäbischen Wald erarbeitet und präsentiert sie im fulminanten Multimedia-Paket „Bike-Spots“. Es lässt uns die Heimat mit neuen Augen sehen.

Dass das ein Haufen Arbeit gewesen sein muss, ahnt selbst der Laie, dessen Pedalkompetenz sich darin erschöpft, jeden Sommer Tour de France zu gucken – nur: Lässt es sich auch in Stunden ausdrücken? „Uoh“, stöhnt Thomas Wagner, „am Anfang hab ich mal Zeiten aufgeschrieben“, aber das wurde uferlos.

Im Urlaub fleißig gewesen

So entsteht eine Tour – erster Schritt: „Ich erkunde die Gegend.“ Am Rechner studiert er eine topografische Karte, fährt per Maus Wege ab und lässt sich vom PC das Höhenprofil ausspucken. Zweiter Schritt: Er schwingt sich aufs Rad und fährt „einen Tag lang rum“ – 60, 80, 100 Kilometer. Der Plan für eine 30-Kilometer-Runde konkretisiert sich. Dritter Schritt: Einen weiteren Tag verbringt er auf der frisch ersonnenen Route, um Notizen zu machen, dokumentiert jede Weggabelung, jeden Weiler, jeden Tümpel. Vierter Schritt: Noch einen Tag – na gut, „mindestens einen“ – radelt er auf seiner Strecke rauf und runter, hin und her, vorwärts und zurück, filmt und fotografiert. Fünfter Schritt: „Noch einmal abfahren und schauen, ob alles passt.“ Und das war jetzt nur die erste Tour. Nehmen wir also alles mal zehn. Am Ende wird er eher zweitausend als tausend Kilometer geschrubbt und zigtausend Höhenmeter gefressen haben. Es folgt der sechste Schritt: Fotos aussuchen und bearbeiten, Videos schneiden, Wegbeschreibungen und Tourensteckbriefe verfassen, Daten zusammenstellen, Höhenprofile grafisch aufbereiten, Einkehrmöglichkeiten auflisten. „Ich kann nicht sagen, wie viel Zeit das kostet“. Neulich hatte er ein paar Wochen Urlaub – „da habe ich nichts anderes gemacht.“

Geballter Nutzwert mit romantischem Überschuss

Er sei ja kein Profi, sagt Wagner, „ich bin überall halbwissend, höchstens. Ich kann von allem ein bisschen und nichts richtig.“ Das Ergebnis aber, das jetzt vorliegt, bietet alles und mehr; mit UV-Lack beschichtete Tourenkarten, GPS-Daten – und einen über den reinen Nutzwert hinausweisenden romantischen Überschuss: eine DVD mit zehn Videoclips. Jeder einzelnen Tour hat Wagner ein sechsminütiges Denkmal gesetzt.

Er hat dafür die Kamera an den Lenker montiert oder den Sattel geklemmt, nach vorne gefilmt, so dass wir uns beim Zuschauen mit in die Kurve legen wollen, oder nach hinten, auf dass wir erleben, wie da einer auf seinem Weg der Sonne entgegen dem eigenen Schatten davonzujagen versucht. Wir sausen durch Rindenmulch und über Grasnarben, hören, wie es knirscht unterm Reifen, glauben, das Salz auf der Haut fühlen zu können, wenn nach einem steilen Stich der Schweiß trocknet. Einmal, als Wagner aus dem Waldschatten hinausschießt ins gleißende Licht, schluckt ein Blitz aus Weiß für einen Sekundenbruchteil alle Konturen, die Kamera ist überwältigt vom Sonnenschock, dann stellt sie sich wieder scharf, auf lohendes Himmelblau und zitronensaftiges Wiesengrün.

Alles in Eigenproduktion

Zwischen den Bewegtsequenzen: Standfotos – sie zeigen Wagner selber. Und das geht so: Er hängt die Kamera in einen Baum, schaltet den Selbstauslöser ein, hechtet aufs Rad, strampelt an der Linse vorbei, steigt ab und schaut aufs Display. Faszinierende Lichtreflexe, alle Schattierungen von Grün, von wolken-marmoriertem Himmel – super! Nur von Wagner selber ist leider nur das Hinterteil drauf ... „Ein taugliches Bild bei zehn Versuchen“, das sei in etwa seine Quote. „Dabei darf dich keiner beobachten, weil alle denken würden, der ist nicht ganz sauber.“

Zum Glück sieht ihn praktisch nie jemand. Denn das ist das Frappierende an diesen Bild- und Filmdokumenten aus dem Schwäbischen Wald: Nirgendwo Leute! Sicher, an Ebnisee oder Haghofturm wuselt es. Aber gleich dahinter: „Schönstes Wetter. Und kein Mensch.“ Manchmal radelte Wagner „zwei Stunden durch den Wald“, ohne irgendjemandem zu begegnen, und dachte: „Jetzt sollte langsam echt mal was kommen.“ Er hätte sich in solchen Momenten kaum gewundert, wenn Räuber Hotzenplotz mit Pfefferpistole hinterm Baum vorgesprungen wäre oder ein Wolfsrudel die unterm wuchernden Gras kaum mehr erkennbare Wegspur gekreuzt hätte. Ja, tatsächlich: „Diese Naturnähe gibt es nicht nur im tiefsten Schwarzwald.“

Mehr als ein Tourenführer

Eigentlich ist es hier sogar besser, findet Wagner. Auch im Schwarzwald war er schon unterwegs – auf oft „sehr langen, geraden Forstwegen“, das war „nicht ganz so abwechslungsreich“. Bei uns dagegen: Wald, Wiese, Klingen und Schluchten, Aussichtspunkte, Türme, Badeseen und „super Wirtschaften. Was gibt’s hier eigentlich nicht? Okay, kein Meer. Aber sonst?“ Und das alles „auf relativ engem Raum“: Ein Rad-Tourist, der sich hier tummelte, könnte abends bequem nach Stuttgart in die Oper.

Ein Mountainbike-Tourenführer? Dieses überbordende Liebhaber-Unterfangen ist viel mehr: Es öffnet die Augen für Weite und Reichtum unserer Heimat. So verschwenderisch vielgestaltig, so schwelgerisch grün ist es hier – und keiner kriegt es mit! Man weiß gar nicht, was man sich mehr wünschen soll: Dass Marketing- und Touristik-Experten es endlich schaffen, das gewaltige Potenzial dieser so zivilisationsfernen wie metropolennahen Landschaft zu erschließen; oder dass sie das bitte lieber mal hübsch seinlassen sollen – damit alles so unberührt schön und waldeinsam bleibt, wie es ist.

Bike-Spots

10 Rundtouren, jede zwischen 24 und 31 Kilometern lang, insgesamt 268 Kilometer und 4567 Höhenmeter: Das bietet der Tourenführer „Bike-Spots – Mountainbiken im Schwäbischen Wald“. Die Touren sind so angeordnet, dass sie miteinander kombiniert und damit zu längeren Routen erweitert werden können. Startpunkte sind unter anderem in Kaisersbach, Breitenfürst, Welzheim, Steinbruck und Steinenberg. Auf den wasser- und reißfesten Tourenkarten ist auch das Verhältnis zwischen Forstweg, Asphalt und Trail angegeben. Für die Mountainbiker der jüngeren Generation besonders wichtig: Auf der beiliegenden DVD gibt es zu jeder Runde die GPS-Daten. Der Nutzer kann sie am PC aufs Navi laden.

Erhältlich via www.bike-spots.de und in den Geschäftsstellen des Zeitungsverlages in Waiblingen, Winnenden, Schorndorf, Welzheim, Backnang. Ebenfalls erhältlich: „Bike-Spots – Mountainbiken im Schurwald“.

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